Deutsche Tageszeitung - G20-Treffen ohne Abschlusserklärung wegen Differenzen über Ukraine

G20-Treffen ohne Abschlusserklärung wegen Differenzen über Ukraine


G20-Treffen ohne Abschlusserklärung wegen Differenzen über Ukraine
G20-Treffen ohne Abschlusserklärung wegen Differenzen über Ukraine / Foto: © AFP

Wegen Meinungsverschiedenheiten über den Ukraine-Krieg haben sich die Finanzminister der G20-Gruppe bei einem Treffen in Indien nicht auf eine gemeinsame Abschlusserklärung einigen können. Stattdessen gab Indien als amtierender Gruppenvorsitzender eine "Zusammenfassung" heraus, wonach der Konflikt in der Ukraine von den meisten Mitgliedern "scharf verurteilt" wurde, es aber "unterschiedliche Einschätzungen der Lage und der Sanktionen" gab.

Textgröße ändern:

Die zwei Absätze zum Ukraine-Konflikt wurden von 18 der 20 Mitglieder der Gruppe unterstützt - die Ausnahmen waren Russland und China. Der hochrangige indische Regierungsvertreter Ajay Seth sagte, die Delegationen Russlands und Chinas hätten die Unterzeichnung der Abschlusserklärung mit der Begründung verweigert, dass sie lediglich das Mandat hätten, sich "mit ökonomischen und finanziellen Themen zu befassen".

Die anderen 18 Delegationen hätten jedoch die Ansicht vertreten, dass der Krieg in der Ukraine "Folgen für die Weltwirtschaft hat" und deshalb erwähnt werden müsse, sagte Seth.

Russland warf dem Westen vor, das G20-Treffen "destabilisiert" zu haben. Die USA, die EU und die G7-Staaten hätten "die Verabschiedung gemeinsamer Entscheidungen behindert", indem sie versucht hätten, ihre Interpretation des Ukraine-Konflikts in der Abschlusserklärung unterzubringen, erklärte das Außenministerium in Moskau.

Die USA und ihre Verbündeten hätten dabei "klare" Erpressungsversuche unternommen und mehreren Delegationen "Ultimaten" gestellt, kritisierte das russische Außenministerium. Es forderte den Westen auf, seine "destruktive Politik" zu beenden und die "Realitäten einer multipolaren Welt" anzuerkennen. Die G20-Gruppe wichtiger Industrie- und Schwellenländer müsse ein "Wirtschaftsforum" bleiben und dürfe sich nicht in die Sicherheitspolitik einmischen.

Nach Angaben mehrerer Regierungsmitarbeiter, die anonym bleiben wollte, hatte sich China bei dem Treffen dafür eingesetzt, die Aussagen zum Ukraine-Krieg abzuschwächen. China habe "den Krieg nicht verurteilen wollen", sagte einer von ihnen.

Peking versucht seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor einem Jahr, sich als neutrale Partei zu positionieren, unterhält aber weiter enge Verbindungen zum strategischen Verbündeten Russland. Am Freitag - dem ersten Jahrestag der russischen Invasion im Nachbarland - hatte China einen Zwölf-Punkte-Plan zur "politischen Beilegung" des Konflikts vorgelegt, den die westlichen Verbünden der Ukraine allerdings mit Skepsis betrachten.

Zur Lage der Weltwirtschaft hieß es in der indischen Zusammenfassung der G20-Beratungen, die Perspektiven hätten sich etwas verbessert, allerdings bleibe das globale Wachstum langsam. Auch bestünden die Risiken durch hohe Inflationsraten, ein mögliches neues Aufflammen der Corona-Pandemie und hohe Schuldenstände in vielen armen Ländern fort.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Gregor Gysi fordert Ausschluss von Vanessa Emde aus der Linksfraktion

Berlin – Jetzt schaltet sich auch Linken-Urgestein Gregor Gysi (78) in den Streit um Vanessa Emde ein! Der Bundestagsabgeordnete spricht sich offen für einen Rauswurf seiner umstrittenen Berliner Parteikollegin aus der Linksfraktion aus.

Stephen Miller übernimmt nach republikanischer Wahlniederlage Trumps Stabsführung

Nach der krachenden Wahlniederlage der Republikaner hat US-Präsident Donald Trump am Freitag seine Stabschefin Susie Wiles entlassen . Bereits am Montag soll ihr bisheriger Stellvertreter Stephen Miller die Leitung des Weissen Hauses übernehmen.

USA setzen Millionenbelohnung für Hinweise zu Irans Atomprogramm aus

Ausserdem sollen Hinweisgeber die Aussicht auf eine «mögliche Umsiedlung bekommen», wie es auf einer Webseite der US-Regierung heisst. Von Interesse seien Informationen über Anlagen, Ausrüstung und beteiligtes Personal wie Wissenschaftler sowie über Material, das weggeschafft worden sei.

Demokraten in Texas: Neue Hoffnung für das Gesundheitswesen nach historischem Wahlsieg

Mit dem Sieg von Gouverneurin Gina Hinojosa haben die Demokraten in Texas nach drei Jahrzehnten die Kontrolle zurückerlangt. Die neue Führung sieht sich nun mit der dringenden Aufgabe konfrontiert, die katastrophale Versorgungslage zu verbessern, während nur zwei Monate bis zur Legislaturperiode bleiben und republikanische Mehrheiten im Senat blockieren könnten.

Textgröße ändern: