Deutsche Tageszeitung - Ungarn will 700 zusätzliche Kubikmeter Gas von Russland kaufen

Ungarn will 700 zusätzliche Kubikmeter Gas von Russland kaufen


Ungarn will 700 zusätzliche Kubikmeter Gas von Russland kaufen
Ungarn will 700 zusätzliche Kubikmeter Gas von Russland kaufen / Foto: © AFP

Die ungarische Regierung bemüht sich ungeachtet der Bestrebungen der EU, sich unabhängiger von russischen Energielieferungen zu machen, um mehr Gas aus Russland. Außenminister Peter Szijjarto unternahm am Donnerstag eine unangekündigte Reise nach Moskau, um dort über den Kauf von 700 Millionen zusätzliche Kubikmeter Gas zu "verhandeln", wie die Regierungspartei Fidesz mitteilte. Szijjartos russischer Amtskollege Sergej Lawrow zeigte sich grundsätzlich offen für weitere Lieferungen und lobte die bilateralen Beziehungen beider Länder.

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Ziel sei es, die Sicherheit der Energieversorgung Ungarns "in den nächsten Monaten" zu gewährleisten, sagte Szijjarto bei einer Pressekonferenz in Moskau. Es sei "im derzeitigen Kontext" unmöglich, ohne russisches Gas auszukommen. "Das ist eine Tatsache." Er fügte hinzu: "Man kann falsche Hoffnungen wecken, man kann träumen, man kann bluffen, aber die Fakten und die physische Realität sind hartnäckig."

Lawrow bestätigte das ungarische "Interesse" an weiterem Erdgas. Die Anfrage aus Budapest werde nun "geprüft".

Die ungarischen Bemühungen stehen im Gegensatz zum Ansatz der EU. Brüssel wirft Russland Erpressung mit seiner Energiepolitik vor und hatte erst am Mittwoch einen strategischen Plan vorgestellt, wonach ausbleibende russische Gasimporte vor allem mit Einsparungen ausgeglichen werden sollen.

In Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hat die EU drastische Sanktionen gegen Moskau verhängt. Dazu zählt unter anderem ein weitreichendes Embargo gegen russisches Erdöl. Bei Gas gibt es eine solche Maßnahme aber nicht.

Seit seinem Einmarsch in die Ukraine hat Russland von sich aus aber seine Gaslieferungen nach Europa deutlich gedrosselt. Dies löste auch in Deutschland Sorge um die Energiesicherheit im anstehenden Winter aus.

Ungarn ist noch abhängiger von russischen Energieimporten. Es bezieht 65 Prozent seines Öls und 80 Prozent seines Gases aus Russland. Wegen der drohenden Engpässe hatte die Regierung in Budapest in der vergangenen Woche den Notstand ausgerufen.

Ungarns Regierungschef Viktor Orban pflegt eine zweideutige Haltung zu Russland. Den Angriff auf die Ukraine hat er zwar verurteilt, die Sanktionspolitik der EU kritisiert er jedoch regelmäßig scharf. Das EU-Ölembargo hatte er wochenlang blockiert und dann eine Ausnahme für sein Land herausgehandelt.

Lawrow hob die Bedeutung der bilateralen Beziehungen zwischen Ungarn und Russland hervor. "Ich schätze unsere Beziehungen wirklich sehr", sagte der russische Außenminister. "Unsere heutigen Gespräche haben ihren dauerhaften und strategischen Charakter bestätigt. Und wir werden sie auf jede erdenkliche Weise ausbauen." Russland werde nicht zulassen, dass Brüssel dies beeinträchtige "und wir werden nach Lösungen suchen, um unsere Zusammenarbeit in allen Bereichen gegen solche Launen und Bestrafungsversuche unempfindlich zu machen", fügte Lawrow hinzu.

(V.Varonivska--DTZ)

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