Deutsche Tageszeitung - Ärzte: Sieben Demonstranten bei Protesten im Sudan getötet

Ärzte: Sieben Demonstranten bei Protesten im Sudan getötet


Ärzte: Sieben Demonstranten bei Protesten im Sudan getötet
Ärzte: Sieben Demonstranten bei Protesten im Sudan getötet / Foto: ©

Bei Protesten gegen die Machtübernahme durch das Militär im Sudan sind nach Angaben von Ärzten am Montag sieben Demonstranten getötet worden. Sie seien beim Versuch der "Putsch-Behörden, die Proteste aufzulösen", getötet worden, teilte ein der Opposition angehörendes Ärzte-Komitee mit. Die Gesamtzahl der Todesopfer seit Beginn der Demonstrationen erhöhte sich damit auf 71. Mehrere Mitglieder des UN-Sicherheitsrats riefen alle Beteiligten "zu größter Zurückhaltung" auf.

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Am Montag waren erneut tausende Menschen in Khartum, Omdurman und Wad Madani im Süden des nordafrikanischen Landes auf die Straße gegangen. In Khartum zogen die Demonstranten in Richtung des Präsidentenpalastes, woraufhin die Sicherheitskräfte Tränengas einsetzten, um den Protestzug zu stoppen. Ärzte hatten die Zahl der Toten auf der Facebook-Seite der Gesundheitsbehörden von Khartum zunächst mit drei angegeben. Später stieg die Bilanz auf sieben.

In Omdurman verbrannten Protestierende Reifen und errichteten Barrikaden, um die Straßen zu blockieren. In Khartum riefen tausende Demonstranten "Militärs in die Kasernen" und "Kein Zurück mehr möglich". Ein Augenzeuge berichtete, dass in Wad Madani "rund 2000 Menschen auf die Straße gingen und eine zivile Regierung forderten".

Die sudanesischen Behörden haben wiederholt bestritten, dass bei den seit Monaten andauernden Protesten scharfe Munition eingesetzt wird. Hingegen seien zahlreiche Sicherheitskräfte bei den Demonstrationen verletzt worden. So wurde am Donnerstag nach Polizeiangaben ein führender Polizeibeamter von Demonstranten erstochen. Der sudanesische Verteidigungsrat kündigte am Montag die Bildung einer "Antiterror-Spezialeinheit" an, "um potenziellen Bedrohungen zu begegnen".

Neun der 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats riefen die Konfliktparteien im Sudan in einer gemeinsamen Erklärung zum Gewaltverzicht auf. In der unter anderem von Frankreich, Norwegen, Großbritannien und Mexiko unterzeichneten Erklärung wurde "die Bedeutung der uneingeschränkten Achtung der Menschenrechte, einschließlich des Rechts auf friedliche Versammlung und des Rechts auf freie Meinungsäußerung" betont.

In der sudanesischen Hauptstadt Khartum werden diese Woche der US-Sondergesandte David Satterfield und die US-Staatssekretärin für afrikanische Angelegenheiten, Molly Phee, erwartet, die ihre Unterstützung für die Menschen im Sudan bekunden wollen. "Ihre Botschaft wird eindeutig sein: Die Vereinigten Staaten setzen sich für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit für das sudanesische Volk ein", teilte das US-Außenministerium mit.

US-Außenminister Antony Blinken kündigte am Montag zudem an, dass mit Lucy Tamlyn eine neue Geschäftsträgerin die Botschaft in Khartum "in dieser kritischen Phase des demokratischen Übergangs im Sudan" leiten werde.

Sudans oberster General Abdel Fattah al-Burhan hatte im Oktober den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung abgesetzt, die nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Baschir im April 2019 den Übergang zu demokratischen Wahlen hatte leiten sollen. Seitdem kommt es regelmäßig zu Massenprotesten, gegen die das Militär oft gewaltsam vorgeht.

General al-Burhan hatte erklärt, die Machtübernahme durch das Militär sei kein "Putsch", sondern ziele darauf ab, die Ausrichtung der Übergangsherrschaft zu "korrigieren".

(M.Dylatov--DTZ)

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