Deutsche Tageszeitung - Orientierung Richtung EU oder Moskau: Menschen in Moldau wählen neues Staatsoberhaupt

Orientierung Richtung EU oder Moskau: Menschen in Moldau wählen neues Staatsoberhaupt


Orientierung Richtung EU oder Moskau: Menschen in Moldau wählen neues Staatsoberhaupt
Orientierung Richtung EU oder Moskau: Menschen in Moldau wählen neues Staatsoberhaupt / Foto: © AFP

Unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und möglicher Auswirkungen auf das eigene Land haben die Menschen in der Republik Moldau am Sonntag ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Die Wahllokale öffneten um 07.00 Uhr (Ortszeit, 06.00 Uhr MESZ) und schließen um 21.00 Uhr. Teilergebnisse werden gegen 22.00 Uhr erwartet. Parallel zur Präsidentschaftswahl stimmten die Moldauer in einem Referendum über eine Verfassungsänderung zugunsten eines EU-Beitritts ab.

Textgröße ändern:

In der Hauptstadt Chisinau wurde der Beginn der Wahl mit der Nationalhymne eingeläutet, die über Lautsprecher übertragen wurde, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Die Abstimmung in dem 2,6 Millionen Einwohner zählenden Land gilt als richtungsweisend: Die Favoritin und Amtsinhaberin Maia Sandu will das südosteuropäische Land in die EU führen. Sie tritt gegen zehn Gegenkandidaten an, von denen einige engere Beziehungen zu Moskau anstreben. Nach ihrem Amtsantritt im Jahr 2020 hatte Sandu die Beziehungen zu Russland abgebrochen und 2022 kurz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine den Beitritt zur EU beantragt. Seit Juni laufen die Beitrittsgespräche zwischen Brüssel und Chisinau.

Am Vorabend der Wahl hatte Sandu ihre Landsleute im Onlinedienst X dazu aufgerufen, sich zu vereinen, "um der Republik Moldau den Platz in der europäischen Familie zu sichern, der ihm zusteht". Schon während ihres Wahlkampfs hatte sie immer wieder betont, dass das Schicksal des Landes in den kommenden Jahrzehnten von der Entscheidung am Wahltag abhänge.

Allerdings könnte die 52-jährige Sandu mit den in den jüngsten Umfragen prognostizierten 35,8 Prozent der Wählerstimmen die erforderliche Mehrheit von 50 Prozent verpassen, weshalb es am 3. November zu einer Stichwahl kommen könnte.

Für einen Erfolg des parallel stattfindenden Referendums ist eine Wahlbeteiligung von 33 Prozent notwendig. Inhalt des Referendums ist die Frage, ob die Verfassung geändert werden soll, um den EU-Beitritt als Ziel aufzunehmen. In Umfragen sprachen sich zuletzt 55,1 Prozent der Befragten für "Ja" und 34,5 Prozent für "Nein" aus.

Nach dem Einmarsch in die Ukraine befürchteten die Moldauer, dass Moskau ihr Land als nächstes angreifen könnte. Viele Ukrainer flüchteten nach Moldau, das zu den ärmsten Ländern in Europa zählt. Die Regierung versuchte, bei der Energieversorgung unabhängiger von Russland zu werden, weshalb die Preise in die Höhe schnellten.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Stichwahl ums Präsidentenamt in Bulgarien

In Bulgarien entscheidet sich am Sonntag in einer Stichwahl, wer künftig an der Spitze des Staates steht. Die russlandfreundliche derzeitige Präsidentin Ilijana Jotowa steht dabei ihrem prowestlichen Herausforderer Andrej Gjurow gegenüber. Im ersten Durchgang vor einer Woche lag Jotowa mit 35 Prozent der Stimmen nur knapp vor Gjurow, der auf 32 Prozent kam.

Trump bringt Angriffe auf weitere Ziele im Iran ins Spiel

US-Präsident Donald Trump hat mögliche neue Angriffe auf Ziele im Iran ins Spiel gebracht. "Wir haben ihr Atomprogramm ausgeschaltet. Wir müssen uns noch um, ich würde sagen, ein oder zwei Anlagen kümmern, aber das können wir in zehn Minuten erledigen", sagte Trump am Samstag vor Journalisten auf seinem Anwesen Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida.

Ausschreitungen bei Protesten in Frankreich - insgesamt 565 Festnahmen

Bei Ausschreitungen am Rande landesweiter Massenproteste in Frankreich sind am Samstag 565 Menschen festgenommen worden. Dies teilte das französische Innenministerium am Abend mit. In Paris wurden zudem fünf Sicherheitskräfte verletzt, darunter drei durch Molotowcocktails, wie die Polizeipräfektur mitteilte. Bei einem der Angriffe geriet die Uniform eines Gendarmen durch einen Molotowcocktail in Brand.

Ausschreitungen nach Jugendprotesten in Frankfurt - mehr als 30 Festnahmen

Nach zunächst weitgehend friedlichen Jugendprotesten ist es am Samstagabend in der Innenstadt von Frankfurt am Main zu schweren Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizisten und Plünderungen gekommen. Nach Angaben der Polizei bewarfen Randalierer Einsatzkräfte mit Molotowcocktails und schlugen die Fensterscheiben mehrerer Geschäfte ein, darunter die eines Waffenladens. Bis zum späten Abend wurden demnach mehr als 30 Menschen vorläufig festgenommen.

Textgröße ändern: