Deutsche Tageszeitung - Umweltorganisation Greenpeace hält Ölembargo gegen Russland für umsetzbar

Umweltorganisation Greenpeace hält Ölembargo gegen Russland für umsetzbar


Umweltorganisation Greenpeace hält Ölembargo gegen Russland für umsetzbar
Umweltorganisation Greenpeace hält Ölembargo gegen Russland für umsetzbar / Foto: © AFP/Archiv

Auf der europäischen Ebene ist ein Öl-Embargo gegen Russland noch immer umstritten, die Umweltorganisation Greenpeace hält einen solchen Schritt aber für umsetzbar. "Die deutsche Ölversorgung ist selbst bei einem Vollembargo russischen Öls weiterhin gesichert", schreibt die Organisation in einem am Dienstag veröffentlichten Papier. Auch die Preisfolgen in Deutschland würden "bei geschickter Vorbereitung und Durchführung überschaubar bleiben".

Textgröße ändern:

Zwar werde auch der Wegfall aus Einnahmen aus dem Ölgeschäft "die russische Kriegsmaschinerie nicht unmittelbar stoppen". Die finanziellen Spielräume Moskaus würden jedoch "mittelfristig stark eingeschränkt". Das Papier erstellte die Beratungsfirma EnergyComment im Auftrag von Greenpeace.

Demnach entfielen 2021 rund 60 Prozent der russischen Exporterlöse auf Gas- und Rohölexporte, im vierten Quartal 2021 lieferte Russland täglich eine halbe Million Barrel Rohöl nach Deutschland. Im Januar 2022 zahlte Deutschland täglich circa 48 Millionen Euro für russisches Öl, im Februar könnte dieser Betrag laut den Experten aufgrund der gestiegenen Rohölpreise bereits bei 50 bis 60 Millionen Euro gelegen haben. Insgesamt beliefen sich die russischen Einnahmen aus Ölexporten im Jahr 2021 auf knapp 179 Milliarden Dollar (rund 167 Milliarden Euro).

Sollte sich die EU doch noch zu einem Embargo gegen russisches Öl durchringen, so stünden Russland zwar verschiedene Optionen zur Verfügung, um auf die Einnahmeausfälle zu reagieren. "Keine davon löst jedoch die Probleme Moskaus", heißt es in dem Papier. Geringe Kapazitäten in Zwischenlagern und technische Probleme bei einer Drosselung oder gar einer Unterbrechung der Ölförderung wären für Moskau laut Greenpeace "unangenehm und teuer".

Die Folgen in Deutschland würden sich laut der Umweltschutzorganisation indes in Grenzen halten: Weltweit steige die Nachfrage nach Öl immer schwächer, trotz des drohenden Lieferausfalls aus Russland rechne die Internationale Energieagentur (IEA) mit keinem großen Angebotsdefizit in den kommenden Monaten. Die Ölbranche bereite sich zudem laufend auf die aktuelle Situation vor, viele kritische logistische Engpässe seien bereits beseitigt worden. All dies lasse vermuten, "dass die Ölpreise nach einem anfänglichen Schock bald wieder auf ihr aktuelles Niveau zurückkehren werden", prognostizierte die Organisation.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Selenskyj: USA liefern wieder Geheimdienstinformationen an Ukraine

Nach mehrtägiger Unterbrechung liefern die USA nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wieder Geheimdienstinformationen an Kiew. "Es war blockiert für einige Zeit. Und dann wurde es von US-Seite wieder deblockiert", sagte Selenskyj in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit dem US-Fernsehsender NBC. Sein Land sei "dankbar" dafür.

Hunderte Menschen demonstrieren erneut gegen Regierung in Albanien

Am sechsten Tag in Folge sind in Albanien Menschen auf die Straße gegangen, um den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama zu fordern. Hunderte Demonstranten versammelten sich am Sonntag vor dem Bildungsministerium in Tirana und riefen: "Rama, tritt zurück". Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Menschen zurückzudrängen. Regierungschef Rama schloss einen Rücktritt aus.

EU verurteilt Siedler-Angriff auf europäische Diplomaten scharf

Die Europäische Union hat den Angriff radikaler Siedler auf europäische Diplomaten im Westjordanland "auf das Schärfste" verurteilt. Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas forderte die israelische Regierung am Sonntag auf, die Verantwortlichen für die Tat zur Rechenschaft zu ziehen sowie Schritte zu ergreifen, um die Siedler von Gewalttaten gegen Palästinenser und Journalisten abzuhalten.

Rot-Grün-Rot will in Berlin regieren - Scharfe Kritik aus der Union

Linke, Grüne und SPD wollen in Berlin zusammen regieren: Einen Monat nach der Abgeordnetenhauswahl schlossen sie am Wochenende ihre Sondierungsgespräche ab. Die Parteigremien sollen nun über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden. An den Plänen der drei Parteien, die unter anderem die Vergesellschaftung sehr großer Immobilienkonzerne vorsehen, wurde scharfe Kritik insbesondere aus der Union laut.

Textgröße ändern: