Deutsche Tageszeitung - Ukraine wirft Russland Angriff auf Hafen in Odessa vor

Ukraine wirft Russland Angriff auf Hafen in Odessa vor


Ukraine wirft Russland Angriff auf Hafen in Odessa vor
Ukraine wirft Russland Angriff auf Hafen in Odessa vor / Foto: © AFP

Die Ukraine hat Russland vorgeworfen, nur einen Tag nach dem Getreide-Abkommen zwischen beiden Ländern den Hafen der ukrainischen Stadt Odessa mit Raketen beschossen zu haben. "Wir haben zwei Raketen abgeschossen, zwei weitere haben das Hafengelände getroffen", sagte der ukrainische Militärsprecher Jurij Ignat. In dem getroffenen Hafengelände gebe es "selbstverständlich Getreide". Moskau bestritt nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums, den Angriff ausgeführt zu haben.

Textgröße ändern:

Odessa ist die größte Stadt und der wichtigste Hafen an der Schwarzmeerküste. Sie ist für die Wiederaufnahme der ukrainischen Getreideexporte von entscheidender Bedeutung.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, sich routinemäßig nicht an Abmachungen zu halten. Der Beschuss des Hafens in Odessa beweise "eine Sache: Egal was Russland sagt und verspricht, es wird Wege finden, es nicht umzusetzen", sagte Selenskyj nach Angaben seines Büros bei einem Gespräch mit US-Abgeordneten.

Aus Moskau gab es zunächst keine Stellungnahme zu dem Vorfall in Odessa, nach Angaben Ankaras wies Russland aber die Verantwortung für den Raketenbeschuss von sich. "Die Russen haben uns mitgeteilt, dass sie absolut nichts mit diesem Angriff zu tun haben und dass sie sich die Sache sehr genau ansehen", sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar. Der Vorfall "macht uns wirklich besorgt", fügte er hinzu.

Die UNO und die Türkei hatten monatelang zwischen Kiew und Moskau vermittelt, um eine Wiederaufnahme der seit Kriegsbeginn blockierten ukrainischen Getreidelieferungen zu erreichen. Am Freitag einigten sich Russland und die Ukraine schließlich und unterzeichneten ein Abkommen, das abgesicherte Transitrouten im Schwarzen Meer für die Getreidelieferungen vorsieht. Die Kriegsparteien sagten zu, keine Schiffe auf diesen Routen anzugreifen. Nach russischen Angaben sollten die Lieferungen "in den nächsten paar Tagen" beginnen.

Mit der Attacke habe Russlands Präsident Wladimir Putin "UN-Generalsekretär António Guterres und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die große Anstrengungen unternommen haben, um eine Einigung zu erzielen, ins Gesicht gespuckt", erklärte der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Oleg Nikolenko.

Das Abkommen soll unter anderem die Ausfuhr der geschätzten 20 bis 25 Millionen Tonnen Weizen ermöglichen, die durch den seit Ende Februar dauernden Krieg in ukrainischen Silos feststecken. Russland und die Ukraine gehören zu den weltweit größten Getreideproduzenten.

UN-Generalsekretär Guterres verurteilte den Beschuss des Hafens von Odessa am Samstag "unmissverständlich". Die vollständige Umsetzung des Abkommens sei "zwingend erforderlich", erklärte er. Die britische Regierung nannte die Attacke "absolut entsetzlich".

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell bezeichnete es als "besonders verwerflich", dass Russland einen Tag nach der Einigung von Istanbul für den Getreideexport entscheidende Infrastruktur angreife. Dies zeige "erneut Russlands völlige Missachtung des Völkerrechts und seiner Verpflichtungen", erklärte er auf Twitter.

Auch aus anderen Teilen der Ukraine wurden am Samstag russische Angriffe gemeldet. In der zentralukrainischen Region Kirowograd wurden dabei nach Angaben des dortigen Gouverneurs Andrij Raikowytsch mindestens drei Menschen getötet, darunter ein Soldat.

Das US-Außenministerium teilte unterdessen mit, dass "kürzlich" zwei US-Bürger in der umkämpften Donbass-Region ums Leben gekommen seien. Informationen zu den Todesumständen wurden zunächst nicht bekannt.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Nach Bolsonaros Niederlage: Trump nennt Brasilien-Wahl "manipuliert"

US-Präsident Donald Trump hat Zweifel am Wahlsieg des linksgerichteten brasilianischen Staatschefs Luiz Inácio Lula da Silva gesät. Es sehe nach einer "manipulierten Wahl" aus, sagte Trump am Montag nach der Niederlage seines Verbündeten, des rechtsgerichteten Politikers Flávio Bolsonaro. Die Niederlage Bolsonaros bedeutet für Trump einen Rückschlag nach Wahlsiegen verbündeter Politiker in lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien, Kolumbien oder Chile.

Flavio Bolsonaro darf nach eigenen Angaben Brasilien nicht verlassen

Gegen den bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien unterlegenen Kandidaten Flávio Bolsonaro ist nach dessen eigener Aussage eine Ausreisesperre verhängt worden. Er habe eine Anordnung des Obersten Gerichtes erhalten, wonach er seine Pässe abgeben müsse und es ihm untersagt sei, das Land zu verlassen, sagte Bolsonaro am Montag in einem Video. Er kündigte zugleich an, dass er weiter die Opposition anführen und sich "nicht einschüchtern" lassen wolle.

Nach Machados Rückkehr: Venezuelas Übergangspräsidentin wirft ihr "Show" vor

Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez hat der Oppositionspolitikerin María Corina Machado nach deren überraschender Rückkehr ins Land vorgeworfen, eine "Show" zu inszenieren. "Ich glaube ganz ehrlich, dass sie aufhören sollte, Politik wie eine Show zu betreiben, denn die Politik ist etwas sehr Ernsthaftes", sagte Rodríguez am Montag mit Bezug auf die nicht veröffentlichten Umstände von Machados Rückkehr. "Es gibt ja hier Flughäfen", fügte sie hinzu.

Verteidigungsministertreffen: Pistorius spricht Putin ernsthaften Friedenswillen ab

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat Kremlchef Wladimir Putin vor dem Hintergrund der für November in Aussicht gestellten Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA mangelnden Friedenswillen vorgeworfen. "Putin simuliert immer mal wieder Gesprächsbereitschaft", sagte Pistorius am Montag nach einem E5-Verteidigungsministertreffen in Paris. "Nichts, aber auch gar nichts" deute darauf hin, dass Putin "an einem Waffenstillstand oder gar an einem Frieden interessiert ist".

Textgröße ändern: