Deutsche Tageszeitung - Russland weist Vorwürfe nach Raketenangriff in Krementschuk zurück

Russland weist Vorwürfe nach Raketenangriff in Krementschuk zurück


Russland weist Vorwürfe nach Raketenangriff in Krementschuk zurück
Russland weist Vorwürfe nach Raketenangriff in Krementschuk zurück / Foto: © Ukrainian State Emergency Service Press Service/AFP

Nach dem von den G7-Staaten als "Kriegsverbrechen" verurteilten russischen Raketenangriff in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk hat Russland den Vorwurf zurückgewiesen, gezielt ein gut besuchtes Einkaufszentrum beschossen zu haben. Die russische Armee erklärte am Dienstag, der Angriff habe sich gegen ein nahe gelegenes Waffen- und Munitionslager gerichtet; das zu dem Zeitpunkt geschlossene Einkaufszentrum sei durch explodierende Munition in Brand geraten. Die Zahl der Todesopfer stieg nach ukrainischen Angaben auf mehr als 20, mehr als 40 weitere Menschen werden demnach vermisst.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte nach dem Angriff in Krementschuk die Einstufung Russlands als "staatlicher Sponsor des Terrorismus". Nur "völlig verrückte Terroristen" würden zivile Einrichtungen mit Raketen angreifen, erklärte Selenskyj im Onlinedienst Telegram. Kindergärten, Schulen, Einkaufszentren und Wohngebäude in der Ukraine würden nicht versehentlich von Raketen getroffen, sondern gezielt beschossen, betonte Selenskyj: "Die Welt kann und muss den russischen Terror beenden."

Nach ukrainischen Angaben war das Einkaufszentrum voller Menschen, als es angegriffen wurde; Selenskyj zufolge hielten sich "mehr als 1000 Menschen" in dem Gebäude auf. Die russische Armee betonte dagegen, das Einkaufszentrum sei zum Angriffszeitpunkt geschlossen gewesen.

"Wahllose Angriffe auf unschuldige Zivilisten sind ein Kriegsverbrechen", erklärten ihrerseits die im bayerischen Elmau versammelten Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten nach dem russischen Angriff. Russlands Präsident Wladimir Putin und weitere Verantwortliche für diesen "abscheulichen" Angriff müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Der UN-Sicherheitsrat wollte sich am Dienstag in einer Sondersitzung mit den jüngsten russischen Angriffen auf zivile Ziele in der Ukraine befassen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron verbreitete auf Twitter ein Video von den Folgen des Angriffs und forderte die russische Bevölkerung auf, "der Wahrheit" über das russische Vorgehen in der Ukraine "ins Auge zu sehen". Dieses sei "blanker Horror". US-Präsident Joe Biden verurteilte den "grausamen Angriff auf Zivilisten". Die USA würden Russland für derartige "Gräuel" zur Verantwortung ziehen und die ukrainische Armee weiterhin unterstützen.

Der Kreml erklärte derweil, Russland würde seine Offensive in der Ukraine einstellen, sobald das Land kapituliere: "Die ukrainische Seite kann alles noch heute beenden", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Notwendig sei "eine Anordnung an die nationalistischen Einheiten und Soldaten, ihre Waffen niederzulegen." Auch müsse Kiew alle russischen Bedingungen erfüllen. Bis dahin richte sich Russland nach "den Aussagen unseres Präsidenten" - der "militärische Spezialeinsatz" verlaufe "planmäßig" und "erreicht seine Ziele".

Russland verhängte am Dienstag zudem Einreiseverbote gegen die Ehefrau und die Tochter von US-Präsident Joe Biden sowie 23 weitere US-Bürger. Die Strafmaßnahme gegen First Lady Jill Biden, Tochter Ashley und die weiteren US-Bürger sei eine Reaktion auf von den USA beschlossene Sanktionen, teilte Moskau mit. Für den US-Präsidenten gilt bereits ein Einreiseverbot.

Russische Truppen setzten nach ukrainischen Angaben auch ihre Versuche fort, die ostukrainische Großstadt Lyssytschansk einzukreisen. Die ukrainische Armee verteidige die Stadt jedoch weiterhin. Von den ursprünglich 95.000 Einwohnern harren laut Gouverneur Serhij Hajdaj noch etwa 15.000 in der Stadt aus. Die gesamte Region Luhansk liege nach wochenlangen russischen Angriffen inzwischen in "Ruinen". Die Zerstörung in den Dörfern sei "katastrophal".

Lyssytschansk ist das nächste wichtige Ziel der russischen Truppen, nachdem sie die Nachbarstadt Sjewjerodonezk nach wochenlangen Gefechten am Wochenende gänzlich eingenommen hatten. Die Region Luhansk, eine der beiden Teilregionen des Donbass, steht damit nahezu vollständig unter russischer Kontrolle.

(A.Nikiforov--DTZ)

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