Deutsche Tageszeitung - Proteste gegen Rentenreform lähmen Teile des öffentlichen Lebens in Frankreich

Proteste gegen Rentenreform lähmen Teile des öffentlichen Lebens in Frankreich


Proteste gegen Rentenreform lähmen Teile des öffentlichen Lebens in Frankreich
Proteste gegen Rentenreform lähmen Teile des öffentlichen Lebens in Frankreich / Foto: © AFP/Archiv

Streiks und Proteste gegen die geplante Rentenreform haben in Frankreich erneut weite Teile des öffentlichen Lebens lahm gelegt. "Wenn so viele Menschen auf die Straße gehen und die Regierung ihr Vorhaben so schlecht begründen kann, dann muss sie die Reform zurückziehen", sagte CFDT-Gewerkschaftschef Laurent Berger am Dienstag zum Beginn eines Protestmarsches in Paris. Es handle sich um die größte Protestbewegung seit Jahrzehnten.

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Die Gewerkschaften hatten die Parole ausgegeben, "das ganze Land zu lähmen". Tatsächlich fielen am inzwischen sechsten Protesttag 80 Prozent der Fernzüge aus, in Paris und anderen Großstädten war der öffentliche Nahverkehr stark beeinträchtigt. Demonstranten blockierten sämtliche Raffinerien des Landes, so dass die Tankstellen nicht mit Treibstoff beliefert werden konnten.

In zahlreichen Schulen fiel der Unterricht aus, etwa ein Drittel des Lehrpersonals legte die Arbeit nieder. Das Bildungsministerium zählte 48 teilweise blockierte Gymnasien. Vor einem mit Mülltonnen blockierten Pariser Gymnasium hing ein Plakat mit der Aufschrift "Nein zum Pflichtdienst", den die Regierung für junge Menschen einführen möchte. Auch mehrere Universitäten wurden blockiert.

"Heute ist der Beginn einer neuen Phase, die Streiks werden an vielen Orten fortgesetzt werden", sagte CGT-Gewerkschaftschef Philippe Martinez. Im ganzen Land seien mehr als 300 Demonstrationen geplant. Die Gewerkschaften wollten am Abend über eine mögliche Verlängerung der Streiks beraten.

Umfragen zufolge sind zwei von drei Franzosen gegen die Reform, die unter anderem die Anhebung des Rentenalters von 62 auf 65 Jahre vorsieht. Nach einer ersten Debatte in der Nationalversammlung debattiert derzeit der Senat, die zweite Kammer des Parlaments, den Gesetzentwurf.

Der linkspopulistische Parteichef Jean-Luc Mélenchon forderte Präsident Emmanuel Macron auf, Neuwahlen oder eine Volksabstimmung zu organisieren. "Es ist an der Zeit, dass er eine demokratische Initiative ergreift, um auf die Blockade zu reagieren", sagte Mélenchon. Er warf Macron vor, "ineffizient, ungerecht und gnadenlos" zu regieren.

Bei der Bahn lag die Streikbeteiligung mit 39 Prozent niedriger als am ersten Streiktag im Januar, als sie 46 Prozent erreicht hatte. Auch bei den Lehrern legten etwas weniger Beschäftigte die Arbeit nieder als im Januar. Mit Spannung wurden die Gesamtzahlen der Demonstranten erwartet, bei denen die Angaben von Regierung und Gewerkschaften traditionell weit auseinander klaffen.

Die französische Regierung will erreichen, dass Franzosen länger arbeiten, um ein Defizit in der Rentenkasse zu verhindern. Zudem soll die Mindestrente bei voller Beitragszeit auf 1200 Euro angehoben werden. Die Einstellung von Senioren soll gefördert werden. In Frankreich scheiden Menschen laut OECD im Schnitt mit 60 Jahren aus dem Arbeitsmarkt aus, die Lebenserwartung beträgt 80 Jahre.

(S.A.Dudajev--DTZ)

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