Deutsche Tageszeitung - Union und Landkreise formulieren hohe Erwartungen an Gespräch zur Migrationspolitik

Union und Landkreise formulieren hohe Erwartungen an Gespräch zur Migrationspolitik


Union und Landkreise formulieren hohe Erwartungen an Gespräch zur Migrationspolitik
Union und Landkreise formulieren hohe Erwartungen an Gespräch zur Migrationspolitik / Foto: © AFP/Archiv

Vor den Verhandlungen von Bund, Ländern und Union zur künftigen Migrationspolitik formulieren CDU-Politiker und Kommunalvertreter hohe Erwartungen. Einen "grundlegenden Kurswechsel" verlangte der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU). Der Deutsche Landkreistag hält eine "Wende in der Migrationspolitik" für notwendig. Grünen-Chef Omid Nouripour mahnte am Dienstag, alle Vorschläge müssten umsetzbar und rechtskonform sein.

Textgröße ändern:

Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung, der Landesregierungen und der Union kommen am Nachmittag im Bundesinnenministerium zusammen. Gesprächsgrundlage ist aus Sicht der Regierung ihr in der vergangenen Woche vorgestelltes "Sicherheitspaket", das etwa deutliche Verschärfungen im Asyl- und Aufenthaltsrecht, ein strengeres Waffenrecht und Maßnahmen gegen gewaltbereiten Islamismus vorsieht. Die Regierung reagierte damit auf den mutmaßlich islamistisch motivierten Messerangriff von Solingen.

CDU-Politiker Frei drohte damit, die Gespräche zu beenden, wenn die Bundesregierung "allein die von ihr in der letzten Woche vorgestellten Maßnahmen erörtern" will. Dann mache eine Fortsetzung keinen Sinn, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Dienstag.

"Es braucht einen grundlegenden Kurswechsel in der Migrationspolitik", betonte Frei. "Mit dieser Haltung werden wir in die Gespräche gehen." Die Union wolle "vor allem über die Frage des Zugangs und der Aufnahme von Asylbewerbern" sprechen. Er hoffe, "dass die Koalition bereit ist, ein Gespräch ohne Tabus zu führen", sagte Frei.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sagte im RBB24 Inforadio, Deutschland müsse "nicht irreguläre Migration begrenzen, sondern wir müssen sie beenden". Deshalb seien Grenzkontrollen nötig. "Lieber wäre mir, wenn wir endlich so weit wären, dass wir die europäischen Grenzen vernünftig schützen, dann schon an den Grenzen feststellen, wer ist einreiseberechtigt und wer kriegt hier eine Aufnahme in Europa, und dann muss es fair in Europa verteilt werden", fügte Wegner hinzu.

Grünen-Chef Nouripour warnte vor überzogenen Forderungen. "Jede Idee ist willkommen, die muss nur Sinn machen, die muss machbar sein, die muss rechtens sein", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sagte in der RTL/ntv-Sendung "Frühstart", es gebe nicht "die eine Maßnahme" gegen alle Probleme in der Migrationspolitik.

Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan (SPD) sagte den RND-Zeitungen, es dürfe "keinen einseitigen Fokus auf Verschärfungen in der Migrationspolitik geben". Das von der Regierung vorgelegte Sicherheitspaket solle den Schutz vor Terror, Gewalt und Kriminalität stärken. Es sei aber wichtig, "dass dies ohne Generalverdacht und Pauschalierungen erfolgt".

SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese sagte den RND-Zeitungen, er erwarte am Dienstagnachmittag "offene Gespräche ohne Parteitaktik". Es sollten "weitere konstruktive Vorschläge zur Sicherheit und zum Schutz vor islamistischem Terror erörtert werden".

Der Deutsche Landkreistag veröffentlichte anlässlich des Treffens ein Positionspapier. "Deutschland braucht eine Wende in der Migrationspolitik", hieß es darin. "Eine strikte Begrenzung der irregulären Migration ist dringend erforderlich."

Konkret forderte der Landkreistag unter anderem die Abschaffung des sogenannten subsidiären Schutzes, der insbesondere für Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge gilt. Nötig seien auch deutlich mehr Abschiebungen und eine starke Kürzung der Sozialleistungen für Menschen ohne Bleiberecht in Deutschland.

Sollten die verschiedenen Maßnahmen "nicht sehr zeitnah zu einer deutlichen Begrenzung der irregulären Migration führen", sei es gerechtfertigt, "die weitere Aufnahme von Flüchtlingen zahlenmäßig deutlich zu begrenzen oder vorübergehend ganz auszusetzen", erklärte der Landkreistag. Er forderte außerdem, in künftige Gesprächsrunden einbezogen zu werden.

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

Trump kündigt Ende des milliardenschweren Israel-Hilfsprogramms an

US-Präsident Donald Trump hat das Aus für ein milliardenschweres Zehn-Jahres-Programm zur Unterstützung der Sicherheit Israels angekündigt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sei mit dem Schritt „einverstanden“, führte aus Trump am Dienstag in einem Telefoninterview mit dem US-Sender „Fox News“.

Russischer Angriff auf Dorf in Saporischschja fordert mindestens 33 Tote

Einen Tag nach dem tödlichen russischen Angriff auf ein Dorf in der Region Saporischschja befürchtet die Ukraine noch über 50 Menschen unter den Trümmern. „Ein einziger Angriff hat 33 Menschen getötet.

Trump will jährliche US-Militärhilfe für Israel bis Jahresende beenden

Präsident Donald Trump hat am Dienstag erklärt, die Vereinigten Staaten würden ihre jährliche Militärhilfe für Israel in Höhe von fast vier Milliarden Dollar bis Jahresende einstellen. Der Zeitpunkt der Ankündigung überraschte: Sie fiel auf den Tag der Zwischenwahlen zum US-Kongress (Midterms) und dürfte einen Konflikt mit dem Kongress auslösen.

Polizeigewerkschaft warnt vor Folgen einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) blickt mit Sorge auf eine mögliche Regierungsverantwortung der AfD in Sachsen-Anhalt. „Die Polizei macht erst einmal jeden Tag ihre Arbeit für die Sicherheit aller Menschen in diesem Bundesland“, führte aus der GdP-Vorsitzende, Jochen Kopelke, der Deutschen Presse-Agentur am Rande des GdP-Bundeskongresses in Berlin.

Textgröße ändern: