Deutsche Tageszeitung - Scholz bekennt sich zu raschem Kohleausstieg - nennt aber kein Datum

Scholz bekennt sich zu raschem Kohleausstieg - nennt aber kein Datum


Scholz bekennt sich zu raschem Kohleausstieg - nennt aber kein Datum
Scholz bekennt sich zu raschem Kohleausstieg - nennt aber kein Datum / Foto: © AFP/Archiv

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich zu dem im Koalitionsvertrag mit Grünen und FDP vereinbarten raschen Kohleausstieg bekannt, aber kein Datum genannt. Wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft gelängen, "dann relativiert sich die Notwendigkeit anderer Erzeugungskapazitäten", sagte Scholz am Freitag bei einem Treffen mit den Regierungschefs der drei ostdeutschen Braunkohleländer. "Unser Ehrgeiz ist riesengroß."

Textgröße ändern:

Die Kohlekommission hatte im Januar 2019 ein Ende der Verstromung aus Kohle bis 2038 vorgesehen. 2020 beschloss die damalige Regierung ein Strukturstärkungsgesetz für die betroffenen Regionen im Umfang von insgesamt 40 Milliarden Euro. SPD, Grüne und FDP vereinbarten Ende November, den Kohleausstieg zu beschleunigen: "Idealerweise gelingt das schon bis 2030", heißt es im Koalitionsvertrag. Der Krieg in der Ukraine und die Energieknappheit haben dieses Ziel aber wieder in Frage gestellt.

Die Grünen halten an einem Ausstieg bis 2030 fest. Die energiepolitische Abhängigkeit von Russland schwäche Deutschland und Europa und senke die Fähigkeit, "nachhaltig, also im Einklang mit den planetaren Grenzen und der Freiheit zukünftiger Generationen zu wirtschaften", heißt im Leitantrag der Grünen für den Parteitag im Oktober. "Die konsequente politische Schlussfolgerung daraus ist der beschleunigte Ausstieg aus der Kohle bereits im Jahr 2030."

Die Regierungschefs von Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt, Dietmar Woidke (SPD), Michael Kretschmer und Reiner Haseloff (beide CDU), setzten beim Treffen mit Scholz am Freitag einen Schwerpunkt auf die vereinbarte Strukturförderung. "Wir sind froh darüber, dass neue Arbeitsplätze entstehen", sagte etwa Kretschmer. Die Lausitz sei nun "ein Ort, wo neue Ideen entwickelt werden und neue Dinge entstehen". Nie hatte die Region "solche Zukunftschancen; wir schreiben eine völlig neue Geschichte".

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dagegen bemängelte den noch "schleppenden Strukturwandel" in der Lausitz. So werde nach wie vor gestritten, ob etwa eine ICE-Verbindung von Berlin über Cottbus nach Görlitz sinnvoll ist. Um Infrastrukturprojekte zeitig fertigzustellen, müssten die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, mahnte das IW.

Zusätzlich müssten Breitbandnetze und 5G-Mobilfunk in den Regionen zügig ausgebaut werden. Doch auch hier fehle es an Tempo. Statt auf staatliche Arbeitsplätze müsse die Bundesregierung den Fokus auf die Ansiedlung neuer Firmen legen, vor allem aus der Industrie.

(U.Kabuchyn--DTZ)

Empfohlen

Nach fehlgeschlagener Hinrichtung: Christa Pike leidet unter ständigen Schmerzen

Die zum Tode verurteilte US-Bürgerin Christa Pike leidet nach ihrer fehlgeschlagenen Hinrichtung vor einem Monat nach eigenen Angaben unter ständigen Schmerzen. "Seit dieser Nacht gibt es keinen Moment, an dem ich nicht unter Schmerzen leide", erklärte die 50-Jährige am Freitag mit Blick auf die Zeit seit ihrem Aufwachen im Krankenhaus. "Mein Körper schmerzt. Meine Arme schmerzen. Meine Hände schmerzen. Mein Rachen schmerzt."

EU und Kanada wollen mit neuer Allianz "gemeinsam Krisen standhalten"

Vor dem Hintergrund angespannter Beziehungen zu den USA und China haben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa in Kanada Premierminister Mark Carney getroffen, um eine neue Partnerschaft zu besiegeln. Beide Seiten wollten noch im Laufe des Freitags beim EU-Kanada-Gipfel in Montreal eine Reihe von Abkommen vorstellen, die Bereiche von strategisch wichtigen Rohstoffen bis zu Künstlicher Intelligenz abdecken.

G20-Außenministertreffen in Atlanta: Wadephul gegen Familienfoto mit Lawrow

Beim G20-Außenministertreffen in den USA sorgt die Einladung des russischen Chefdiplomaten Sergej Lawrow für Unmut. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sagte am Freitag am Rande der Gespräche in Atlanta im Bundesstaat Georgia, es werde wegen des Widerstands der Europäer voraussichtlich kein gemeinsames G20-Foto mit Lawrow geben. Er appellierte zugleich an Russland, sich mit der Ukraine an den Verhandlungstisch zu setzen.

Merz und Wadephul fordern Diplomatie statt neuer Angriffe auf Iran nach Midterms

Vor dem Hintergrund von Spekulationen über neue Angriffe auf den Iran nach den US-Kongresswahlen hat die Bundesregierung zu einer diplomatischen Lösung des Konfliktes aufgerufen. "Ich kann nur an alle Konfliktparteien appellieren: Dieser Konflikt lässt sich nicht militärisch lösen", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Freitag im südkoreanischen Seoul. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) warnte am Rande des G20-Außenministertreffens in der US-Großstadt Atlanta ebenfalls vor der Gefahr neuer Angriffe auf den Iran nach den Midterms am kommenden Dienstag.

Textgröße ändern: