Deutsche Tageszeitung - Russland will laut Kiew Schlüsselpositionen im Donbass erobern

Russland will laut Kiew Schlüsselpositionen im Donbass erobern


Russland will laut Kiew Schlüsselpositionen im Donbass erobern
Russland will laut Kiew Schlüsselpositionen im Donbass erobern / Foto: © AFP

Die russischen Streitkräfte versuchen nach ukrainischen Angaben, mit heftigen Bombardierungen Schlüsselpositionen im Osten der Ukraine zu erobern. Die Lage im Donbass sei "extrem schwierig", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in der Nacht zum Dienstag. Die Russen versuchten, "alles Lebende zu eliminieren". Hochrangige russische Regierungsvertreter räumten am Dienstag ein, dass sie von einem längeren Militäreinsatz im Nachbarland ausgehen.

Textgröße ändern:

Selenskyj zufolge versucht Russland, die Städte Sewerodonezk und Lyssytschansk einzukreisen. Das Verteidigungsministerium berichtete überdies von heftigen Kämpfen um Bachmut. Der Fall von Bachmut in der Region Donezk würde den russischen Truppen die Kontrolle über einen entscheidenden Knotenpunkt verschaffen, der derzeit als Kommandozentrale für einen Großteil der ukrainischen Kriegsanstrengungen im Osten dient.

Der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj, berichtete von so schwerem Beschuss in Sewerodonezk, dass Evakuierungen unmöglich seien. Dabei wurden nach Angaben des Präsidialamts vom Dienstag vier Menschen getötet und vier weitere verletzt. "Eine solche Dichte des Beschusses wird es uns nicht erlauben, die Menschen in aller Ruhe zu sammeln und sie zu holen", erklärte Gajdaj auf Telegram. In der Region Donezk wurden laut Präsidialamt drei Menschen getötet und sechs weitere verletzt.

Im Süden schien die Front hingegen stabil zu sein, auch wenn die Ukraine Gewinne für sich beansprucht. Das ukrainische Südkommando berichtete in der Nacht zum Dienstag von einem "Vorstoß" seiner Divisionen "durch die Region Mykolajiw in Richtung der Region Cherson".

Die Spitzen des russischen Verteidigungsministeriums und des mächtigen Sicherheitsrates machten am Dienstag deutlich, dass der russische Militäreinsatz in der Ukraine länger dauern werde. Der Einsatz werde so lange dauern wie nötig, erklärte der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Nikolai Patruschew, der russischen Zeitung "Argumenty i Fakty".

Verteidigungsminister Sergej Schoigu kündigte an, der Militäreinsatz werde "bis zur Realisierung aller Ziele, unabhängig von der enormen westlichen Hilfe für das Regime in Kiew und von dem beispiellosen Sanktionsdruck" fortgesetzt. Das russische Bemühen, zivile Opfer zu vermeiden, "verlangsamt natürlich das Tempo der Offensive, aber das ist beabsichtigt".

Seit Beginn des Kriegs vor drei Monaten hat Russland laut Präsident Selenskyj fast 1500 Raketenangriffe und mehr als 3000 Luftangriffe auf die Ukraine ausgeführt - die meisten davon auf zivile Ziele. Nach Angaben der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft wurden allein 234 Kinder getötet und 433 weitere verletzt.

Westliche Länder haben die Ukraine in den vergangenen drei Monaten mit enormen Summen und Waffenlieferungen bei der Abwehr der russischen Angriffe unterstützt. So hatte Deutschland unter anderem Ringtauschs von Panzern mit osteuropäischen Ländern zugesagt.

Polens Präsident Andrzej Duda warf der Bundesregierung jedoch vor, ihre Zusagen nicht einzuhalten. Die Regierung in Berlin habe Polen Leopard-Panzer versprochen, um die von seinem Land an die Ukraine gelieferten polnischen Bestandspanzer zu ersetzen, sagte Duda dem Fernsehsender Welt. "Sie haben dieses Versprechen nicht erfüllt. Und offen gesagt: Wir sind sehr enttäuscht darüber."

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba rief den Westen am Dienstag zu weiterer Unterstützung auf. "Ich fordere unsere Partner auf, die Lieferung von Waffen und Munition zu beschleunigen", erklärte er auf Twitter. Benötigt würden insbesondere Mehrfachraketenwerfer, Langstrecken-Artillerie und gepanzerte Fahrzeuge.

Der Bürgermeister der kürzlich von Russland eroberten Hafenstadt Mariupol, Wadym Boitschenko, berichtete in einer Videobotschaft beim Weltwirtschaftsforum in Davos, 90 Prozent der Infrastruktur seiner Heimatstadt seien zerstört. Geschätzte 20.000 Menschen seien bei der wochenlangen Belagerung Mariupols gestorben. Epidemien könnten nun "tausende weitere Opfer fordern", warnte er.

Die russische Armee hat nach eigenen Angaben mit der Minenräumung in Mariupol begonnen. "Bis dato wurden mehr als 50 Kilometer der Küste des Asowschen Meeres untersucht und mehr als 300 verschiedene Munitionsarten neutralisiert", teilte die Armee mit.

(G.Khurtin--DTZ)

Empfohlen

Schnieder besorgt über mögliche AfD-Beteiligung an Ministerpräsidentenkonferenz

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) hat vor möglichen Sicherheitsrisiken gewarnt, sollte künftig ein AfD-Regierungschef der Ministerpräsidentenkonferenz der Länder angehören. "Ich möchte nicht, dass die Tür nach Moskau offen ist, nur weil er jetzt mit am Tisch sitzt", sagte Schnieder am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin" mit Blick auf den möglichen AfD-Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt.

Nach Gewalt bei Protesten: Thailand und Malaysia warnen vor Reisen nach Frankreich

Wegen der Proteste in Frankreich und anderen EU-Staaten rät die Regierung in Thailand von nicht notwendigen Reisen in diese Länder ab. Bei einem Besuch in Italien empfahl Außenminister Sihasak Phungketkeow am Mittwochabend, geplante Aufenthalte vorerst zu verschieben. Wer dennoch nach Europa reise, müsse die Situation genau beobachten, sagte er. Vor allem Frankreich gebe weiterhin Anlass zur Sorge. Auch Malaysia warnte seine Bürger davor, Frankreich zu besuchen.

Arbeitskreis Steuerschätzung gibt Herbstprognose bekannt

Der Arbeitskreis Steuerschätzung gibt am Donnerstagnachmittag seine diesjährige Herbstprognose bekannt. Auf einer Pressekonferenz in Berlin will sich anschließend (15.00 Uhr) Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) dazu äußern. Angesichts etwas verbesserter Wachstumsaussichten könnten die Einnahmeerwartungen leicht nach oben korrigiert werden.

Ministerpräsidentenkonferenz trifft sich in Berlin

Die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) der Länder tagt am Donnerstag (09.30 Uhr) unter dem Vorsitz von Rheinland-Pfalz im Bundesrat in Berlin. Die Beratungen finden ohne Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) allein auf Länderebene statt. Um 13.45 Uhr sollen die Ergebnisse bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden. Zu den geplanten Themen wollte sich die rheinland-pfälzische Staatskanzlei vorab noch nicht äußern.

Textgröße ändern: