Deutsche Tageszeitung - Weitere Bemühungen zur Evakuierung von Zivilisten aus ukrainischer Stadt Mariupol

Weitere Bemühungen zur Evakuierung von Zivilisten aus ukrainischer Stadt Mariupol


Weitere Bemühungen zur Evakuierung von Zivilisten aus ukrainischer Stadt Mariupol
Weitere Bemühungen zur Evakuierung von Zivilisten aus ukrainischer Stadt Mariupol / Foto: © AFP

Auch am Freitag haben Helfer versucht, die schätzungsweise noch 200 Zivilisten aus dem von russischen Truppen belagerten Stahlwerk im ukrainischen Mariupol zu evakuieren. Nach ukrainischen Angaben konnten bis zum Abend 50 Zivilisten herausgebracht werden. Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj ist die Stadt "komplett zerstört".

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"Heute konnten wir 50 Frauen, Kinder und ältere Menschen aus dem Asow-Stahlwerk herausholen", erklärte die stellvertretende ukrainische Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk im Messengerdienst Telegram. Die Aktion sei "sehr langsam" verlaufen, da die russische Armee fortwährend gegen die Feuerpause verstoßen habe. Am Samstagmorgen solle die Aktion fortgesetzt werden.

In den vergangenen Tagen war es nach ukrainischen Angaben im Zuge von UN-geführten Einsätzen gelungen, fast 500 Zivilisten aus der Stadt und aus dem Stahlwerk zu evakuieren. In dem Industriekomplex haben sich hunderte Soldaten verschanzt. Russland hatte am Mittwochabend eine dreitägige Feuerpause für Evakuierungseinsätze angekündigt.

Auch am Freitag setzte das russische Militär nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums seine Offensive auf die letzte Bastion der ukrainischen Streitkräfte in Mariupol fort. Das im Stahlwerk verschanzte nationalistische Asow-Regiment schrieb im Onlinedienst Telegram, eines ihrer an der Evakuierungsaktion beteiligten Autos sei mit einer Panzerabwehrrakete beschossen worden. Dabei sei ein Soldat getötet und sechs weitere verletzt worden.

Russland soll nach Angaben Kiews am 9. Mai, dem Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland, eine Militärparade in Mariupol planen. Der Kreml bestritt dies. Es sei keine offizielle Siegesparade in Mariupol am 9. Mai geplant, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. Für den Montag sprach Präsident Selenskyj nach eigenen Angaben eine Einladung an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) aus, in die Ukraine zu kommen.

Zu Mariupol sagte Selenskyj in einem Videointerview mit dem in London ansässigen Politikinstitut Chatham House: "Sie sollten verstehen, dass Mariupol niemals fallen wird. Es gibt dort nichts, was auseinanderfallen könnte. (...) Das ist alles komplett zerstört."

Die komplette Einnahme von Mariupol wäre für Russland dennoch ein wichtiger militärischer Erfolg. Bislang hat Moskau nur über eine wichtige ukrainische Stadt, Cherson, die völlige Kontrolle errungen. Erklärtes Ziel Moskaus ist die Herstellung einer Landverbindung zur annektierten Schwarzmeer-Halbinsel sowie die vollständige Einnahme der ostukrainischen Regionen Luhansk und Donezk.

Sewerodonezk in der Region Luhansk, eine strategisch wichtige Stadt im Donbass, ist inzwischen nach Angaben ihres Bürgermeisters von russischen Soldaten und pro-russischen Separatisten "praktisch eingekreist". Diese "versuchen, die Stadt aus mehreren Richtungen anzugreifen", sagte Bürgermeister Olexander Striuk dem ukrainischen Sender 1+1 am Freitag. Der Großteil der 100.000 Einwohner habe die Stadt verlassen.

Auch aus den Gebieten Donezk und Tawrija sowie der Stadt Lyman meldete das ukrainische Verteidigungsministerium Angriffe russischer Truppen.

Bei einem Besuch in Cherson sagte ein hochrangiger Funktionär der russischen Regierungspartei Geeintes Russland, Andrej Turtschak, Russland sei "hier, um für immer zu bleiben". In der Parteierklärung, aus der die Nachrichtenagentur Ria Nowosti zitierte, hieß es weiter: "Wir werden zusammen leben und diese reiche Region zusammen weiter entwickeln."

Der UN-Sicherheitsrat stellte sich unterdessen in seiner ersten Erklärung zum Ukraine-Krieg hinter die Friedensbemühungen von UN-Generalsekretär António Guterres. "Der Sicherheitsrat drückt starke Unterstützung für die Bemühungen des Generalsekretärs bei der Suche nach einer friedlichen Lösung aus", heißt es in der am Freitag laut Diplomaten beschlossenen einstimmigen Erklärung des UN-Gremiums, dem auch Russland angehört, zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

(O.Tatarinov--DTZ)

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