Deutsche Tageszeitung - Ukrainische Armee erleidet Rückschläge im Kampf um Sjewjerodonezk

Ukrainische Armee erleidet Rückschläge im Kampf um Sjewjerodonezk


Ukrainische Armee erleidet Rückschläge im Kampf um Sjewjerodonezk
Ukrainische Armee erleidet Rückschläge im Kampf um Sjewjerodonezk / Foto: © UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE/AFP

Inmitten der erbitterten Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt Sjewjerodonezk hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Donbass-Region im Osten des Landes besucht. Er besichtigte dabei nach Angaben des Präsidialamtes Kommandoposten und Stellungen an der Front. Regionalgouverneur Serhij Gajdaj sagte am Montag, die Lage für die ukrainische Armee in Sjewjerodonezk habe sich nach jüngsten Erfolgen wieder "verschlechtert". Großbritannien kündigte derweil an, die Ukraine mit der Lieferung von Mehrfachraketenwerfern zu unterstützen.

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"Die Kämpfe in Sjewjerodonezk sind sehr heftig", sagte Gouverneur Gajdaj dem ukrainischen Fernsehsender 1+1. Die russischen Truppen hätten ihre Angriffe auf die Stadt und das benachbarte Lyssytschansk nochmals verschärft.

"Unseren Verteidigern ist es gelungen, einen Gegenangriff zu starten und die Hälfte der Stadt zu befreien, aber die Situation hat sich für uns verschlechtert", fügte Gajdaj hinzu. Die russische Armee zerstöre "alles mit ihrer üblichen Taktik der verbrannten Erde" - damit es "nichts mehr zu verteidigen gibt".

Sjewjerodonezk ist die letzte größere Stadt der Region Luhansk im Donbass, die von Russland noch nicht erobert wurde. Erklärtes Ziel der russischen Streitkräfte ist es, die gesamte Donbass-Region, zu der auch die Region Donezk gehört, einzunehmen.

Selenskyj stattete am Sonntag den ukrainischen Truppen in Lyssytschansk und in mehreren anderen Orten einen Besuch ab. Selenskyj habe sich im Donbass "mit der Einsatzsituation an der Verteidigungsfrontlinie vertraut" gemacht, hieß es aus dem Präsidialamt.

"Ich bin stolz auf jeden, den ich getroffen habe, dem ich die Hand geschüttelt habe, mit ich mich ausgetauscht habe, den ich unterstützt habe", sagte Selenskyj nach dem Besuch in seiner abendlichen Ansprache. Selenskyj hatte zuletzt Ende Mai die ukrainischen Soldaten an der Front besucht. Der russische Staatschef Wladimir Putin hat hingegen bislang seine Truppen im Ukraine-Krieg nicht besucht.

Russland kontrolliert nach Angaben Kiews inzwischen ein Fünftel der Ukraine. Nachdem der russische Angriff in anderen Teilen der Ukraine ins Stocken geraten war, konzentriert sich Russland seit Ende März auf die Eroberung des Donbass.

In der Hauptstadt Kiew schlugen am Sonntag erstmals seit Ende April wieder russische Raketen ein. Während die ukrainische Seite von beschädigter Infrastruktur der Bahn sprach, meldete Moskau die gezielte Zerstörung von frisch aus dem Ausland gelieferten Panzern.

Russlands Präsident Wladimir Putin warnte die westlichen Staaten zugleich davor, der Ukraine Langstreckenraketen zu liefern. Andernfalls "werden wir die entsprechenden Schlussfolgerungen ziehen und unsere Waffen einsetzen (...), um Objekte zu treffen, die wir bisher nicht getroffen haben", sagte er am Sonntag nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Demnach machte er keine genaueren Angaben, welche potenziellen Ziele er damit meint.

Die USA hatten vor wenigen Tagen die Lieferung von Mehrfachraketenwerfern des Typs Himars an die Ukraine angekündigt. Die mobilen Geräte können mehrere präzisionsgelenkte Raketen gleichzeitig auf Ziele in bis zu 80 Kilometern Entfernung abfeuern.

Weitere Unterstützung erhalten die ukrainischen Streitkräfte nun von Großbritannien. Das Verteidigungsministerium in London kündigte am Montag an, der Ukraine Mehrfachraketenwerfer vom Typ M270 zur Verfügung zu stellen. Das Waffensystem kann ebenfalls Ziele in bis zu 80 Kilometern Entfernung mit präzisionsgelenkten Raketen treffen. Dies bedeute "einen deutlichen Schub für die Fähigkeiten der ukrainischen Armee", hob das britische Verteidigungsministerium hervor. Großbritannien will ukrainische Soldaten auch im Einsatz des neuen Waffensystems schulen.

Für Ärger sorgte in Moskau am Montag die erzwungene Absage einer Serbien-Reise von Außenminister Sergej Lawrow. Hintergrund war die Entscheidung der serbischen Nachbarländer Bulgarien, Nordmazedonien und Montenegro, dem Flugzeug des russischen Chefdiplomaten den Überflug zu verweigern. Der ebenso wie Putin mit westlichen Sanktionen belegte Lawrow sprach von einem "Skandal". Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nannte die Verweigerung der Überflugrechte einen "feindlichen Akt". Dieser könne "gewisse Probleme" bereiten.

Eigentlich hätte Lawrow am Montag zu einem zweitägigen Besuch in Belgrad eintreffen sollen. Serbien hat den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zwar verurteilt, zugleich lehnt Belgrad es aber ab, sich den EU-Sanktionen gegen Russland anzuschließen.

(V.Korablyov--DTZ)

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