Deutsche Tageszeitung - Scholz mahnt Rückbesinnung der Bundeswehr auf Verteidigungsaufgaben an

Scholz mahnt Rückbesinnung der Bundeswehr auf Verteidigungsaufgaben an


Scholz mahnt Rückbesinnung der Bundeswehr auf Verteidigungsaufgaben an
Scholz mahnt Rückbesinnung der Bundeswehr auf Verteidigungsaufgaben an / Foto: © POOL/AFP

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat eine Rückbesinnung der Bundeswehr auf ihre Kernaufgabe der Landes- und Bündnisverteidigung angekündigt. Dies sei der Auftrag der Bundeswehr, und "alle anderen Aufgaben haben sich ihm unterzuordnen", sagte Scholz am Freitag in einer Rede auf der Bundeswehr-Tagung in Berlin. Die Bundeswehr müsse "zur am besten ausgestatteten Streitkraft in Europa" werden. Der Kanzler sprach sich zudem für eine Überprüfung der strengen deutschen Regeln für Waffenexporte aus.

Textgröße ändern:

"Lange Zeit hat unser Land eine echte Priorisierung der Aufgaben der Bundeswehr vermieden", kritisierte Scholz. "Brunnen bohren, humanitäre Hilfe absichern, Fluten eindämmen, in Pandemiezeiten beim Impfen helfen - all das kann eine gute Armee wie die Bundeswehr", sagte der Kanzler - und fügte hinzu: "Darin besteht aber nicht ihr Kernauftrag! Der Kernauftrag der Bundeswehr ist die Verteidigung der Freiheit in Europa!"

Die Bundeswehr müsse "zum Grundpfeiler konventioneller Verteidigung in Europa werden", sagte Scholz weiter. Dies sei angesichts der Bedrohung durch das von Wladimir Putin beherrschte Russland notwendig: "Von Putins Russland geht - darauf stellen wir uns im Rahmen der Nato ein - derzeit die größte Bedrohung für unser Bündnis aus."

Mit dem russischen Krieg in der Ukraine mache "eine hochgerüstete Nuklearmacht den Versuch, Grenzen in Europa mit Gewalt neu zu ziehen", sagte Scholz. "Käme Russland damit durch, unser Frieden in Europa wäre auf lange Zeit dahin."

Er werde sicherstellen, dass die Bundeswehr dauerhaft gut finanziert sei, sagte Scholz. Der Verteidigungshaushalt werde "kontinuierlich auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts" gesteigert.

Scholz ließ in seiner Rede keine Bereitschaft erkennen, den ukrainischen Wunsch nach der Lieferung deutscher Kampfpanzer zu erfüllen. Die deutsche Unterstützung für die Ukraine sei "sehr entschieden, aber auch immer besonnen", sagte er. Auch in der Koalition hatten sich zuletzt die Forderungen gehäuft, der Ukraine auch deutsche Kampfpanzer zur Verfügung zu stellen.

Der SPD-Außenexperte Michael Roth regte am Freitag eine europäische Initiative für die Lieferung von Kampfpanzern an. Damit könne der von Scholz abgelehnte nationale Alleingang vermieden werden, sagte Roth auf MDR Aktuell. Grünen-Chef Omid Nouripour drängte auf die Lieferung weiterer schwerer Waffen: Der Ukraine müsse geholfen werden, "so viel wie möglich von ihrem eigenen Land zu befreien", sagte er den Funke-Zeitungen.

Die FDP-Wehrexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kritisierte insbesondere die Berater des Kanzlers. "Diese Berater blockieren Waffenlieferungen an die Ukraine, weil sie immer noch nicht verstanden haben, was gerade passiert", sagte sie dem Centrum für Europäische Politik. Den Kanzler hingegen halte sie für "nicht naiv bei der Bewertung der Lage".

Scholz sprach sich in seiner Bundeswehr-Rede zudem dafür aus, neue Waffensysteme künftig verstärkt gemeinsam mit den Bündnispartnern zu entwickeln. Dafür müssten auch die strengen deutschen Exportvorschriften überprüft werden. Diese behindern nach Einschätzung von Kritikern die europäische Rüstungszusammenarbeit, weil die gemeinsam entwickelten Waffen bei Exportvorhaben den strengen deutschen Vorschriften unterworfen werden - zum Missfallen mancher Partnerländer, die weniger strenge Regeln haben.

Eine stärkere Rüstungszusammenarbeit sei möglich, "wenn - und das ist die Voraussetzung - wir, die Mitgliedsstaaten, es schaffen, unsere nationalen Vorbehalte und Regularien zu überprüfen, was die Nutzung und den Export gemeinsam hergestellter Systeme angeht." Scholz fügte hinzu: "Manche mag das vielleicht überraschen - aber die Bundesregierung ist dazu bereit."

In ihrem Koalitionsvertrag hatten sich die Ampel-Parteien eigentlich auf eine restriktive Linie bei den Rüstungsexporten verständigt. Verteidigungsministerin Lambrecht hatte sich kürzlich bereits für eine Überprüfung der strengen Richtlinien ausgesprochen, war dafür aber von den Grünen kritisiert werden.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Stichwahl ums Präsidentenamt in Bulgarien

In Bulgarien entscheidet sich am Sonntag in einer Stichwahl, wer künftig an der Spitze des Staates steht. Die russlandfreundliche derzeitige Präsidentin Ilijana Jotowa steht dabei ihrem prowestlichen Herausforderer Andrej Gjurow gegenüber. Im ersten Durchgang vor einer Woche lag Jotowa mit 35 Prozent der Stimmen nur knapp vor Gjurow, der auf 32 Prozent kam.

Trump bringt Angriffe auf weitere Ziele im Iran ins Spiel

US-Präsident Donald Trump hat mögliche neue Angriffe auf Ziele im Iran ins Spiel gebracht. "Wir haben ihr Atomprogramm ausgeschaltet. Wir müssen uns noch um, ich würde sagen, ein oder zwei Anlagen kümmern, aber das können wir in zehn Minuten erledigen", sagte Trump am Samstag vor Journalisten auf seinem Anwesen Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida.

Ausschreitungen bei Protesten in Frankreich - insgesamt 565 Festnahmen

Bei Ausschreitungen am Rande landesweiter Massenproteste in Frankreich sind am Samstag 565 Menschen festgenommen worden. Dies teilte das französische Innenministerium am Abend mit. In Paris wurden zudem fünf Sicherheitskräfte verletzt, darunter drei durch Molotowcocktails, wie die Polizeipräfektur mitteilte. Bei einem der Angriffe geriet die Uniform eines Gendarmen durch einen Molotowcocktail in Brand.

Ausschreitungen nach Jugendprotesten in Frankfurt - mehr als 30 Festnahmen

Nach zunächst weitgehend friedlichen Jugendprotesten ist es am Samstagabend in der Innenstadt von Frankfurt am Main zu schweren Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizisten und Plünderungen gekommen. Nach Angaben der Polizei bewarfen Randalierer Einsatzkräfte mit Molotowcocktails und schlugen die Fensterscheiben mehrerer Geschäfte ein, darunter die eines Waffenladens. Bis zum späten Abend wurden demnach mehr als 30 Menschen vorläufig festgenommen.

Textgröße ändern: