Deutsche Tageszeitung - Staatspräsidium und Parlament bei Wahlen in Bosnien und Herzegowina neu bestimmt

Staatspräsidium und Parlament bei Wahlen in Bosnien und Herzegowina neu bestimmt


Staatspräsidium und Parlament bei Wahlen in Bosnien und Herzegowina neu bestimmt
Staatspräsidium und Parlament bei Wahlen in Bosnien und Herzegowina neu bestimmt / Foto: © AFP

Vor dem Hintergrund wachsender ethnischer Konflikte haben am Sonntag in Bosnien und Herzegowina Wahlen stattgefunden. Die Abstimmung war so komplex wie das Land selbst. Auf der Ebene der gesamtstaatlichen Institutionen bestimmten die Wählerinnen und Wähler die zwei Kammern des zentralen Parlaments sowie die dreiköpfige Präsidentschaft. Die ersten vorläufigen Ergebnisse werden erst mehrere Stunden nach der Schließung der Wahllokale erwartet.

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Das in einen serbischen und einen kroatisch-muslimischen Teilstaat geteilte Land mit einer Zentralregierung wählte auf drei Ebenen: Neben der gesamtstaatlichen Ebene wurden in der Republika Srpska, dem serbischen Landesteil, die regionalen Abgeordneten sowie der Präsident und seine zwei Stellvertreter gewählt. Beobachter gehen davon aus, dass der nationalistische Hardliner Milorad Dodik wieder Präsident der Republika Srpska wird. Der 63-Jährige hatte dieses Amt bereits zwei Mal inne.

In der muslimisch-kroatischen Föderation fanden Wahlen für ein Zweikammerparlament statt, das dann einen Präsidenten und zwei Vizepräsidenten bestimmen wird. Die Wählerinnen und Wähler entscheiden auch über die Mitglieder der Versammlungen der zehn Kantone, aus denen die Föderation besteht.

Auf gesamtstaatlicher Ebene besteht die Präsidentschaft aus einem Kroaten, einem bosniakischen Muslim und einem Serben, die sich alle acht Monate im Vorsitz abwechseln.

Die Zentralregierung ist für das Militär, das Justizsystem, die Steuerpolitik, den Außenhandel und die Diplomatie zuständig. Die Teilstaaten haben ihre eigenen Polizei-, Bildungs- und Gesundheitssysteme.

Das komplexe und wenig funktionsfähige politische System in dem Balkanstaat ging aus dem Dayton-Abkommen von 1995 hervor, mit dem der Bürgerkrieg der 90er Jahre mit 100.000 Toten beendet worden war.

Seit 1995 ernennt der UN-Sicherheitsrat einen Hohen Repräsentanten, der die Umsetzung des Friedensabkommens überwacht. Derzeit hat der Deutsche Christian Schmidt das Amt inne. Der Gesandte ist formal befugt, in die Gesetzgebung einzugreifen und gewählte Politiker abzusetzen. Ursprünglich sollte das Amt 2007 auslaufen, doch wegen der politischen Instabilität und des Versagens der örtlichen Politiker wurde das Mandat verlängert.

"Ich hoffe auf nichts", sagte die 57-jährige Ökonomin Amra Besic, als sie am Sonntag in Sarajevo ihre Stimme abgab. "Ich wähle, weil es die einzige Sache ist, die ich als Einzelne tun kann." Die 21-jährige Philosophiestudentin Sara Djogic beklagte den Mangel an neuen Ideen und unverbrauchten Gesichtern. "Die meisten der Kandidaten, die antreten, haben wir in den vergangenen 20 Jahren schon beobachtet."

(V.Korablyov--DTZ)

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