Deutsche Tageszeitung - ARD-Anstalten wollen einheitliche Compliancestandards erarbeiten

ARD-Anstalten wollen einheitliche Compliancestandards erarbeiten


ARD-Anstalten wollen einheitliche Compliancestandards erarbeiten
ARD-Anstalten wollen einheitliche Compliancestandards erarbeiten / Foto: © AFP/Archiv

Die ARD will als Reaktion auf die Affäre beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die sogenannten Compliancestandards ihrer Sendeanstalten angleichen. Die Standards seien "grundsätzlich gut", sagte der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow am Donnerstag im Bremen nach einer Konferenz der Spitzen der Rundfunkanstalten und ihrer Aufsichtsgremien. Sie sollten aber in den nächsten Wochen von hauseigenen Juristinnen und Juristen nochmals analysiert und verglichen werden. Das Ziel seien "einheitliche Standards".

Textgröße ändern:

Nach Angaben Buhrows sollen die Justiziare der Sender ihre Ergebnisse bis zur Novembersitzung der Anstalten vorlegen. Die Vorgänge beim RBB beträfen zwar grundsätzlich diesen Sender, aber auch die ARD als Senderverbund wolle daraus "Schlüsse" ziehen. Insgesamt sei eine "Stärkung der Aufsicht" eine der Hauptthemen der Sitzung gewesen, betonte Buhrow. Über Details der Affäre um die ehemaligen RBB-Intendantin Patricia Schlesinger sei es nicht gegangen.

Der englische Fachbegriff Compliance lässt sich grob mit Regeltreue übersetzen. Darunter werden alle Maßnahmen in Unternehmen und Organisationen verstanden, die Verstöße gegen Gesetze, firmeneigene Verhaltensrichtlinien oder freiwillige Selbstverpflichtungen verhindern sollen. Dabei geht es etwa um Korruption, Datenschutz oder unethisches Verhalten wie Diskriminierung.

Schlesinger hatte nach zahlreichen gegen sie erhobenen Vorwürfen rund um ihre Amtsführung Anfang August zuerst den ARD-Vorsitz abgegeben und war wenig später auch als RBB-Intendantin zurückgetreten. Der RBB als ihre Heimatsendeanstalt kündigte ihr fristlos.

Schon am Mittwoch bestimmte die in Bremen tagende Konferenz der ARD-Intendanten und -intendantinnen den Chef des Südwestrundfunks (SWR), Kai Gniffke, zum neuen ARD-Vorsitzenden. Er übernimmt das Amt zum Jahreswechsel. So lange bleibt der Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Tom Buhrow, kommissarischer ARD-Chef. Er sprang nach Schlesingers Rücktritt ein.

Gegen Schlesinger, ihren Ehemann und den mittlerweile zurückgetretenen RBB-Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf ermittelt inzwischen unter anderem auch die Berliner Generalstaatsanwaltschaft. Dabei geht es um den Verdacht der Untreue und der Vorteilsnahme.

Berichten zufolge soll Schlesinger etwa Abendessen in ihrer Privatwohnung, für die der RBB aufkam, nicht richtig abgerechnet und ihren sehr hochwertigen Dienstwagen auch für Privatfahrten genutzt haben. Berichtet wurde darüber hinaus über kostspielige Büroumbauten.

Mit Blick auf die Zuständigkeiten wollte sich Buhrow am Donnerstag in Bremen nicht näher zu den Vorgängen äußern. Soweit er es auf Grundlage der bisher vorliegenden Informationen einschätzen könne, handle es sich aber auch um ein "kulturelles Problem" beim RBB, sagte er zum Abschluss der ARD-Konferenz.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Trump bringt Angriffe auf weitere Ziele im Iran ins Spiel

US-Präsident Donald Trump hat mögliche neue Angriffe auf Ziele im Iran ins Spiel gebracht. "Wir haben ihr Atomprogramm ausgeschaltet. Wir müssen uns noch um, ich würde sagen, ein oder zwei Anlagen kümmern, aber das können wir in zehn Minuten erledigen", sagte Trump am Samstag vor Journalisten auf seinem Anwesen Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida.

Ausschreitungen bei Protesten in Frankreich - insgesamt 565 Festnahmen

Bei Ausschreitungen am Rande landesweiter Massenproteste in Frankreich sind am Samstag 565 Menschen festgenommen worden. Dies teilte das französische Innenministerium am Abend mit. In Paris wurden zudem fünf Sicherheitskräfte verletzt, darunter drei durch Molotowcocktails, wie die Polizeipräfektur mitteilte. Bei einem der Angriffe geriet die Uniform eines Gendarmen durch einen Molotowcocktail in Brand.

Ausschreitungen nach Jugendprotesten in Frankfurt - mehr als 30 Festnahmen

Nach zunächst weitgehend friedlichen Jugendprotesten ist es am Samstagabend in der Innenstadt von Frankfurt am Main zu schweren Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizisten und Plünderungen gekommen. Nach Angaben der Polizei bewarfen Randalierer Einsatzkräfte mit Molotowcocktails und schlugen die Fensterscheiben mehrerer Geschäfte ein, darunter die eines Waffenladens. Bis zum späten Abend wurden demnach mehr als 30 Menschen vorläufig festgenommen.

Ausschreitungen nach "GenZ"-Protest in Berlin: 27 leichtverletzte Polizisten und viele Festnahmen

Bei Ausschreitungen nach Jugendprotesten der bundesweiten Initiative "GenZ regelt" sind in Berlin nach Polizeiangaben 27 Beamte leicht verletzt worden. Ein Polizeisprecher sagte am späten Samstagabend, bei einer Versammlung mit bis zu 3500 Teilnehmern, die am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte begonnen hatte, sei es zu "zahlreichen Straftaten" gekommen. Darunter seien Sachbeschädigung, Körperverletzung sowie Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz.

Textgröße ändern: