Deutsche Tageszeitung - Selenskyj beklagt Mangel an Luftabwehr und modernen Kampfjets

Selenskyj beklagt Mangel an Luftabwehr und modernen Kampfjets


Selenskyj beklagt Mangel an Luftabwehr und modernen Kampfjets
Selenskyj beklagt Mangel an Luftabwehr und modernen Kampfjets / Foto: © AFP

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat einen massiven Mangel an Waffen zur Luftverteidigung seines Landes beklagt und fürchtet eine Ausweitung der russischen Offensive in der Ostukraine. Derzeit verfüge die Ukraine nur über ein Viertel der zu ihrer Verteidigung benötigten Luftabwehrsysteme, sagte Selenskyj in einem Exklusivinterview mit der Nachrichtenagentur AFP. Russland sei bei seiner vor gut einer Woche gestarteten Bodenoffensive im Raum Charkiw fünf bis zehn Kilometer weit vorgedrungen. Weitere Angriffswellen seien zu befürchten.

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"Wir müssen nüchtern feststellen, dass sie weiter auf unser Territorium vorgedrungen sind", sagte der Präsident in seinem ersten Interview seit Beginn der russischen Bodenoffensive in der nordöstlichen Region Charkiw am 10. Mai. Bei dem Vorstoß eroberten die russischen Truppen laut Daten des Institute for the Study of War (ISW) mindestens 278 Quadratkilometer Land - ihr größter Geländegewinn seit Ende 2022.

Sein Land habe bei der Luftabwehr derzeit nur "etwa 25 Prozent dessen, was wir brauchen um die Ukraine zu verteidigen", sagte Selenskyj in dem am Freitag geführten und am Samstag veröffentlichten Interview. Zudem brauche seine Armee etwa 120 bis 130 moderne Kampfjets, um in der Luft ein Kräftegleichgewicht mit Russlands Truppen zu erreichen.

Charkiws Regionalgouverneur Oleh Synegubow zufolge schlugen die ukrainischen Truppen in der Nacht zum Samstag zwei russische Durchbruchsversuche zurück. Die Lage sei "unter Kontrolle". Aus der gesamten Region seien seit dem Beginn der russischen Bodenoffensive fast 10.000 Bewohner evakuiert worden.

Nahe der Stadt Wowtschansk würden die Verteidigungsstellungen verstärkt, sagte Synegubow. In der vor Kriegsbeginn rund 18.000 Einwohner zählenden Stadt hielten sich noch etwa hundert Zivilisten auf. Russland meldete derweil die Einnahme des Dorfes Staryzja nahe Wowtschansk.

Präsident Selenskyj räumte im AFP-Interview Probleme bei der Kampfmoral der ukrainischen Truppen nach mehr als zwei Jahren Krieg sowie bei der Rekrutierung neuer Soldaten ein. Es gebe eine erhebliche Zahl von Brigaden, die dringend aufgefüllt werden müssten, sagte er. Nachschub werde gebraucht, um eine Truppenrotation zu ermöglichen.

Am Samstag trat ein nach heftigen Debatten verabschiedetes Gesetz in Kraft, mit dem das Mindestalter für die Einberufung zum Kriegsdienst um zwei auf 25 Jahre gesenkt wurde. Zudem werden die Strafen für Männer verschärft, die sich ihrer Verpflichtung zu entziehen versuchen.

Kritisch äußerte sich Selenskyj im AFP-Interview zu der Einschränkung, westliche Waffen nicht für Angriffe auf russisches Territorium nutzen zu dürfen. Russland könne von seinem Gebiet aus sämtliche Waffen auf die Ukraine abfeuern, der Ukraine sei dies umgekehrt nicht möglich. "Das ist der größte Vorteil, den Russland hat."

Großbritannien und die USA hatten in den vergangenen Tagen angedeutet, dass diese Verbote gelockert werden könnten. US-Außenminister Antony Blinken hatte bei einem Besuch in Kiew betont, die Ukraine müsse letztlich selbst entscheiden, wie sie den Krieg führe.

Die Ukraine und ihre westlichen Verbündeten hätten die gleichen Werte, aber oft "unterschiedliche Ansichten", insbesondere darüber, wie das Ende des Kriegs aussehen könnte, sagte Selenskyj. "Wir wollen, dass der Krieg mit einem gerechten Frieden für uns endet", sagte der ukrainische Präsident im AFP-Interview. Der Westen wolle, "dass der Krieg endet. Punkt. So schnell wie möglich".

(V.Varonivska--DTZ)

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