Deutsche Tageszeitung - Ukrainischer Außenminister: "Deutschland fürchtet sich vor wirtschaftlichen Opfern"

Ukrainischer Außenminister: "Deutschland fürchtet sich vor wirtschaftlichen Opfern"


Ukrainischer Außenminister: "Deutschland fürchtet sich vor wirtschaftlichen Opfern"
Ukrainischer Außenminister: "Deutschland fürchtet sich vor wirtschaftlichen Opfern"

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat eine mangelnde Unterstützung seines Landes durch den Westen und insbesondere Deutschland beklagt. "Einige westliche Staaten sind perfekt darin, Ausflüchte zu finden", sagte Kuleba in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem Hamburger Magazin "stern". "Deutschland fürchtet sich davor, wirtschaftliche Opfer bringen zu müssen. Aber wissen Sie was? Wir bringen wirkliche Opfer. Wir verlieren Menschen."

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"Russland nicht zu unterstützen, bedeutet nicht automatisch, dass man damit bereits die Ukraine unterstützt", sagte Kuleba. "Solange der Krieg weitergeht, muss Ihr Land mehr für uns tun."

Er fordert unter anderem, russische Im- und Exporte über deutsche Häfen zu stoppen, alle Banken vom Zahlungssystem Swift-System abzukoppeln und sämtliche Lieferungen von Gas, Öl und Kohle sofort zu beenden. "Das sind echte Maßnahmen, um Russlands Kriegsmaschinerie zu stoppen."

Kuleba pocht zudem auf die Einrichtung einer Flugverbotszone über der Ukraine, die von der Nato jedoch abgelehnt wird. Der russische Präsident Wladimir Putin nutze seine Drohungen mit Atom- und Chemiewaffen nur als "Druck- und Einschüchterungselement", sagt Kuleba. "Er will, dass der Westen vor Angst gelähmt wird, während Russland weiterhin ukrainische Städte auch ohne den Einsatz von Atomwaffen vom Erdboden tilgt."

Der Chefdiplomat war trotz der Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt wie Präsident Wolodymyr Selenskyj in Kiew geblieben. Aus Sicherheitsgründen arbeite er allerdings niemals zwei Tage hintereinander im selben Büro und wechsele permanent seinen Schlafplatz, sagte er dem "stern". "Ich schlafe schlecht, wache zwei-, dreimal in der Nacht auf. Wegen des Luftalarms."

Über die drohende Todesgefahr werde in der ukrainischen Führung aber nicht geredet, sagte der Außenminister. "Wir alle wissen: Es ist Krieg. Alles kann passieren. In jedem verdammten Moment. Da müssen wir durch. Und zwar mit Würde."

Er selbst sei "wahnsinnig stolz zu einem Land zu gehören, das sich so wehrt wie die Ukraine. "Wir haben keine Angst vor Russland", sagte Kuleba dem "stern". "Wir haben keine Wahl. Wenn die Ukraine gewinnt, wird es ein neues Russland geben. Wenn Russland gewinnt, wird es keine Ukraine mehr geben. Deshalb werden wir so lange kämpfen, bis wir gewonnen haben."

(P.Hansen--DTZ)

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