Deutsche Tageszeitung - SPD sieht nach NRW-Wahl eigene Kommunikationspolitik kritisch

SPD sieht nach NRW-Wahl eigene Kommunikationspolitik kritisch


SPD sieht nach NRW-Wahl eigene Kommunikationspolitik kritisch
SPD sieht nach NRW-Wahl eigene Kommunikationspolitik kritisch / Foto: © AFP/Archiv

SPD-Chef Lars Klingbeil hat den klaren Sieg der CDU bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen eingeräumt. Die Sozialdemokraten hätten mit neun Prozent Abstand zur CDU "verloren", sagte Klingbeil nach einer Präsidiumssitzung am Montag in Berlin. Der SPD-Vorsitzende sah als einen zentralen Grund für die Wahlniederlage ein Kommunikationsdefizit im Kampf gegen die stark gestiegenen Verbraucherpreise.

Textgröße ändern:

Hier habe die SPD-geführte Regierung im Bund zwar milliardenschwere Entlastungspakete geschnürt, aber dies offenbar nicht gut genug vermittelt, sagte Klingbeil. Es sei klar gewesen, dass die gestiegenen Preise das "Top-Thema" bei der Wählerschaft gewesen seien. "Wir haben wahnsinnig viel getan in diesem Bereich und trotzdem sind wir nicht durchgedrungen damit." Deshalb sei klar, "dass wir in der Kommunikation (...) besser werden müssen".

NRW-Spitzenkandidat Thomas Kutschaty betonte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz, die Erwartungshaltung bei der Reaktion auf die Preissteigerungen sei gegenüber den Sozialdemokraten besonders hoch gewesen. Die ersten Wahlanalysen zeigten jedoch, dass die SPD bei Wählern mit geringem Einkommen besonders stark verloren habe.

Bei den Gründen für das historisch schlechteste Ergebnis der SPD in ihrer einstigen Hochburg Nordrhein-Westfalen verwies Klingbeil auch auf die niedrige Wahlbeteiligung. Diese sei nach Einschätzung der Parteiführung vor allem zulasten der SPD gegangen.

Eine Notwendigkeit für eine Kurskorrektur in der Ukraine-Politik sah Klingbeil unterdessen nicht. Der Kurs von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), bei Waffenlieferungen abzuwägen und Gaslieferungen aus Russland nicht von einem Tag auf den anderen zu beenden, habe breite Unterstützung in der Bevölkerung. Er sehe "keinen Bedarf, da etwas zu ändern".

Mit dem klaren Wahlsieg habe CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst das Recht, als erstes Gespräche über eine neue Regierung zu führen, sagte Klingbeil weiter. Führe dies nicht zum Erfolg, stehe die SPD aber bereit, "Verantwortung zu übernehmen".

Auch Kutschaty sagte, seine Partei stehe bereit und biete Grünen und FDP Gespräche an. Das Erstdiskussionsrecht liege aber bei der Union.

Kutschaty verwies darauf, dass es rechnerisch drei Koalitionsmöglichkeiten gebe: Schwarz-Grün, eine "Ampel" mit Sozialdemokraten, Grünen und FDP und daneben eine große Koalition aus CDU und SPD. Kutschaty würde nach eigenen Angaben eine "Ampel" anstreben. Die große Koalition dagegen stehe bei ihm nicht auf Platz eins "auf dem Wunschzettel", sagte er.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Rathausbrand in Limoges bei Unruhen: Weiterer Verdächtiger festgenommen

Fünf Tage nach den landesweiten Ausschreitungen in Frankreich ist ein weiterer Verdächtiger im Zusammenhang mit dem Brand des Rathauses von Limoges festgenommen worden. Der 66-Jährige sei am Donnerstagmorgen im benachbarten Département Creuse vor dem Hintergrund des durch "kriminelle" Handlungen ausgelösten Feuers gefasst worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

SPD-Vorsitz: Heil erwägt Kandidatur - Schwesig schließt sie nicht aus

Nach dem Rücktritt von SPD-Ko-Chefin Bärbel Bas zieht der frühere Bundesarbeitsminister Hubertus Heil eine Kandidatur für den Parteivorsitz unter bestimmten Bedingungen in Erwägung. "Das ist möglich", sagte Heil im Magazin "Spiegel" nach Angaben vom Donnerstag auf die Frage, ob er beim Parteitag Mitte Januar antreten werde. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) schloss eine Kandidatur nicht ausdrücklich aus. Wie Heil verwies sie auf anstehende parteiinterne Gespräche.

Selenskyj: Russische Angriffe zeigen unveränderte Haltung des Kreml zum Krieg

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht in den jüngsten russischen Raketenangriffen auf sein Land einen Beweis dafür, dass der Kreml seine Haltung zum Krieg nicht geändert habe. "Fast unmittelbar nach einer neuen Gesprächsrunde hat Russland einen gezielten Angriff gestartet. Das bedeutet, dass es keine wirkliche Änderung in seiner Haltung gegenüber all dem, was geschieht, gegeben hat", erklärte Selenskyj am Donnerstag im Onlinedienst Telegram. Seinen Angaben zufolge wurden bei den Angriffen zwei Menschen getötet, 34 Menschen seien verletzt worden.

Befragung ohne Rechtsanwalt: Europäischer Gerichtshof rügt Tschechien und Ungarn

Wenn Tatverdächtige vernommen werden, haben diese das Recht auf einen Anwalt. Sie dürfen nicht ohne Rechtsbeistand befragt werden, nur weil dieser nicht innerhalb einer bestimmten Frist erscheint, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg am Donnerstag in zwei Urteilen betonte. Tschechien und Ungarn haben somit gegen das EU-Recht verstoßen. (Az. C-660/24 und C-681/24)

Textgröße ändern: