Deutsche Tageszeitung - Prognosen: Stichwahl entscheidet über neuen Präsidenten Montenegros

Prognosen: Stichwahl entscheidet über neuen Präsidenten Montenegros


Prognosen: Stichwahl entscheidet über neuen Präsidenten Montenegros
Prognosen: Stichwahl entscheidet über neuen Präsidenten Montenegros / Foto: © AFP

Der neue Präsident von Montenegro wird laut Prognosen in zwei Wochen in einer Stichwahl zwischen dem pro-westlichen Amtsinhaber Milo Djukanovic und dem 37-jährigen Ex-Wirtschaftsminister Jakov Milatovic von der Bewegung Europa Jetzt bestimmt. Nach der ersten Wahlrunde am Sonntag lag Djukanovic mit gut 35 Prozent in Führung, wie aus Prognosen der Wahlbeobachtungsorganisation CeMI hervorging. Milatovic kam demnach mit rund 29 Prozent auf Platz zwei.

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Djukanovic, der gegen sechs Herausforderer antrat, war als Favorit ins Rennen gegangen. Sollte kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, was laut den Prognosen nun sehr wahrscheinlich ist, fällt die Entscheidung erst in einer Stichwahl am 2. April. Am Montag will die Wahlkommission vorläufige Ergebnisse bekanntgeben.

Der Präsident übt in dem Nato-Land mit seinen 620.000 Einwohnern eine weitgehend repräsentative Funktion aus, die politische Macht liegt größtenteils beim Regierungschef. Dennoch ist Djukanovic seit Ende der 90er Jahre die dominierende politische Figur in Montenegro.

Der 61-Jährige führte das Land zur Unabhängigkeit von Serbien im Jahr 2006 und dann 2017 in die Nato. Der pro-westliche Staatschef will den Balkanstaat außerdem in die EU führen. Die seit 2012 laufenden Gespräche über einen Beitritt Montenegros zur Europäischen Union gerieten aber zuletzt wegen Korruptionsvorwürfen und schleppender Reformen ins Stocken.

Am Donnerstag hatte Djukanovic nach monatelanger politischer Blockade das Parlament aufgelöst und am Freitag vorgezogene Wahlen für den 11. Juni angekündigt. Zuvor hatte das Parlament im August der pro-westlichen Regierung das Vertrauen entzogen. Danach kam aber monatelang keine neue Regierung zustande.

Djukanovics Gegner werfen ihm und seiner Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS) Korruption und Verbindungen zum organisierten Verbrechen vor. Als wichtigster Konkurrent des Staatschefs galt Andrija Mandic von der pro-russischen Demokratischen Front. Aber auch Aleksa Becic von der Mitte-Rechts-Partei der Demokraten und Milatovic von Europa Jetzt wurden in Umfragen gute Chancen eingeräumt.

Eine Niederlage des pro-westlichen Amtsinhabers könnte einen Kurswechsel für Montenegro bedeuten. "Diese Wahlen werden darüber entscheiden, ob Montenegro bei seinen derzeitigen außenpolitischen Zielen bleibt oder ob sich diese unter dem russisch-serbischen Einfluss ändern werden", sagte die Politikwissenschaftlerin Daliborka Uljarevic der Nachrichtenagentur AFP.

Viele Bürger sind von der bisherigen Politik ihres Landes ernüchtert. "Zum ersten Mal werde ich nicht an den Wahlen teilnehmen" sagte die 32-jährige Anwältin Anja der AFP. "Die jungen Leute verlassen das Land, weil sie hier keine Perspektive haben." Sie sei "von den Machthabern enttäuscht", die Reformen und "einen schnellen Beitritt zur EU" versprochen hätten.

(L.Møller--DTZ)

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