Deutsche Tageszeitung - Früherer Clinton-Sonderermittler Kenneth Starr ist tot

Früherer Clinton-Sonderermittler Kenneth Starr ist tot


Früherer Clinton-Sonderermittler Kenneth Starr ist tot
Früherer Clinton-Sonderermittler Kenneth Starr ist tot / Foto: © GETTY IMAGES/AFP/Archiv

Der für seine Rolle als Sonderermittler im Lewinsky-Skandal bekannte US-Jurist Kenneth Starr ist tot. Nach Angaben seiner Familie starb er am Dienstag mit 76 Jahren in Houston im US-Bundesstaat Texas an Komplikationen infolge einer Operation. Der frühere Richter leitete als Sonderermittler in den 90er Jahren die Untersuchung zur Affäre des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton mit der 24-jährigen Praktikantin Monica Lewinsky.

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Clinton musste sich 1998 einem Impeachment-Verfahren wegen Meineids und Justizbehinderung stellen, weil er seine Affäre mit Lewinsky zu verschleiern versucht hatte. Einer Amtsenthebung entging er jedoch, der Senat stimmte 1999 dagegen. Der berüchtigte "Starr-Bericht", der das Verhältnis des Präsidenten mit Lewinsky dokumentierte, war mit intimen Details gespickt.

Starrs Vorgehen wurde damals viel kritisiert: Ihm wurde vorgeworfen, sich wie ein "Inquisitor" zu verhalten und einen regelrechten Kreuzzug gegen den Präsidenten der Demokratischen Partei zu führen. Doch in konservativen Kreisen ist der Jurist eine Legende.

Der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, pries den Verstorbenen am Dienstag als "einen brillanten Anwalt, eine beeindruckende Führungspersönlichkeit und einen aufopferungsvollen Patrioten". Ex-Präsident Donald Trump bezeichnete Starr in seinem Onlinenetzwerk Truth Social als "wahren Patrioten".

Im Januar 2020 verstärkte Starr im Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen US-Präsidenten Trump dessen Anwaltsteam. Starr kritisierte damals, der Senat werde "viel zu häufig" zur Einleitung eines Impeachment-Verfahrens aufgerufen. "Tatsächlich leben wir in einer Zeit, die man treffend als das Zeitalter des Impeachments bezeichnen kann", sagte er. Dieses sei jedoch "genau wie der Krieg die Hölle".

Lewinsky kommentierte die Personalie damals im Kurzbotschaftendienst Twitter mit den Worten: "Heute ist eindeutig ein Tag von der Sorte: 'Wollt ihr mich verarschen?'" Lewinsky hatte dem Juristen vorgeworfen, sie dereinst terrorisiert zu haben. Am Dienstag schrieb sie bei Twitter, ihre Gefühle zu Kenneth Starr seien "kompliziert", aber wichtiger sei der Schmerz seiner Angehörigen.

Der 1946 in Texas geborene Starr wurde von seinem Vater, einem protestantischen Pfarrer, stark geprägt. Er trank nach eigenen Angaben keinen Alkohol, rauchte nicht und war ein überzeugter Verfechter familiärer Werte; Starr hatte drei Kinder. Mit 37 Jahren wurde er jüngster Richter am Bundesberufungsgericht in Washington, einem der einflussreichsten Gerichte des Landes.

Zwischen 1989 und 1993 vertrat er in 25 Fällen die Regierung von Präsident George H.W. Bush vor dem Supreme Court. Nach den Clinton-Ermittlungen arbeitete er unter anderem als Dozent und Kommentator für den konservativen Sender Fox News.

Selbst geriet der gottesfürchtige Jurist 2015 als Präsident der baptistischen Privatuniversität Baylor im Bundesstaat Texas wegen eines Sexskandals in die Kritik. Ihm wurde damals vorgeworfen, nicht angemessen auf Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs durch Mitglieder der College-Football-Mannschaft reagiert zu haben. 2016 wurde er entlassen.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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