Deutsche Tageszeitung - Paris und London planen neues Abschiebezentrum am Ärmelkanal

Paris und London planen neues Abschiebezentrum am Ärmelkanal


Paris und London planen neues Abschiebezentrum am Ärmelkanal
Paris und London planen neues Abschiebezentrum am Ärmelkanal / Foto: © AFP

Großbritannien hat Frankreich weitere 540 Millionen Euro für das Abfangen von Migranten am Ärmelkanal zugesagt. Ein neues Abschiebezentrum, 500 zusätzliche Beamte und mehr Drohnen sollen davon finanziert werden, sagte der britische Premierminister Rishi Sunak nach seinem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Freitag im Elysée-Palast. "Es sollen nicht kriminelle Banden entscheiden, wer in unsere Länder kommt", sagte Sunak.

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Geplant sei auch eine britisch-französische Kommandozentrale, in der erstmals Teams aus beiden Ländern zusammenarbeiten sollten. Macron betonte, dass die Grenzschützer im vergangenen Jahr 1300 Bootsüberfahrten verhindert hätten. Mehr als 500 mutmaßliche Schlepper seien festgenommen worden. "Wir wollen bei dieser gemeinsamen Herausforderung zusammenarbeiten. Aber wir wollen dies auch mit allen europäischen Ländern tun, die vom Transit der Migranten betroffen sind", betonte Macron.

Beide Politiker hoben ihren Wunsch nach einem politischen Neustart hervor. "Die Beziehungen unsere Länder waren in den vergangenen Jahren angespannt, und ich meine damit nicht nur, dass Ihr England aus der Weltmeisterschaft rausgeworfen habt", sagte Sunak. Das erste Spitzentreffen seit fünf Jahren sei ein "Neubeginn". "Wir sind aus der EU ausgetreten, aber nicht aus Europa", sagte Sunak.

Die Beziehungen beider Länder hatten während der vorherigen beiden Premierminister Boris Johnson und Liz Truss gelitten, vor allem wegen eines zwischen Großbritannien, den USA und Australien geschlossenen Verteidigungspakts, der ein französisches U-Boot-Geschäft torpediert hatte.

Sunak und Macron sagten auch der Ukraine weitere Unterstützung zu, unter anderem Ausbildung für Marinesoldaten. "Russland darf diesen Krieg nicht gewinnen", bekräftigte Macron. "Wir tun alles dafür, dass sich dieser Krieg nicht globalisiert."

Grundsätzlich wollen beide Länder bei der Verteidigung enger zusammenarbeiten. Die verschiedenen Rüstungssysteme sollten künftig besser aufeinander abgestimmt werden. "Wir wollen gemeinsam die Entwicklung komplexer Waffen wie Luftabwehr, Kampfjets und Waffen mit langer Reichweite ausloten", sagte Sunak. Macron sprach seinerseits von der Entwicklung von Anti-Kriegsschiff-Raketen und Marschflugkörpern.

Beide Politiker demonstrierten ihre persönliche Nähe. "Ich habe schnell gelernt, dass es Dinge gibt, die man sich nicht aussuchen kann, etwa seine internationalen Gegenüber", sagte Sunak. "Ich bin sehr froh, an Deiner Seite zu dienen", fügte er hinzu und endete auf Französisch mit den Worten "Merci, mon ami" (Danke, mein Freund).

Macron hatte den drei Jahre jüngeren Premierminister vor dem Elysée-Palast mit ausgiebigem Händeschütteln empfangen und ihm beim Hineingehen freundschaftlich die Hand auf den Rücken gelegt.

(M.Travkina--DTZ)

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