Deutsche Tageszeitung - Israels Regierungschef: Atomverhandlungen mit dem Iran "gescheitert"

Israels Regierungschef: Atomverhandlungen mit dem Iran "gescheitert"


Israels Regierungschef: Atomverhandlungen mit dem Iran "gescheitert"
Israels Regierungschef: Atomverhandlungen mit dem Iran "gescheitert" / Foto: © AFP

Bei seinem Besuch in Deutschland hat der israelische Regierungschef Jair Lapid die internationalen Verhandlungen um ein Atomabkommen mit dem Iran als "gescheitert" bezeichnet. Es sei nun an der Zeit, die "gescheiterten Verhandlungen" hinter sich zu lassen, sagte Lapid am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Berlin. "Sie können und werden nicht das gemeinsame Ziel erreichen, das wir alle teilen: den Iran von der Erlangung einer Atomwaffe abzuhalten."

Textgröße ändern:

Lapid mahnte stattdessen "eine neue Strategie" an, um das iranische Atomprogramm zu stoppen. Unter den derzeitigen Bedingungen wäre es seiner Ansicht nach "ein kritischer Fehler", die gegen Teheran verhängten Sanktionen aufzuheben und somit "hunderte Milliarden Dollar in den Iran" fließen zu lassen. Dies werde zu einer "Welle des Terrorismus" führen, warnte Lapid, "nicht nur im Nahen Ostern, sondern auch in Europa".

Scholz bedauerte, "dass der Iran bisher nicht zu einer positiven Antwort auf die Vorschläge des europäischen Koordinators gelangt ist". Eigentlich gebe es "keinen Anlass für den Iran, diesen Vorschlägen nicht zuzustimmen, aber man muss zur Kenntnis nehmen, dass das nicht der Fall ist".

Er gehe davon aus, dass dies "auch in der nächsten Zeit sicherlich nicht passieren" werde, obwohl es eine Zeitlang danach ausgesehen habe. "Wir bleiben geduldig, aber wir bleiben auch klar: Es muss verhindert werden, dass der Iran Atomwaffen einsetzen kann", sagte der Kanzler.

Der sogenannte Gemeinsame Umfassende Aktionsplan (JCPoA) sieht vor, dass der Iran seine Nuklearaktivitäten begrenzt und im Gegenzug von einer Lockerung der internationalen Sanktionen profitiert. Nach dem einseitigen Ausstieg der USA 2018 aus dem Abkommen hatte sich auch der Iran schrittweise nicht mehr an seine Verpflichtungen gehalten.

Seit Monaten wird in Verhandlungen in Wien versucht, das Abkommen wiederzubeleben. Am Wochenende hatten Berlin, Paris und London jedoch erklärt, sie hätten gemeinsam mit den USA und den anderen Verhandlungspartnern "in guter Absicht" mit dem Iran verhandelt, um den Aktionsplan "uneingeschränkt umzusetzen". Leider habe sich der Iran "entschlossen, diese entscheidende diplomatische Chance nicht zu ergreifen".

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

US-Außenminister: Trump hat noch keine Entscheidung über neue Iran-Angriffe getroffen

US-Präsident Donald Trump hat nach Worten seines Außenministers Marco Rubio noch keine Entscheidung über mögliche neue Angriffe auf den Iran getroffen. "Wir können militärische Ziele erreichen, wenn wir das wollen", sagte Rubio am Samstag bei einer Pressekonferenz beim G20-Außenministertreffen in der US-Großstadt Atlanta. "Er (Trump) hat noch keine Entscheidung getroffen." Die USA würden das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Evakuierte aus umkämpfter ukrainischer Stadt Oleschky zurück bei ihren Angehörigen

Inmitten einer Feuerpause sind Einwohner der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky über Russland und Belarus evakuiert worden und zu ihren Angehörigen zurückgekehrt. Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, überquerten die Menschen am Samstag die ukrainische Grenze in der Region Tschernihiw im Norden des Landes. Die Feuerpause läuft noch bis Sonntagabend.

Regierung: 320.000 Teilnehmer bei neuen Protesten in Frankreich

An den neuen landesweiten Protesten in Frankreich gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem haben erneut hunderttausende Menschen teilgenommen. Das französische Innenministerium sprach am Samstag von landesweit 320.000 Demonstranten. Allein in der Hauptstadt Paris gingen nach Angaben der Polizeipräfektur 70.000 Menschen auf die Straße. Dort kam es am späten Nachmittag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Berliner Linke stimmt für Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD 

In Berlin können sechs Wochen nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus die Koalitionsverhandlungen von Linken, Grünen und SPD beginnen. Am Samstag stimmte ein Landesparteitag des Wahlsiegers Linke bei wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen mit überwältigender Mehrheit für die Gespräche. In der Debatte davor gab es breite Zustimmung für Spitzenkandidatin Elif Eralp, die Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden will.

Textgröße ändern: