Deutsche Tageszeitung - USA und Russland machen sich gegenseitig für schlechte Ernährungslage verantwortlich

USA und Russland machen sich gegenseitig für schlechte Ernährungslage verantwortlich


USA und Russland machen sich gegenseitig für schlechte Ernährungslage verantwortlich
USA und Russland machen sich gegenseitig für schlechte Ernährungslage verantwortlich / Foto: © AFP/Archiv

Die USA und Russland haben sich vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs gegenseitig für die sich weltweit verschlechternde Ernährungslage verantwortlich gemacht. US-Außenminister Antony Blinken warf Moskau auf einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Donnerstag vor, die Lebensmittelversorgung "von Millionen Ukrainern und Millionen weiterer Menschen auf der ganzen Welt" in Geiselhaft zu nehmen.

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"Hören Sie auf, Ländern, die Ihren Angriffskrieg kritisieren, mit einem Exportstopp für Lebensmittel und Düngemittel zu drohen", fügte Blinken hinzu. Er forderte Russland auf, die Ausfuhr von ukrainischem Getreide zuzulassen, das in Häfen am Schwarzen Meer blockiert wird.

Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensia wies die Vorwürfe zurück. Die Welt leide infolge einer Inflationsspirale seit langem unter einer Nahrungsmittelkrise. Diese sei durch steigende Versicherungskosten, logistische Engpässe und Spekulationen auf westlichen Märkten verursacht worden. Sanktionen westlicher Länder verschärften die weltweite Ernährungslage. Die ukrainischen Streitkräfte hätten ihre eigenen Häfen zudem durch Minen blockiert.

"Auf der einen Seite werden verrückte Sanktionen gegen uns verhängt, auf der anderen Seite fordern sie Lebensmittel-Lieferungen. So funktioniert das nicht, wir sind keine Idioten", erklärte Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew später auf Telegram.

Russland sei bereit, seine "Verpflichtungen in vollem Umfang zu erfüllen", aber es erwarte auch "Unterstützung von seinen Handelspartnern", fügte der heutige stellvertretende Vorsitzende des russischen Nationalen Sicherheitsrates hinzu. "Die Länder, die unseren Weizen und andere Lebensmittel importieren, werden es ohne Lieferungen aus Russland sehr schwer haben", erklärte der Ex-Präsident. "Und auf europäischen und anderen Feldern wird ohne unsere Düngemittel nur saftiges Unkraut wachsen."

Blinken erwiderte mit Blick auf die russischen Angriffe in der Ukraine: "Die Sanktionen blockieren nicht die Schwarzmeerhäfen, stellen Schiffen voller Lebensmittel keine Fallen und zerstören nicht die ukrainischen Straßen und Eisenbahnlinien". Die westlichen Sanktionen beinhalteten zudem "bewusst Ausnahmen für Nahrungsmittel, Düngemittel und Saatgut aus Russland". Die Entscheidung, Nahrungsmittel "zu einer Waffe zu machen", komme "von Moskau allein".

Die Ukraine bekräftigte indessen ihre Vorwürfe, dass russische Truppen in der Ukraine Getreide stehlen würden. Die Diebstähle beliefen sich mittlerweile auf "geschätzt 500.000 Tonnen", erklärte Serhij Dwornyk, Mitglied der diplomatischen Vertretung der Ukraine bei der UNO. "Etwa 400 Millionen Menschen weltweit sind von den Getreidelieferungen der Ukraine abhängig", betonte der ukrainische Diplomat.

"Vor der Invasion exportierte die Ukraine fünf Millionen Tonnen Getreide pro Monat", sagte er. Im März seien Exporte "auf nur etwa 200.000 Tonnen und im April auf etwa 1,1 Millionen Tonnen" gesunken.

Russland und die Ukraine produzieren zusammen 30 Prozent des weltweiten Weizenangebots. Infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine kam es jedoch zu Ernteausfällen und der Blockade von Agrarexporten. Wegen steigender Preise für Nahrungsmittel warnen Hilfsorganisationen vor einer Verschärfung des Hungers weltweit, in zahlreichen Entwicklungsländer werden Unruhen befürchtet.

(L.Møller--DTZ)

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