Deutsche Tageszeitung - Selenskyj beklagt fehlende Ausrüstung und kritisiert Einschränkung bei westlichen Waffen

Selenskyj beklagt fehlende Ausrüstung und kritisiert Einschränkung bei westlichen Waffen


Selenskyj beklagt fehlende Ausrüstung und kritisiert Einschränkung bei westlichen Waffen
Selenskyj beklagt fehlende Ausrüstung und kritisiert Einschränkung bei westlichen Waffen / Foto: © AFP

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat fehlende Ausrüstung in der Verteidigung gegen Russland beklagt und eine Einschränkung beim Einsatz von westlichen Waffen kritisiert. Sein Land verfüge nur über ein Viertel der benötigten Luftabwehrsysteme und brauche 120 bis 130 F-16-Kampfjets, sagte er am Freitag in einem Exklusivinterview mit der Nachrichtenagentur AFP. Die Einschränkung, westliche Waffen nicht für Angriffe auf russisches Territorium zu nutzen, bezeichnete er als "größten Vorteil", den Russland habe.

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Mit Blick auf die Luftverteidigung sagte Selenskyj, die Ukraine habe "rund 25 Prozent dessen, was wir brauchen". Zudem würden "120 bis 130" F-16-Kampfjets oder andere moderne Flugzeuge benötigt, um die russische Dominanz in der Luft zu beenden.

Sehr kritisch äußerte sich Selenskyj im AFP-Interview über die Einschränkung beim Einsatz westlicher Waffen, diese nicht für Angriffe auf russisches Territorium zu nutzen. Russland könne alle Waffen von seinem Territorium auf die Ukraine abfeuern. "Das ist der größte Vorteil, den Russland hat." Die Ukraine hingegen könne russischen Waffen, die auf russischem Territorium seien, mit westlichen Waffen nichts anhaben.

Großbritannien und die USA hatten in den vergangenen Tagen angedeutet, dass diese Verbote gelockert werden könnten. US-Außenminister Antony Blinken sagte bei einem Besuch in der Ukraine in dieser Woche, das Land müsse letztlich selbst entscheiden, wie es seinen Krieg führen wolle.

Die Ukraine und ihre westlichen Verbündeten hätten die gleichen Werte, aber oft "unterschiedliche Ansichten", isbesondere darüber, wie das Ende des Kriegs aussehen könnte. "Wir befinden uns in einer unsinnigen Situation, in der der Westen Angst davor hat, dass Russland den Krieg verlieren könnte. Und er will nicht, dass die Ukraine ihn verliert", sagte Selenskyj.

Die Ukraine werde nur einen "gerechten Frieden" akzeptieren. "Wir wollen, dass der Krieg mit einem gerechten Frieden für uns endet", sagte der ukrainische Präsident im AFP-Exklusivinterview. Der Westen wolle, "dass der Krieg endet. Punkt. So schnell wie möglich".

Selenskyj warnte zudem davor, Russland könne seine Offensive intensivieren. "Sie haben ihre Operation gestartet, sie könnte aus mehreren Wellen bestehen. Und das ist ihre erste Welle", sagte er mit Blick auf die russische Offensive in der Region Charkiw im Nordosten der Ukraine.

Der ukrainische Präsident bezeichnete die Situation in der Region, in der Russland mehrere Grenzorte eingenommen hat, als "kontrolliert", aber "nicht stabilisiert". Die russischen Truppen seien fünf bis zehn Kilometer entlang der nordöstlichen Grenze vorgedrungen, ehe sie von ukrainischen Truppen gestoppt worden seien.

Selenskyj sagte zudem, die russischen Truppen würden die Millionenstadt Charkiw angreifen wollen - auch wenn sie wüssten, dass dies "sehr schwierig" sein würde. Zuvor hatte Russlands Präsident Wladimir Putin auf die Frage, ob Russland plane, auch Charkiw einzunehmen, geantwortet: "Bislang gibt es keine derartigen Pläne." Russland hatte seine Offensive am 10. Mai begonnen, Tausende Menschen mussten aus ihren Häusern fliehen.

(Y.Leyard--DTZ)

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