Deutsche Tageszeitung - Ukraine meldet wichtige Geländegewinne im Süden und Osten

Ukraine meldet wichtige Geländegewinne im Süden und Osten


Ukraine meldet wichtige Geländegewinne im Süden und Osten
Ukraine meldet wichtige Geländegewinne im Süden und Osten / Foto: © AFP

Ungeachtet der russischen Annexion hat die Ukraine neue, erhebliche Geländegewinne in den von Russland beanspruchten Gebieten gemeldet. Der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj teilte am Dienstagabend mit, die Armee seines Landes habe in den vergangenen Tagen "Dutzende" Ortschaften von Russland zurückerobert. Die ukrainische Armee komme im Süden und Osten "schnell und kraftvoll" voran, sagte Selenskyj in seiner allabendlichen Videoansprache. Die zurückeroberten Gebiete gehören nach seinen Angaben teilweise zu den Regionen Cherson, Luhansk und Donezk, deren Annexion Russlands Staatschef Wladimir Putin am Freitag unterzeichnet hatte.

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In diesen drei ukrainischen Regionen sowie in dem Gebiet um das südukrainische Saporischschja waren vom Westen als "Schein-Referenden" bezeichnete Abstimmungen über einen Anschluss an Russland abgehalten worden.

Selenskyj nannte in seiner Ansprache namentlich acht von der Ukraine zurückeroberte Ortschaften im Süden der Region Cherson. Es sei "nur eine Frage der Zeit", bis die Ukrainer "den Besatzer von unserem gesamten Gebiet vertreiben", sagte er.

Der von Moskau eingesetzte Vize-Chef der Region Cherson, Kirill Stremusow, rief die Bevölkerung in Online-Medien zur Ruhe auf: "Es gibt keinen Grund zur Panik", versicherte er, auch wenn "in der Ferne Explosionen zu hören" seien.

Schwere Verluste der russischen Streitkräfte waren auch aus den vom Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichten Karten hervorgegangen. Die in der täglichen Militärbesprechung gezeigten Karten machten deutlich, dass die russischen Streitkräfte im Süden nicht mehr die Kontrolle über das Dorf Dudschany am Westufer des Dnjepr haben.

In der nordöstlichen Region Charkiw war auf den Karten zu sehen, dass die russischen Streitkräfte ihre Stellungen am Ostufer des Flusses Oskil verlassen haben. Dort hatte es eine Gegenoffensive der ukrainischen Armee gegeben.

Die russische Armee verkündete unterdessen demonstrativ angebliche Erfolge bei der Teilmobilisierung. "Bislang sind mehr als 200.000 Menschen der Armee beigetreten", sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Die Anti-Korruptionsorganisation des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny kündigte indes an, ihre Büros in Russland wieder zu öffnen. Ziel sei es, gegen "die Mobilisierung und den Krieg" in der Ukraine zu kämpfen, kündigte der im Exil lebende Nawalny-Vertraute Iwan Schdanow am Dienstag an. Die Teilmobilisierung habe "Leid in jede russische Familie gebracht", erklärte seinerseits der ebenfalls im Exil lebende Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow. Die russischen Behörden hatten Nawalnys Organisationen im Juni als "extremistisch" eingestuft, so dass Unterstützer strafrechtlich verfolgt und inhaftiert werden können.

Selenskyj dankte derweil dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi für dessen Unterstützung für die "Souveräntität und territoriale Integrität der Ukraine", wie die ukrainische Präsidentschaft nach einem Telefonat der beiden am Dienstag mitteilte. Bisher hatte Kiew der indischen Seite immer vorgehalten, sich zu neutral zu verhalten und von dem Krieg durch Vorzugspreise beim russischen Öl zu profitieren. In den vergangenen Wochen war Indien aber zunehmend auf Distanz zum Kurs des Kreml gegangen.

US-Präsident Joe Biden sagte der Ukraine seinerseits weitere Militärhilfen in Höhe von umgerechnet 638 Millionen Euro zu. In einem Telefonat mit Selenskyj sagte Biden nach Angaben des Weißen Hauses vom Dienstag, die USA würden unter anderem weitere Raketenwerfersysteme vom Typ Himars, Artilleriesysteme, Munition und Panzerfahrzeuge liefern. Biden versicherte demnach auch, die USA würden "niemals die angebliche Annexion von ukrainischem Territorium durch Russland" anerkennen.

Die UN-Vollversammlung befasst sich am kommenden Montag in einer Dringlichkeitssitzung mit der Annexion der vier ukrainischen Regionen durch Russland.

(V.Korablyov--DTZ)

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