Deutsche Tageszeitung - "Da war nichts": Scholz sieht sich nach Aussage vor U-Ausschuss entlastet

"Da war nichts": Scholz sieht sich nach Aussage vor U-Ausschuss entlastet


"Da war nichts": Scholz sieht sich nach Aussage vor U-Ausschuss entlastet

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sieht sich nach seiner neuerlichen Zeugenaussage vor dem Hamburger Untersuchungsausschuss zum Cum-Ex-Skandal entlastet. "Da war nichts, es hat keine Einflussnahme gegeben": Dies sei die "klare Schlussfolgerung" der Sitzung, sagte Scholz nach einer mehr als dreistündigen Befragung in Hamburg. Die Opposition widersprach dieser Einschätzung aber vehement. Sie warf dem Kanzler vor, durch wiederholten Verweis auf Erinnerungslücken die Aufklärung zu verweigern.

Textgröße ändern:

Bereits zu Beginn der Sitzung hatte Scholz in seiner Eingangserklärung seine früheren Angaben zu der Affäre um die Hamburger Warburg Bank bekräftigt: "Ich habe auf das Steuerverfahren Warburg keinen Einfluss genommen." Er beklagte "Mutmaßungen und Unterstellungen", die gegen ihn gerichtet würden.

Ausdrücklich widersprach Scholz dem zentralen Verdacht, den der Untersuchungsausschuss in Hamburg seit zweieinhalb Jahren aufzuklären versucht - nämlich, dass die Warburg Bank durch eine Intervention der Politik davor bewahrt werden sollte, eine millionenschwere Strafe wegen des Cum-Ex-Skandals zahlen zu müssen. Scholz war zum fraglichen Zeitpunkt Erster Bürgermeister der Hansestadt.

"Es hat keine Beeinflussung des Steuerverfahrens durch die Politik gegeben", stellte Scholz klar. Die Vorwürfe beruhten auf Mutmaßungen, und diese seien "falsch und werden erkennbar durch nichts und niemanden gestützt", sagte Scholz. Er habe kein Detailwissen zu dem fraglichen Steuerverfahren in der Finanzverwaltung damals in seiner Zeit als Bürgermeister und Finanzminister, betonte Scholz.

In der Zeugenbefragung kamen auch drei Treffen von Scholz mit Vertretern der Warburg Bank in den Jahren 2016 und 2017 zur Sprache. Diese Treffen hatten den Verdacht genährt, dass der damalige Bürgermeister und die Banker Absprachen zum Schutz der Bank getroffen haben könnten.

Diesem Verdacht widersprach Scholz am Freitag vehement. "Es findet sich nirgends auch nur der kleinste Hinweis", dass da etwas abgesprochen worden sei, sagte er. An Einzelheiten der Treffen könne er sich nicht erinnern. Nach Abschluss der Befragung resümierte der Kanzler: Es seien "keine Tatsachen bekannt geworden", die seinen Aussagen widersprächen.

Scholz hatte seine Aussage in ruhigem Ton begonnen, im Verlauf der Sitzung zeigte er sich aber zunehmend gereizt. Nachdem der CDU-Obmann Richard Seelmaecker den Kanzler nach seiner Bereitschaft fragte, auch einer Aussage unter Hypnose zuzustimmen, erwiderte Scholz, es handle sich inzwischen um "die Karikatur einer Befragung".

Mit Blick auf sich wiederholende Fragen der Abgeordneten sagte er, es sei womöglich an der Zeit, den "Hokuspokus" zu beenden. In seiner Antwort auf die Ausführungen eines anderen Abgeordneten, sprach er von "Rabulistik" - einen abfälligen Ausdruck für Wortklaubereien oder rhetorische Spitzfindigkeiten.

Die Opposition im Hamburger Ausschuss zeigte sich in der Sitzung unzufrieden mit Scholz' Äußerungen. "Er hat praktisch durchgängig mit Erinnerungslücken geantwortet", sagte CDU-Vertreter Götz Wiese. Scholz habe "praktisch nichts" zur Aufklärung der fraglichen Vorgänge beigetragen. "Das ist tief enttäuschend."

Der Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch kritisierte Scholz' Umgang mit dem Ausschuss als "frech". Hackebusch warf dem Kanzler vor, abschließende Wertungen zu den Ergebnissen des Ausschusses vorzunehmen, was ihm nicht zustehe. Dies sei "anmaßend".

Die Opposition im Bund äußerte bereits vor der Aussage Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Kanzlers in der Angelegenheit. "Ich muss es leider so deutlich sagen: Ich glaube dem Kanzler kein Wort", sagte CDU-Chef Friedrich Merz dem "Handelsblatt". "In Deutschland gibt es doch kaum jemanden, der Olaf Scholz die vielen Gedächtnislücken abnimmt."

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

Israels Sicherheitsminister Ben Gvir fordert Festnahme der Chefs israelisch-arabischer Parteien

Zwei Tage nach der Parlamentswahl in Israel hat der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir die Festnahme der Chefs der israelisch-arabischen Parteien gefordert, denen Regierungschef Benjamin Netanjahu Wahlbetrug vorwirft. Der Inlandsgeheimdienst Schin Bet müsse die Festnahme der Parteichefs "noch heute Morgen" anordnen, erklärte Ben Gvir am Donnerstag im Onlinedienst X. Zur Begründung verwies er darauf, dass sie verdächtigt würden, "Geld aus Katar erhalten" zu haben.

Reaktion auf Medienbericht: Eralp will sich "von niemandem einschüchtern lassen"

Nach einem Medienbericht über ihre Angst vor Hamas-Anhängern hat sich die Berliner Linken-Spitzenkandidatin und Favoritin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin, Elif Eralp, betont kämpferisch gezeigt. "Ich werde mich von niemandem einschüchtern lassen", sagte Eralp am Donnerstag am Rande der konstitutierenden Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses vor Journalisten. Dass sie sich Sorgen um ihre Familie mache, sei jedoch völlig normal und eine Selbstverständlichkeit.

Mindestens 13 Tote bei russischem Angriff auf ukrainischen Bahnhof

Bei einem russischen Drohnenangriff auf den Bahnhof von Dnipro in der Ukraine sind nach Behördenangaben mindestens 13 Menschen getötet worden. Fünf weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte der örtliche Gouverneur Oleksandr Hanscha am Donnerstag im Onlinedienst Telegram.

Nach Wende beim Elterngeld: Forderung nach mehr Anreizen für Gleichberechtigung

Nach der Kehrtwende des Familienministeriums bei der Elterngeldreform dringen der Koalitionspartner SPD und der Paritätische Gesamtverband auf weitergehende Änderungen für noch mehr elterliche Gleichberechtigung. Der Paritätische begrüßte am Donnerstag, dass die geplante Kürzung des Basiselterngeldes von 14 auf zwölf Monate "vom Tisch" sei und es bei den Erhöhungen der Mindest- und Höchstbeträge bleibe. Zugleich bleibe ein gleichberechtigter Familienstart das Ziel - ähnlich äußerte sich auch die SPD.

Textgröße ändern: