Deutsche Tageszeitung - Zivilschutz: 93 Tote bei israelischem Angriff auf Schule im Gazastreifen

Zivilschutz: 93 Tote bei israelischem Angriff auf Schule im Gazastreifen


Zivilschutz: 93 Tote bei israelischem Angriff auf Schule im Gazastreifen
Zivilschutz: 93 Tote bei israelischem Angriff auf Schule im Gazastreifen / Foto: © AFP

Bei einem israelischen Angriff auf ein Schulgebäude im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben mehr als 90 Menschen getötet worden. Dutzende weitere Menschen seien bei dem Angriff auf die Koranschule, in der Flüchtlinge untergebracht gewesen seien, verletzt worden, sagte ein Sprecher der palästinensischen Zivilschutzbehörde am Samstag. Die israelische Armee sprach von einem Angriff auf eine "Kommando- und Kontroll-Zentrale" der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas, die in der Schule gewesen sei. Die Hamas prangerte eine "gefährliche Eskalation" an.

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Bei dem Angriff auf die Koran-Schule im Viertel Al-Sahaba in der Stadt Gaza und die daran angrenzende Moschee seien 93 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden, sagte der Sprecher der von der Hamas kontrollierten Zivilschutzbehörde, Mahmud Basal. Drei israelische Raketen hätten die Schule getroffen. Der Angriff sei während des Morgengebets erfolgt. Unter den Toten seien elf Kinder und sechs Frauen.

Die Nachrichtenagentur AFP konnte die Opferzahl nicht unabhängig überprüfen; sollte sich diese bestätigen, wäre es aber einer der folgenschwersten Angriffe im Gazastreifen seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas vor rund zehn Monaten.

Nach Hamas-Angaben waren etwa 250 Menschen in der Schule untergebracht, etwa die Hälfte seien Frauen und Kinder gewesen. Bilder von AFPTV zeigten einen großen Komplex mit einem Hof, in und vor dem Trümmer lagen. Teil des Gebäudes schien eine Moschee zu sein, wobei das obere Geschoss teilweise zerbombt war. Bilder zeigten blutüberströmte Menschen und Rauchwolken, die aus den Trümmern aufstiegen.

Die israelische Armee erklärte ihrerseits, sie habe "präzise Hamas-Terroristen getroffen, die in einer Hamas-Kommandozentrale in der Al-Tabaeen-Schule operierten". Es seien zahlreiche Vorkehrungen getroffen worden, um Gefahren für Zivilisten zu verringern.

Die Hamas sprach in einer Erklärung von einem "Massaker" in der Schule. Dieses "schreckliche Verbrechen stellt eine gefährliche Eskalation dar", erklärten die Islamisten weiter.

Derzeit wird international eine weitere Eskalation im Nahen Osten befürchtet, nachdem der Hamas-Anführer Ismail Hanija in Teheran und ein hochrangiger Hisbollah-Chef im Libanon gezielt getötet wurden. In beiden Fällen soll Israel die Angriffe ausgeführt haben. Nun wird eine Ausweitung des Gazakrieges mit Vergeltungsschlägen aus dem Libanon und dem Iran befürchtet.

Die USA, Katar und Ägypten drängen daher auf rasche, weitere Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas, um einen Waffenstillstand und die Freilassung der israelischen Geiseln im Gazastreifen zu erreichen. Die nächste Gesprächsrunde sollte nächste Woche am 15. August sein. Das jordanische Außenministerium erklärte nun, der Zeitpunkt des Angriffs auf die Schule "ist ein Hinweis auf die Versuche der israelischen Regierung, diese Anstrengungen zu blockieren und zu durchkreuzen".

Katar forderte eine "dringende internationale Untersuchung". Das katarische Außenministerium verlangte die Entsendung "unabhängiger Ermittler der UNO", um Untersuchungen anzustellen zu den ständigen Angriffen Israels auf Schulen und andere Schutzräume für Flüchtlinge. Die UN-Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, warf Israel im Onlinedienst X einen "Genozid" an den Palästinensern vor.

Erst vor zwei Tagen hatte die Zivilschutzbehörde im Gazastreifen erklärt, dass bei israelischen Angriffen auf zwei Schulen in Gaza mindestens 18 Menschen getötet worden seien. Die israelische Armee hatte auch hier erklärt, die Schulen seien von der Hamas als Kommandozentren genutzt worden.

Israel wirft der Hamas seit Beginn des Krieges im Gazastreifen vor, Schulen, Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen für militärische Zwecke zu nutzen, und Zivilisten als Schutzschilde zu missbrauchen. Die Hamas streitet dies ab.

Der Krieg dauert seit mittlerweile mehr als zehn Monaten an. Er war durch den brutalen Großangriff der Hamas am 7. Oktober auf Israel ausgelöst wurden, bei dem Kämpfer der Hamas und anderer militanter Palästinensergruppen israelischen Angaben zufolge 1198 Menschen töteten und 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppten. 111 Geiseln werden demnach weiter dort festgehalten, 39 von ihnen sind offiziellen Angaben zufolge tot.

Als Reaktion auf den Angriff geht Israel seitdem massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dabei mindestens 39.790 Menschen getötet.

(V.Sørensen--DTZ)

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