Deutsche Tageszeitung - Trump verweigert Aussage unter Eid und erhebt schwere Vorwürfe gegen das FBI

Trump verweigert Aussage unter Eid und erhebt schwere Vorwürfe gegen das FBI


Trump verweigert Aussage unter Eid und erhebt schwere Vorwürfe gegen das FBI
Trump verweigert Aussage unter Eid und erhebt schwere Vorwürfe gegen das FBI / Foto: © AFP

Der wegen verschiedener Vorwürfe unter Druck geratene frühere US-Präsident Donald Trump hat eine Aussage unter Eid verweigert und zugleich heftige Anschuldigungen gegen das FBI erhoben. In einem Betrugsverfahren gegen seine Familienholding in New York beantwortete der 76-Jährige am Mittwoch die ihm unter Eid gestellten Fragen nicht. Dem FBI warf er nach der Durchsuchung seines Anwesens vor, möglicherweise Beweise gegen ihn "platzieren" zu wollen.

Textgröße ändern:

"Ich habe die Beantwortung der Fragen entsprechend der aus der Verfassung der Vereinigten Staaten hervorgehenden Rechte jedes Bürgers verweigert", erklärte Trump nach seinem Termin in den Büros der New Yorker Generalstaatsanwaltschaft. Er habe sich zwar früher einmal gefragt, "wenn Du unschuldig bist, warum verweigerst Du die Aussage?", gestand Trump ein. Aber er habe angesichts der "Hexenjagd" gegen ihn "keine andere Wahl" gehabt, als dem Rat seiner Anwälte zu folgen.

In dem zivilrechtlichen Verfahren geht es um den Verdacht, dass die Familienholding Trump Organization den Wert von Immobilien künstlich aufgeblasen hatte, wenn sie Kredite von Banken erhalten wollte. In anderen Fällen sollen die Immobilienwerte kleingerechnet worden sein, um weniger Steuern oder Versicherungsbeiträge zahlen zu müssen. Unmittelbar vor seinem Aussage-Termin hatte Trump das Betrugsverfahren in seinem Online-Netzwerk als "größte Hexenjagd in der Geschichte der USA" gebrandmarkt und sein Land mit einer "Bananenrepublik" verglichen.

Parallel zu dieser zivilrechtlichen Untersuchung führt die Staatsanwaltschaft von Manhattan auch strafrechtliche Ermittlungen zum Geschäftsgebaren des Trump-Konzerns. Im Juli vergangenen Jahres wurde Anklage gegen die Trump Organization und deren langjährigen Finanzchef Allen Weisselberg wegen Steuerbetrugs erhoben. Der Prozess soll noch in diesem Jahr beginnen.

Eigentlich hätten der Ex-Präsident und seine ältesten Kinder Donald Junior und Ivanka Trump bereits am 15. Juli unter Eid aussagen müssen. Der Termin war wegen des Todes von Trumps erster Ehefrau Ivana aber ausgesetzt worden.

Der nun neu angesetzte Aussage-Termin fand inmitten heftiger Diskussionen um die Durchsuchung des Trump-Anwesens Mar-a-Lago in Palm Beach durch die US-Bundespolizei statt. "Die derzeitige Regierung und viele Staatsanwälte in diesem Land haben alle Moral und alle ethischen Grenzen des Anstands verloren", klagte Trump am Mittwoch in seinem Online-Netzwerk. "Das FBI und andere Vertreter der Regierung lassen niemanden, nicht einmal meine Anwälte, in die Nähe der durchsuchten Bereiche."

"Jeder wurde aufgefordert, die Räumlichkeiten zu verlassen", schrieb der 76-Jährige weiter. "Sie wollten allein sein, ohne jegliche Zeugen für das, was sie machen, wegnehmen oder - hoffentlich nicht - 'platzieren'."

Das FBI hatte keinen Grund für die Durchsuchung des Anwesens am Montagabend genannt. Medienberichten zufolge handelte es sich um eine von Gericht erlaubte Aktion im Zusammenhang mit Dokumenten, die Trump nach dem Ende seiner Präsidentschaft im Januar 2021 vom Weißen Haus nach Mar-a-Lago mitgenommen hatte, obwohl er laut Gesetz alle Dokumente dem Nationalarchiv hätte übergeben müssen.

Demonstrative Unterstützung erhielt der Ex-Präsident von den US-Republikanern. Prominente Politiker bekräftigten Trumps Vorwurf, es handele sich bei dem FBI-Einsatz um ein politisch motiviertes Manöver. Selbst der frühere Vize-Präsident Mike Pence, der in den vergangenen Monaten auf Distanz zu Trump gegangen war, sprach von einem Beigeschmack von "Parteilichkeit".

Im November finden in den USA Kongress-Zwischenwahlen statt, 2024 könnte Trump erneut bei der Präsidentschaftswahl antreten. Das Weiße Haus erklärte, Trumps Nachfolger Joe Biden sei vorab nicht über die Durchsuchung informiert worden und respektiere die Unabhängigkeit des Justizministeriums.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Jugendproteste: Behörden warnen vor Extremisten - GEW betont Anliegen der "GenZ"

Die "GenZ" will für ihre Belange auf die Straßen gehen, die Sicherheitsbehörden warnen vor Unterwanderung: Vor den bundesweit geplanten Jugendprotesten ist eine Debatte über eine mögliche Vereinnahmung durch Extremisten entbrannt. Die Bildungsgewerkschaft GEW warnte am Mittwoch, dass "pauschale Warnungen" von den berechtigten Anliegen der jungen Menschen ablenkten. Ähnlich äußerte sich die Grüne Jugend. Der Verfassungsschutz warnte dagegen vor möglichen Ausschreitungen wie zuletzt in Frankreich.

Brasilianischer Wahlverlierer Flávio Bolsonaro in Miami gelandet

Der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro ist in den USA gelandet. Er stieg am Mittwoch am Privatflughafen von Opa-Locka nördlich von Miami aus einem Flugzeug, wie AFP-Reporter berichteten. Der Oberste Gerichtshof Brasiliens hatte Bolsonaro die Ausreise eigentlich untersagt, die Justiz ermittelt gegen den 45-Jährigen wegen des Verdachts auf Korruption und Geldwäsche.

"Unprofessionell": Grüne und Linke kritisieren Merz' Kurs bei Steinmeier-Nachfolge

Grüne und Linke haben scharfe Kritik am anhaltenden Schweigen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zur Besetzung des Bundespräsidentenamts geübt. "Der Umgang der Union mit dem höchsten Amt im Staat ist ein weiteres Beispiel an fehlender Planung und Unprofessionalität", sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. "Ich erwarte von der Union und von Friedrich Merz einen Vorschlag für eine Frau, die bundesweite Bekanntheit und Anerkennung besitzt."

Parlamentswahl in Israel: Kein klarer Weg zur Regierungsbildung

Nach der Parlamentswahl in Israel zeichnet sich noch kein klarer Weg zu einer Regierungsbildung ab. Nach Auszählung von 77,6 Prozent aller Stimmzettel kommt der Block von Regierungschef Benjamin Netanjahu auf 54 der 120 Sitze im Parlament, wie die Wahlkommission am Mittwoch mitteilte. Demnach kommt das Oppositionsbündnis unter Gadi Eisenkot auf 49 Sitze, die Listen der arabischen Israelis auf 17. Der Chef der arabischen Vereinigten Liste rief zu einer "jüdisch-arabischen Partnerschaft" gegen Netanjahu auf.

Textgröße ändern: