Deutsche Tageszeitung - Erneut zwei UN-Soldaten im Libanon durch Beschuss verletzt - Kritik an Israel

Erneut zwei UN-Soldaten im Libanon durch Beschuss verletzt - Kritik an Israel


Erneut zwei UN-Soldaten im Libanon durch Beschuss verletzt - Kritik an Israel
Erneut zwei UN-Soldaten im Libanon durch Beschuss verletzt - Kritik an Israel / Foto: © AFP

Inmitten der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz sind im Libanon erneut UN-Blauhelmsoldaten verletzt worden. Nach Angaben der UN-Friedenstruppe Unifil wurden am Freitag zwei ihrer Soldaten bei zwei Explosionen nahe eines Wachturms verletzt. Die israelische Armee teilte mit, dass sie nahe eines Unifil-Stützpunkts im Südlibanon auf eine "unmittelbare Bedrohung" reagiert habe. Dabei seien unabsichtlich zwei Unifil-Soldaten verletzt worden. Während am Freitagabend in Israel der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur begann, ertönte erneut Sirenenalarm im Norden von Tel Aviv.

Textgröße ändern:

Bereits am Vortag waren zwei Unifil-Soldaten infolge eines Beschusses verletzt worden, wofür die UN-Truppe die israelische Armee verantwortlich machte. Der Vorfall rief international scharfe Kritik hervor.

Die israelische Armee zeigte sich "zutiefst besorgt über Vorfälle dieser Art". Sie führe "eine gründliche Untersuchung auf höchster Kommandoebene aus, um die Einzelheiten des Geschehens zu ermitteln", erklärte sie.

Zu dem Vorfall am Freitag erklärte die Armee, laut vorläufigen Untersuchungsergebnissen hätten ihre Soldaten in Reaktion auf die "unmittelbare Bedrohung" eine "etwa 50 Meter von der Quelle der Bedrohung entfernte" Unifil-Stellung getroffen, wodurch zwei Unifil-Mitglieder unabsichtlich verletzt worden seien.

Der pro-iranischen Hisbollah warf die Armee vor, die Blauhelme "absichtlich" zu gefährden. Nach Angaben der Unifil stammen die beiden am Freitag verletzten Blauhelmsoldaten aus Sri Lanka.

Am Donnerstag waren beim Beschuss des Unifil-Hauptquartiers in Nakura laut der Friedenstruppe zwei indonesische Blauhelmsoldaten verletzt worden, als sie von einem Beobachtungsturm stürzten. Die israelische Armee hatte dazu erklärt, sie habe in der Nähe des Unifil-Stützpunktes, wo Kämpfer der Hisbollah-Miliz aktiv seien, Schüsse abgegeben. Im Vorfeld seien die UN-Soldaten in dem Gebiet aufgefordert worden, sich an geschützten Orten aufzuhalten. Erst dann sei das Feuer eröffnet worden.

US-Präsident Joe Biden antwortete am Freitag auf die Frage eines Reporters im Weißen Haus, ob er Israel auffordere, den Beschuss einzustellen, mit den Worten: "Auf jeden Fall."

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der spanische Regierungschef Pedro Sánchez forderten bei einem Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU-Mittelmeer-Anrainer(Med9) auf Zypern eine sofortige Einstellung des Beschusses und der "Feindseligkeiten".

"Diese Angriffe sind nicht zu rechtfertigen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der drei Länder, die jeweils mit einer großen Anzahl Blauhelmsoldaten im Libanon vertreten sind. Sie stellten eine "schwerwiegende Verletzung" der UN-Resolution 1701 dar.

Die Unifil-Friedenstruppe ist seit 1978 im Libanon stationiert, sie umfasst mehr als 10.000 Soldaten und Zivilkräfte. Durch eine nach dem Libanon-Krieg 2006 verabschiedete Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrats wurden die Aufgaben der Blauhelmtruppe deutlich erweitert.

Die Resolution sieht unter anderem vor, dass lediglich Truppen der Unifil und der libanesischen Armee im Grenzgebiet zu Israel eingesetzt werden sollten. Die Hisbollah, die den Krieg 2006 mit einem Angriff auf Israel ausgelöst hatte, blieb ungeachtet dessen dort.

Die Hisbollah hatte nach dem Großangriff der mit ihr verbündeten islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 mit permanenten Luftangriffen eine zweite Front gegen Israel eröffnet. Die israelische Armee ging danach massiv gegen die Hamas im Gazastreifen vor. Seit September konzentriert das israelische Militär aber einen erheblichen Teil seiner Kräfte auf den Kampf gegen die vom Iran unterstützte Miliz.

Während sich die Menschen in Israel auf den Beginn des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur am Freitagabend vorbereiteten, ertönten am späten Nachmittag in mehreren Dutzend Orten im Nordwesten des Landes erneut die Luftalarmsirenen. Die israelische Armee meldete "etwa 80 Geschosse", die vom Libanon aus auf sein Staatsgebiet abgefeuert worden seien.

Am späten Abend wurde dann wegen aus dem Libanon kommender Drohnen im Norden der israelische Metropole Tel Aviv Sirenenalarm ausgelöst. Durch den Angriff wurde ein Gebäude in Herzlija beschädigt, verletzt wurde den Behörden zufolge niemand.

Der libanesische Ministerpräsident Nadschib Mikati forderte derweil eine UN-Resolution für eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah. Seine Regierung werde den UN-Sicherheitsrat auffordern, eine Resolution "über einen vollständigen und sofortigen Waffenstillstand zu verabschieden", sagte er.

Das libanesische Militär teilte am Freitag mit, dass bei einem israelischen Beschuss eine ihrer Stellungen im Südlibanon getroffen worden sei. Dabei seien zwei libanesische Soldaten getötet und drei weitere verletzt worden. Demnach stieg die Zahl der libanesischen Soldaten, die seit Ende September durch israelischen Beschuss getötet wurden, auf vier.

Die Hisbollah und die Hamas gehören mit anderen militanten Gruppen zur gegen Israel gerichteten "Achse des Widerstands" unter der Führung des Iran. Anfang Oktober hatte der Iran Israel zum zweiten Mal in diesem Jahr mit zahlreichen Raketen angegriffen.

Als Reaktion darauf verhängten die USA am Freitag neue Sanktionen gegen den Öl- und Petrochemie-Sektor des Iran. Von den Strafmaßnahmen sind dutzende Firmen und Unternehmen betroffen, wie das Finanz- und das Außenministerium am Freitag in Washington mitteilten.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Trump zeigt sich von Sieg seiner Republikaner bei US-Kongresswahlen überzeugt

Zwei Tage vor den US-Kongresswahlen hat sich US-Präsident Donald Trump überzeugt von einem Sieg seiner Republikaner gezeigt. "Wir werden gewinnen", sagte er am Sonntag (Ortszeit). Die Demokraten seien "extreme und gefährliche Radikale", sagte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Iowa. Sie würden den Wohlstand der Bürger "stehlen" und Migranten ins Land lassen, die dann "plündern, vergewaltigen und brandschatzen" würden.

Zwei Tage vor US-Kongresswahlen: Trump bekräftigt Drohung gegen Iran

Zwei Tage vor den US-Kongresswahlen hat Präsident Donald Trump seine Drohung bekräftigt, die Angriffe gegen den Iran wieder aufzunehmen. "Der einzige Grund, warum ich mit dem Iran noch nicht fertig bin, ist, dass ich nett sein will", sagte Trump am Sonntag vor Anhängern bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Iowa. Er wolle "all diese Leben retten". "Aber irgendwann werden wir ihnen einen harten Schlag versetzen müssen."

Koalitiongespräche für mögliche rot-grün-rote Regierung in Berlin starten

In Berlin starten am Montag (10.00 Uhr) die Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer möglichen rot-grün-roten Regierung. Dazu kommen die Verhandler von Linken, Grünen und SPD nach Parteiangaben im Abgeordnetenhaus zusammen. Dazu gehören unter anderem auch die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp, SPD-Landeschef Steffen Krach und Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf.

Russlandfreundliche Amtsinhaberin Jotowa klare Siegerin bei Präsidentenwahl in Bulgarien

Richtungsentscheidung bei der Präsidentschaftswahl in Bulgarien: Die russlandfreundliche Amtsinhaberin Ilijana Jotowa hat die Stichwahl in dem EU- und Nato-Mitgliedsland am Sonntag klar für sich entschieden. Laut Prognosen setzte sich die Staatschefin mit deutlichem Vorsprung gegen ihren pro-westlichen Herausforderer Andrej Gjurow durch. Dieser räumte noch am Wahlabend seine Niederlage ein. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte Jotowa zu ihrem Wahlsieg.

Textgröße ändern: