Deutsche Tageszeitung - EU-Ukrainehilfen: Baerbock ruft Ungarn zu Ende der Blockade auf

EU-Ukrainehilfen: Baerbock ruft Ungarn zu Ende der Blockade auf


EU-Ukrainehilfen: Baerbock ruft Ungarn zu Ende der Blockade auf
EU-Ukrainehilfen: Baerbock ruft Ungarn zu Ende der Blockade auf / Foto: © AFP

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat Ungarn aufgerufen, die Blockade neuer EU-Militärhilfen für die Ukraine zu beenden. Sie appelliere "eindringlich an Ungarn", weitere Unterstützung für die Ukraine zu ermöglichen, sagte Baerbock am Montag am Rande des EU-Außenministertreffens in Brüssel. Auch der belgische Ratsvorsitz sowie Litauen erhöhten den Druck auf die rechtsnationalistische Regierung von Viktor Orban, die als Russland-nah gilt.

Textgröße ändern:

"Fünf Milliarden Euro an Militärhilfen für die Ukraine sind durch Ungarn blockiert - und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine sie am dringendsten braucht", kritisierte die belgische Außenministerin Hadja Lahbib, deren Land bis Ende Juni den Vorsitz in den Ministerräten hat. Dies sorge in der EU für "Spannungen". Diplomaten zufolge liegen wegen Ungarn sogar mehr als acht Milliarden Euro für Kiew auf Eis.

Litauens Außenminister Gabrielius Landsbergis warf Ungarn eine "systematische" Blockade vor, die rund vier von zehn Ukraine-Entscheidungen der EU betreffe. Nicht nur die Militärhilfen steckten fest, Budapest habe auch die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine als "Geisel" genommen und blockiere zudem Erklärungen zu Georgien.

Bei den Militärhilfen handelt es sich um Mittel aus der sogenannten Europäischen Friedensfazilität (European Peace Facility, EPF). Dabei handelt es sich um einen Topf außerhalb des EU-Haushalts, über den sich Mitgliedsländer Waffenlieferungen an die Ukraine teilweise erstatten lassen können. Auszahlungen erfordern Einstimmigkeit bei den Mitgliedsländern, womit Ungarn eine Vetomöglichkeit hat.

Für den Zeitraum bis 2027 ist der Topf mit fünf Milliarden Euro dotiert. Dazu kommen aktuell rund 2,7 Milliarden Euro aus den Zinsgewinnen eingefrorener russischer Vermögenswerte, die ab Juni ebenfalls für den Kauf von Waffen und Munition für Kiew eingesetzt werden sollten. Bereits seit rund einem Jahr blockiert Ungarn zudem eine Tranche von 500 Millionen Euro - insgesamt also 8,2 Milliarden Euro.

Offiziell begründet Budapest seine Haltung mit einer angeblichen Diskriminierung ungarischer Unternehmen in der Ukraine. Diplomaten vermuten allerdings, dass Orban weitere EU-Fördergelder für sein Land freipressen will, die im jahrelangen Rechtsstaatsstreit mit Brüssel eingefroren sind.

Damit droht neuer Streit mit Orban auf dem EU-Gipfel Ende Juni. Eigentlich geht es bei dem nächsten Treffen der Staats- und Regierungschefs um die Vergabe der Brüsseler Spitzenposten nach den Europawahlen vom 6. bis 9. Juni.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Neuköllner Linken-Politiker Ahmed Abed vertrat Ibrahim Ibrahim vor Gericht

Im Streit um die Berliner Linken-Abgeordnete Vanessa Emde ist eine weitere Kontroverse aufgetaucht: Der Neuköllner Bürgermeisterkandidat der Partei Die Linke, Ahmed Abed, hat den als Terrorsympathisant bekannten Ibrahim Ibrahim vor Gericht vertreten. Währenddessen haben SPD, Grüne und die Linke in Berlin die Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer neuen Landesregierung aufgenommen.

Susanne Johna kündigt Kandidatur als BÄK-Präsidentin an

Susanne Johna hat bei ihrer Wiederwahl zur Vorsitzenden des Marburger Bundes angekündigt, im Mai 2027 als erste Frau die Bundesärztekammer zu leiten. In ihrer Rede kritisierte sie die zunehmende Bedeutungslosigkeit der Ärzte in politischen und wirtschaftlichen Fragen und forderte eine stärkere Positionierung der Berufsgruppe.

Kantonsregierung Zürich blockiert barrierefreie Querungen zugunsten des Autoverkehrs

An der Rosengartenstrasse in Zürich scheiden sich die Geister über die Priorisierung im Verkehr. Während die Stadt barrierefreie Querungen plant, blockiert die Kantonsregierung diese mit Verweis auf Staurisiken. Kritiker sehen darin eine klare Bevorzugung des motorisierten Individualverkehrs gegenüber den Anforderungen eines inklusiven Stadtlebens.

Hartmut Graßl: Klimawandel erzwingt neues Zeitalter und US-Wahl als Wendepunkt

Der Physiker und Meteorologe Professor Hartmut Graßl betont in seiner aktuellen Analyse die Dringlichkeit des Pariser Abkommens. Er warnt davor, dass der menschgemachte Klimawandel bereits ein neues Zeitalter erzwungen hat, das jede natürliche Eiszeit verhindert. Zugleich sieht er in der Wahlniederlage der Republikaner in den USA eine wichtige Korrektur für die globale Klimapolitik.

Textgröße ändern: