Deutsche Tageszeitung - Zweieinhalb Jahre Haft wegen Umsturzplänen für Mitglied sogenannter Kaiserreichsgruppe

Zweieinhalb Jahre Haft wegen Umsturzplänen für Mitglied sogenannter Kaiserreichsgruppe


Zweieinhalb Jahre Haft wegen Umsturzplänen für Mitglied sogenannter Kaiserreichsgruppe
Zweieinhalb Jahre Haft wegen Umsturzplänen für Mitglied sogenannter Kaiserreichsgruppe / Foto: © AFP/Archiv

Wegen Beteiligung an Umsturzplänen der sogenannten Kaiserreichsgruppe ist ein 62-Jähriger am Montag vom Oberlandesgericht Frankfurt am Main zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es nach Angaben einer Sprecherin als erwiesen an, dass der Beschuldigte die aus Reichsbürgern bestehende Gruppe unterstützt hatte. Diese soll unter anderem Anschläge auf die Stromversorgung sowie eine Entführung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geplant haben. Es laufen oder liefen Prozesse in verschiedenen Städten.

Textgröße ändern:

Der Beschuldigte wurde nach etwa dreimonatigem Prozess wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens gegen den Bund und Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung verurteilt. Er habe sich als Mitglied an einer Vereinigung beteiligt, welche die "freiheitlich-demokratische Grundordnung" habe beseitigen wollen, erklärte das Oberlandesgericht. Er habe innerhalb dieser Gruppierung allerdings "eine eher passive Rolle eingenommen".

Die Rädelsführer der sogenannten Kaiserreichsgruppe waren im April 2022 gefasst worden, später folgten weitere Festnahmen. Sicherheitsbehörden zufolge wollte die Gruppe in Deutschland zunächst bürgerkriegsähnliche Zustände provozieren und dadurch die Macht an sich reißen. Dann wollte sie einen autokratischen Staat nach Vorbild des 1918 untergegangenen Kaiserreichs errichten - daher auch die Bezeichnung Kaiserreichsgruppe.

Durch Anschläge ausgelöste wochenlange Stromausfälle und die Entführung von Lauterbach sollten in der Vorstellungswelt der Beschuldigten demnach den Zusammenbruch einleiten. Einige Mitglieder planten laut Behörden auch, mit einem Segelboot nach Russland zu fahren, um den russischen Staatschef Wladimir Putin um Unterstützung für ihre Pläne zu bitten.

Der nun in Frankfurt verurteilte 62-Jährige kam nach Feststellungen des Gerichts erst etwa einen Monat vor Zerschlagung der Gruppe als Mitglied dazu. Er nahm demnach an Treffen teil und erklärte sich bereit, an Anschlägen auf die Stromversorgung mitzuwirken sowie Waffen in seiner Garage zu lagern. Strafmildernd wertete das Gericht ein umfassendes sowie "von Einsicht getragenes Geständnis" des Manns.

Das Urteil ist demnach bereits rechtskräftig, weil der Verurteilte und die Generalstaatsanwaltschaft als Vertreterin der Anklage auf Rechtsmittel verzichteten. Die Rädelsführerinnen und -führer der Kaiserreichsgruppe stehen seit 2023 vor dem Oberlandesgericht Koblenz. Weitere Prozesse gegen Unterstützer liefen auch schon in Hamburg, Düsseldorf und München.

Das Vorhaben der Kaiserreichsgruppe war einer von mehreren Umsturzplänen durch Reichsbürgergruppierungen und Rechtsextremisten, welche die Behörden in den vergangenen Jahren durchkreuzten. Die Reichsbürgerszene besteht aus diversen Gruppen und unorganisierten Einzelvertretern. Sie erkennen die Bundesrepublik nicht als legitimen Staat an. Es gibt Überschneidungen mit Rechtsextremismus und Verschwörungsideologien. Teile der Szene gelten als gewaltbereit.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Nach Bolsonaros Niederlage: Trump nennt Brasilien-Wahl "manipuliert"

US-Präsident Donald Trump hat Zweifel am Wahlsieg des linksgerichteten brasilianischen Staatschefs Luiz Inácio Lula da Silva gesät. Es sehe nach einer "manipulierten Wahl" aus, sagte Trump am Montag nach der Niederlage seines Verbündeten, des rechtsgerichteten Politikers Flávio Bolsonaro. Die Niederlage Bolsonaros bedeutet für Trump einen Rückschlag nach Wahlsiegen verbündeter Politiker in lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien, Kolumbien oder Chile.

Flavio Bolsonaro darf nach eigenen Angaben Brasilien nicht verlassen

Gegen den bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien unterlegenen Kandidaten Flávio Bolsonaro ist nach dessen eigener Aussage eine Ausreisesperre verhängt worden. Er habe eine Anordnung des Obersten Gerichtes erhalten, wonach er seine Pässe abgeben müsse und es ihm untersagt sei, das Land zu verlassen, sagte Bolsonaro am Montag in einem Video. Er kündigte zugleich an, dass er weiter die Opposition anführen und sich "nicht einschüchtern" lassen wolle.

Nach Machados Rückkehr: Venezuelas Übergangspräsidentin wirft ihr "Show" vor

Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez hat der Oppositionspolitikerin María Corina Machado nach deren überraschender Rückkehr ins Land vorgeworfen, eine "Show" zu inszenieren. "Ich glaube ganz ehrlich, dass sie aufhören sollte, Politik wie eine Show zu betreiben, denn die Politik ist etwas sehr Ernsthaftes", sagte Rodríguez am Montag mit Bezug auf die nicht veröffentlichten Umstände von Machados Rückkehr. "Es gibt ja hier Flughäfen", fügte sie hinzu.

Verteidigungsministertreffen: Pistorius spricht Putin ernsthaften Friedenswillen ab

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat Kremlchef Wladimir Putin vor dem Hintergrund der für November in Aussicht gestellten Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA mangelnden Friedenswillen vorgeworfen. "Putin simuliert immer mal wieder Gesprächsbereitschaft", sagte Pistorius am Montag nach einem E5-Verteidigungsministertreffen in Paris. "Nichts, aber auch gar nichts" deute darauf hin, dass Putin "an einem Waffenstillstand oder gar an einem Frieden interessiert ist".

Textgröße ändern: