Deutsche Tageszeitung - Ukraine meldet Erfolge bei Verteidigung von Sjewjerodonezk

Ukraine meldet Erfolge bei Verteidigung von Sjewjerodonezk


Ukraine meldet Erfolge bei Verteidigung von Sjewjerodonezk
Ukraine meldet Erfolge bei Verteidigung von Sjewjerodonezk / Foto: © AFP

Die Streitkräfte der Ukraine haben nach ukrainischen Angaben kleine Erfolge bei der Verteidigung der strategisch wichtigen Stadt Sjewjerodonezk im Osten des Landes erzielt. Russland werfe zwar sein "ganzes Gewicht und seine Reserven" in die Schlacht um die Stadt, erklärte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, am Samstag. Die ukrainischen Kräfte "drängen sie aber jetzt zurück". Eine ukrainische Freiwilligenbrigade meldete unterdessen den Tod eines deutschen Kämpfers in ihren Reihen.

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Gouverneur Gajdaj zufolge gelang es den russischen Kräften, "den größten Teil der Stadt" zu besetzen. Am Freitag hatte Gajdaj erklärt, ukrainische Kräfte hätten ein Fünftel der Stadt zurückerobert. Sjewjerodonezk ist die größte Stadt in der Region Luhansk, die noch unter ukrainischer Kontrolle steht. Im Industriegebiet der Stadt werde gekämpft, der "Straßenkampf" in der Stadt weiter, erklärte auch die ukrainische Präsidentschaft. Russland will das gesamte, wirtschaftlich wichtige Gebiet des Donbass im Osten der Ukraine besetzen.

Sjewjerodonezk zählte vor Beginn des russischen Angriffskriegs Ende Febuar rund 100.000 Einwohner. "Mindestens sechs Wohnblöcke wurden in Sjewjerodonezk und Lyssytschansk beschädigt" und "es gab vier Tote und einen Verletzten" im östlichen Teil der Region Luhansk, wie die Präsidentschaft weiter mitteilte. Gouverneur Gajdaj hatte schwere Waffen gefordert, um eine fast vollständige Zerstörung wie in der Hafenstadt Mariupol zu verhindern.

Im 80 Kilometer von Sjewjerodonezk entfernten Slowjansk hatte der Bürgermeister die Einwohner am Freitag aufgerufen, angesichts heftiger Bombardements ihre Häuser zu verlassen. Wasser- und Stromversorgung sind in der Stadt zusammengebrochen. Kämpfe wurden am Samstag von den ukrainischen Behörden auch aus dem Süden der Ukraine in der Region Cherson gemeldet sowie ein russischer Raketenangriff im Hafen von Odessa.

Zum Tod des deutschen Kämpfers teilte eine Freiwilligenbrigade namens Internationale Verteidigungslegion der Ukraine am Samstag mit, insgesamt vier ausländische Freiwillige, die auf der Seite der Ukraine gekämpft hatten, seien ums Leben gekommen. Neben dem Deutschen seien drei Männer aus den Niederlanden, Frankreich und Australien getötet worden.

Zu den Umständen des Todes der vier ausländischen Kämpfer oder dem Ort machte die Freiwilligenbrigade keine Angaben. Wo der Deutsche und der Australier getötet wurden, blieb zunächst unklar, der Franzose und der Niederländer waren offenbar in der Nähe von Charkiw im Nordosten ums Leben gekommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte kurz nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar die Bildung einer internationalen Brigade aus Freiwilligen angekündigt. Nach ukrainischen Angaben meldeten sich daraufhin rund 20.000 Freiwillige aus aller Welt.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Samstag, russische Kräfte hätten eine "Einsatzstelle für ausländische Söldner" im Dorf Datschne nahe Odessa getroffen. In der Region Sumy im Nordosten des Landes habe ein russischer Raketenangriff zudem ein "Trainingszentrum" getroffen, in dem ukrainische Soldaten von ausländischen Ausbildern an Haubitzen vom Typ M777 trainiert worden seien.

Russische Einheiten besetzen rund 100 Tage nach Beginn der Invasion der Ukraine derzeit nach ukrainischen Angaben rund ein Fünftel des Landes und blockieren die Schwarzmeerhäfen des Landes. Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte sich am Freitag in einer Videoansprache zu hundert Tagen Krieg dennoch siegessicher geäußert. In einer Ansprache erklärte er, die russische Armee beschränke sich nur noch auf "Kriegsverbrechen, Schande und Hass", nachdem sie ihre militärischen Ziele verfehlt habe.

Der Kreml sieht indes "bestimmte" Ziele als erreicht an. Sprecher Dmitri Peskow sagte am Freitag vor Journalisten, "zahlreiche Orte" seien durch Russland von "bewaffneten, pro-nazistischen ukrainischen Kräften" und "nationalistischen Elementen" "befreit" worden. Dies habe der Bevölkerung eine Rückkehr zu einem "Leben in Frieden" ermöglicht.

(Y.Leyard--DTZ)

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