Deutsche Tageszeitung - Habeck konkretisiert Pläne für Entlastung des Mittelstandes

Habeck konkretisiert Pläne für Entlastung des Mittelstandes


Habeck konkretisiert Pläne für Entlastung des Mittelstandes
Habeck konkretisiert Pläne für Entlastung des Mittelstandes / Foto: © AFP/Archiv

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat die von ihm angekündigten Entlastungen auch für den Mittelstand konkretisiert. "Es geht darum, dass die Unternehmen bestehen bleiben und nicht pleite gehen", sagte Habeck nach Beratungen mit Vertreterinnen und Vertretern mittelständischer Unternehmen bei einem digitalen Spitzentreffen. Das Programm solle nun zeitnah auf den Weg gebracht werden.

Textgröße ändern:

Wie vergangene Woche von Habeck im Bundestag angekündigt, geht es im Kern um eine Öffnung des zunächst für Großunternehmen vorgesehenen Energiekostendämpfungsprogramms auch für kleinere und mittelgroße Unternehmen mit hohen Energiekosten. Als ein Beispiel nannte der Minister Bäckereien.

Zum finanziellen Volumen äußerte sich Habeck zunächst nicht. Zunächst müssten die Förderkriterien in der Regierung geklärt werden. Auch könne es nicht so sein, dass der Staat den Betroffenen "alle Kosten abnimmt" oder alle Probleme löst - etwa auch solche, die durch Konsumverzicht der Verbraucherinnen und Verbraucher entstehen.

Auch könnten nicht alle Mehrkosten im Energiebereich übernommen werden. Vielmehr werde es eine Bezugsgröße geben, etwa den Energieverbrauch des Vorjahres. Es müsse ein Verfahren gewählt werden, das "weiter den Anreiz zum Energiesparen hochhält".

Habeck kündigte auf dem "digitalen Mittelstandsgipfel" an, das Wirtschaftsministerium werde zeitnah einen Entwurf vorlegen. Allerdings werde es bis zum Abschluss der parlamentarischen Beratungen einige Wochen dauern. Es gebe hier auch "ein Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch des Mittelstandes, beteiligt zu werden und der Geschwindigkeit" verwies er auf dafür notwendige Anhörungen.

Mit Blick auf Pläne der EU zur Dämpfung der hohen Energiekosten wandte sich Habeck dagegen, Programme dafür auf das laufende Jahr zu begrenzen. Zwar gehe auch er davon aus, dass die Preise im kommenden Sommer wieder etwas sinken dürfen, wenn auch "nicht auf den Status von 2021". Dazwischen jedoch dürften die Preise weiter "auf einem Hochpreisniveau bleiben".

Das Energiekostendämpfungsprogramm unterstützt bisher energie- und handelsintensive Unternehmen, die besonders stark von hohen Energiepreisen infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine betroffen sind. Der Zuschuss ist bei 50 Millionen Euro pro Unternehmen gedeckelt. Er muss nicht zurückgezahlt werden. Habeck kündigte an, das Programm solle auch insgesamt erweitert und verlängert werden.

"Für die Unternehmen steht es fünf vor zwölf", sagte der Verbandschef der Familienunternehmer, Rainer Kirchdörfer, zuvor der "Augsburger Allgemeinen". Er forderte eine Senkung von Energiesteuern, einen Stopp der geplanten Gasumlage und des EU-Lieferkettengesetzes. "Die Situation gerade der mittelständischen Unternehmen der Automobilindustrie wird immer dramatischer", erklärte auch die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie, Hildegard Müller.

SPD-Chef Lars Klingbeil begrüßte die Pläne Habecks. "Das unterstützen wir absolut als SPD, dass man sagt: Auch den Bäckereien, auch dem Handwerk, auch dem Mittelstand greifen wir unter die Arme", sagte er dem TV-Sender "Welt". Auch er drängte zur Eile: "Es muss jetzt schnell kommen." Die Unternehmen bräuchten rasch "Klarheit, was in den nächsten Tagen, in den nächsten Wochen passiert."

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

US-Außenminister: Trump hat noch keine Entscheidung über neue Iran-Angriffe getroffen

US-Präsident Donald Trump hat nach Worten seines Außenministers Marco Rubio noch keine Entscheidung über mögliche neue Angriffe auf den Iran getroffen. "Wir können militärische Ziele erreichen, wenn wir das wollen", sagte Rubio am Samstag bei einer Pressekonferenz beim G20-Außenministertreffen in der US-Großstadt Atlanta. "Er (Trump) hat noch keine Entscheidung getroffen." Die USA würden das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Evakuierte aus umkämpfter ukrainischer Stadt Oleschky zurück bei ihren Angehörigen

Inmitten einer Feuerpause sind Einwohner der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky über Russland und Belarus evakuiert worden und zu ihren Angehörigen zurückgekehrt. Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, überquerten die Menschen am Samstag die ukrainische Grenze in der Region Tschernihiw im Norden des Landes. Die Feuerpause läuft noch bis Sonntagabend.

Regierung: 320.000 Teilnehmer bei neuen Protesten in Frankreich

An den neuen landesweiten Protesten in Frankreich gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem haben erneut hunderttausende Menschen teilgenommen. Das französische Innenministerium sprach am Samstag von landesweit 320.000 Demonstranten. Allein in der Hauptstadt Paris gingen nach Angaben der Polizeipräfektur 70.000 Menschen auf die Straße. Dort kam es am späten Nachmittag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Berliner Linke stimmt für Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD 

In Berlin können sechs Wochen nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus die Koalitionsverhandlungen von Linken, Grünen und SPD beginnen. Am Samstag stimmte ein Landesparteitag des Wahlsiegers Linke bei wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen mit überwältigender Mehrheit für die Gespräche. In der Debatte davor gab es breite Zustimmung für Spitzenkandidatin Elif Eralp, die Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden will.

Textgröße ändern: