Deutsche Tageszeitung - Ex-Labour-Chef Corbyn tritt bei Wahl in Großbritannien als unabhängiger Kandidat an

Ex-Labour-Chef Corbyn tritt bei Wahl in Großbritannien als unabhängiger Kandidat an


Ex-Labour-Chef Corbyn tritt bei Wahl in Großbritannien als unabhängiger Kandidat an
Ex-Labour-Chef Corbyn tritt bei Wahl in Großbritannien als unabhängiger Kandidat an / Foto: © AFP

Der ehemalige Chef der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, tritt bei der Parlamentswahl im Juli als unabhängiger Kandidat an. Der 74-Jährige erklärte am Freitag in einem im Onlinedienst X veröffentlichten Video, er wolle als Unabhängiger für den Londoner Wahlkreis Islington North kandidieren, um "eine unabhängige Stimme für Gleichheit, Demokratie und Frieden" zu sein.

Textgröße ändern:

Corbyn sitzt bereits seit 2020 als unabhängiger Abgeordneter im britischen Parlament, nachdem die linke Labour-Partei ihn wegen Antisemitismus-Vorwürfen suspendiert hatte. Bei der Parlamentswahl 2019 hatte Corbyn Labour noch als Vorsitzender gegen die konservativen Tories von Boris Johnson angeführt. Nach einer krachenden Niederlage war er von seinem Posten als Parteichef zurückgetreten.

Der Wahlkreis Islington North gilt traditionell als sichere Bank für die Labour-Partei, Corbyns Kandidatur dürfte sich also nicht auf das Gesamtwahlergebnis auswirken. Labour-Chef Keir Starmer erklärte, die Entscheidung seines Vorgängers sei "Jeremys Sache", und versicherte, seine Partei werde einen "exzellenten Kandidaten" für den Wahlkreis aufstellen.

Starmer, der sich laut aktuellen Umfragen bei der Parlamentswahl Hoffnungen auf das Amt des britischen Premierministers machen kann, reiste am Freitag zu einem Wahlkampfauftritt nach Schottland. "Bei dieser Wahl geht es um den Wandel", sagte er bei einer Rede in Glasgow.

Nach der Bekanntgabe des Termins für die Parlamentswahl in Großbritannien sind die Parteien in ihren sechswöchigen Wahlkampf gestartet. Premierminister Rishi Sunak hatte am Mittwoch den 4. Juli als Wahltermin bekanntgegeben. Für den amtierenden Premierminister ist der Zeitpunkt riskant: In aktuellen Umfragen liegen seine Tories derzeit abgeschlagen hinter der oppositionellen Labour-Partei.

Der Sicherheitsausschuss des britischen Parlaments warnte am Freitag vor einer möglichen "ausländischen Einmischung" in den Wahlkampf. Die Ausschussvorsitzende Margaret Beckett schrieb in einem Brief an Premierminister Sunak, bereits in den vergangenen Jahren habe es ausländische Einmischungsversuche "von Ländern wie China, Russland, Iran und Nordkorea" gegeben. Großbritannien müsse sich etwa auf Cyberangriffe und die Verbreitung von Desinformation auch mithilfe von Künstlicher Intelligenz einstellen.

(W.Budayev--DTZ)

Empfohlen

Neuköllner Linken-Politiker Ahmed Abed vertrat Ibrahim Ibrahim vor Gericht

Im Streit um die Berliner Linken-Abgeordnete Vanessa Emde ist eine weitere Kontroverse aufgetaucht: Der Neuköllner Bürgermeisterkandidat der Partei Die Linke, Ahmed Abed, hat den als Terrorsympathisant bekannten Ibrahim Ibrahim vor Gericht vertreten. Währenddessen haben SPD, Grüne und die Linke in Berlin die Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer neuen Landesregierung aufgenommen.

Susanne Johna kündigt Kandidatur als BÄK-Präsidentin an

Susanne Johna hat bei ihrer Wiederwahl zur Vorsitzenden des Marburger Bundes angekündigt, im Mai 2027 als erste Frau die Bundesärztekammer zu leiten. In ihrer Rede kritisierte sie die zunehmende Bedeutungslosigkeit der Ärzte in politischen und wirtschaftlichen Fragen und forderte eine stärkere Positionierung der Berufsgruppe.

Kantonsregierung Zürich blockiert barrierefreie Querungen zugunsten des Autoverkehrs

An der Rosengartenstrasse in Zürich scheiden sich die Geister über die Priorisierung im Verkehr. Während die Stadt barrierefreie Querungen plant, blockiert die Kantonsregierung diese mit Verweis auf Staurisiken. Kritiker sehen darin eine klare Bevorzugung des motorisierten Individualverkehrs gegenüber den Anforderungen eines inklusiven Stadtlebens.

Hartmut Graßl: Klimawandel erzwingt neues Zeitalter und US-Wahl als Wendepunkt

Der Physiker und Meteorologe Professor Hartmut Graßl betont in seiner aktuellen Analyse die Dringlichkeit des Pariser Abkommens. Er warnt davor, dass der menschgemachte Klimawandel bereits ein neues Zeitalter erzwungen hat, das jede natürliche Eiszeit verhindert. Zugleich sieht er in der Wahlniederlage der Republikaner in den USA eine wichtige Korrektur für die globale Klimapolitik.

Textgröße ändern: