Deutsche Tageszeitung - Ernennung eines Premierministers in Frankreich zieht sich weiter hin

Ernennung eines Premierministers in Frankreich zieht sich weiter hin


Ernennung eines Premierministers in Frankreich zieht sich weiter hin
Ernennung eines Premierministers in Frankreich zieht sich weiter hin / Foto: © POOL/AFP/Archiv

Die Suche nach einem mehrheitsfähigen Premierminister in Frankreich zieht sich weiter hin. Staatschef Emmanuel Macron beriet am Dienstag mit mehreren Vertretern des rechten Lagers über die Aussichten für den ehemaligen konservativen Präsidentschaftskandidaten Xavier Bertrand, eine stabile Regierung zu bilden. Diese hätten zur Bedingung gemacht, dass ihr Kandidat nicht gleich durch ein Misstrauensvotum gestürzt werden könne, hieß es in Parteikreisen.

Textgröße ändern:

Die rechtsextreme Partei Rassemblement National (RN) kündigte jedoch umgehend an, bei einem Misstrauensvotum gegen Bertrand zu stimmen. Dieser hatte sich bei Regionalwahlen mehrfach gegen die frühere RN-Parteichefin Marine Le Pen durchgesetzt. Der RN erklärte sich hingegen bereit, unter bestimmten Voraussetzungen eine "technische Regierung" zu akzeptieren.

Im Gegenzug erwartet die Partei, dass die Regierung das Wahlrecht für Parlamentswahlen ändert. Das bisherige Mehrheitswahlrecht, das kleinere Parteien benachteiligt, solle durch eine Form des Verhältniswahlrechts ersetzt werden, forderte der RN. Die Forderung nach einer Wahlrechtsreform haben auch andere Parteien erhoben.

Macron hatte am Vortag zwei Kandidaten für das Amt das Premierministers empfangen, die zuletzt als Favoriten galten. Neben dem konservativen Bertrand ist weiterhin der ehemalige sozialistische Premierminister Bernard Cazeneuve im Gespräch. Es gilt aber nicht als ausgeschlossen, das Macron sich für einen Vertreter der Zivilgesellschaft entscheidet.

Die vorgezogene Parlamentswahl, die Macron nach dem Wahlsieg der Rechtspopulisten bei der Europawahl im Juni ausgerufen hatte, hat zu schwierigen Mehrheitsverhältnissen geführt. Es bildeten sich drei Lager, die jeweils weit von der absoluten Mehrheit entfernt und zudem wenig kompromissbereit sind. Macron wartete fast sieben Wochen, bevor er offizielle Verhandlungen mit möglichen Partnern begann.

Die bisherige Regierung unter Premier Gabriel Attal ist seit mittlerweile sieben Wochen nur noch geschäftsführend im Amt. Das bedeutet, dass es keine Kabinettssitzungen gibt und keine politischen Vorhaben auf den Weg gebracht werden können. Dies ist die längste Zeit in der fünften Republik. In dieser Zeit wurden Dutzende möglicher Kandidaten für das Amt des Premierministers ins Spiel gebracht, ohne dass Macron sich für einen von ihnen entschied.

Macron hatte den Verzicht auf die Ernennung einer neuen Regierung damit begründet, dass während der Olympischen Spiele politische Stabilität nötig sei. Diese sind jedoch längst vorbei, und auch die Paralympischen Spielen enden am 11. September. Bis Anfang Oktober müsste die neue Regierung eigentlich ihren Haushaltsentwurf für 2025 vorlegen.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Trump kündigt Ende des milliardenschweren Israel-Hilfsprogramms an

US-Präsident Donald Trump hat das Aus für ein milliardenschweres Zehn-Jahres-Programm zur Unterstützung der Sicherheit Israels angekündigt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sei mit dem Schritt „einverstanden“, führte aus Trump am Dienstag in einem Telefoninterview mit dem US-Sender „Fox News“.

Russischer Angriff auf Dorf in Saporischschja fordert mindestens 33 Tote

Einen Tag nach dem tödlichen russischen Angriff auf ein Dorf in der Region Saporischschja befürchtet die Ukraine noch über 50 Menschen unter den Trümmern. „Ein einziger Angriff hat 33 Menschen getötet.

Trump will jährliche US-Militärhilfe für Israel bis Jahresende beenden

Präsident Donald Trump hat am Dienstag erklärt, die Vereinigten Staaten würden ihre jährliche Militärhilfe für Israel in Höhe von fast vier Milliarden Dollar bis Jahresende einstellen. Der Zeitpunkt der Ankündigung überraschte: Sie fiel auf den Tag der Zwischenwahlen zum US-Kongress (Midterms) und dürfte einen Konflikt mit dem Kongress auslösen.

Polizeigewerkschaft warnt vor Folgen einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) blickt mit Sorge auf eine mögliche Regierungsverantwortung der AfD in Sachsen-Anhalt. „Die Polizei macht erst einmal jeden Tag ihre Arbeit für die Sicherheit aller Menschen in diesem Bundesland“, führte aus der GdP-Vorsitzende, Jochen Kopelke, der Deutschen Presse-Agentur am Rande des GdP-Bundeskongresses in Berlin.

Textgröße ändern: