Deutsche Tageszeitung - Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte "schwer beschädigt"

Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte "schwer beschädigt"


Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte "schwer beschädigt"
Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte "schwer beschädigt" / Foto: © AFP/Archiv

Schwerer Schlag für Russlands Marine im Ukraine-Krieg: Das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte ist schwer beschädigt worden. Während Moskau von einer Munitionsexplosion auf dem Raketenkreuzer "Moskwa" sprach, gab die ukrainische Seite an, sie habe das Kriegsschiff am späten Mittwochabend mit Raketen attackiert. Die Regierung in Kiew kündigte derweil an, Fluchtkorridore für Zivilisten aus der Hafenstadt Mariupol und anderen umkämpften Gebieten im Osten am Donnerstag wieder zu öffnen.

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Die zu Sowjetzeiten gebaute "Moskwa" blockierte zusammen mit anderen Schiffen der russischen Schwarzmeerflotte die belagerte Hafenstadt Mariupol. Russische Staatsmedien berichteten unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, dass das Kriegsschiff "schwer beschädigt" worden sei. Es handelt sich um einen der größten materiellen Schäden für die russische Armee seit Kriegsbeginn am 24. Februar.

Nach Angaben des Gouverneurs der südukrainischen Region Odessa, Maxym Martschenko, wurde die "Moskwa" mit ukrainischen Raketen vom Typ "Neptun" attackiert. Der ukrainische Präsidentschaftsberater Olexij Arestowytsch erklärte, das wichtigste Schiff der russischen Schwarzmeerflotte stehe in Flammen.

Das russische Verteidigungsministerium teilte später mit, dass die "Moskwa" nicht gesunken sei. "Es gibt kein offenes Feuer. Die Munitionsexplosionen haben aufgehört. Der Kreuzer Moskwa bleibt schwimmfähig", erklärte das Ministerium. Die "Haupt-Raketenbewaffnung" des Schiffs sei nicht beschädigt worden. Die Besatzung sei evakuiert und auf nahe gelegene Schiffe im Schwarzen Meer gebracht worden, erklärte das Ministerium. Die "Moskwa" solle nun in den Hafen geschleppt werden.

Die zu Sowjetzeiten gebaute "Moskwa" war laut russischen Medienberichten 1983 in Betrieb gegangen. Im Jahr 2015 war das Kriegsschiff mit seiner 510-köpfigen Besatzung nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass im östlichen Mittelmeer im Einsatz, um von dort aus den russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in Syrien abzusichern.

Zu Beginn des russischen Angriffskrieges hatte das Schiff die nahe der rumänischen Grenze gelegene ukrainische Schlangeninsel attackiert. 19 ukrainische Marinesoldaten gerieten zeitweise in russische Gefangenschaft.

Nach Einschätzung Kiews und westlicher Staaten steht nach dem Rückzug der russischen Streitkräfte aus dem Großraum Kiew eine russische Großoffensive im Osten der Ukraine unmittelbar bevor. Die USA sagten der Ukraine am Mittwoch weitere Unterstützung zu, um sich gegen die erwarteten Angriffe verteidigen zu können.

Das Weiße Haus kündigte an, die Militärhilfen für Kiew um 800 Millionen Dollar (rund 737 Millionen Euro) aufzustocken. Geliefert werden sollen demnach unter anderem Artilleriesysteme, Artilleriemunition, Panzerfahrzeuge und Hubschrauber.

Ziel Moskaus ist laut Experten die Errichtung einer direkten Landverbindung zwischen der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim und den von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebieten in den Regionen Luhansk und Donezk.

Die am Asowschen Meer gelegene Hafenstadt Mariupol gilt dabei als strategisch entscheidend. Mariupols Bürgermeister Wadym Boitschenko wies am Donnerstag russische Angaben zur Eroberung des Hafens in der Stadt zurück. "Ich betrachte es als eine Falschmeldung", sagte Boitschenko im ARD-"Morgenmagazin". "Wir sind fest überzeugt: Mariupol war, ist und bleibt eine ukrainische Stadt", betonte Boitschenko, der per Video zugeschaltet war.

Mariupol wird seit Beginn des russischen Einmarschs belagert. Inzwischen ist die einst über 400.000 Einwohner zählende Stadt weitgehend zerstört. Die humanitäre Lage ist katastrophal. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von "zehntausenden" Toten durch die Belagerung.

Die ukrainische Regierung kündigte am Donnerstag die Wiederöffnung von Fluchtkorridoren aus Mariupol und anderen umkämpften Gebieten im Osten und Süden des Landes an. "Für heute sind neun humanitäre Korridore geplant", erklärte die stellvertretende Regierungschefin Iryna Wereschtschuk. Am Vortag waren die Evakuierungen nach ukrainischen Angaben aus Sicherheitsgründen ausgesetzt worden.

In Erwartung eines russischen Großangriffs im Osten rufen die ukrainische Behörden die Bevölkerung der Donbass-Region seit Tagen auf, sich gen Westen in Sicherheit zu bringen.

(U.Beriyev--DTZ)

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