Deutsche Tageszeitung - Weltweite Trauer um Jimmy Carter - Ex-Präsident im Alter von 100 Jahren gestorben

Weltweite Trauer um Jimmy Carter - Ex-Präsident im Alter von 100 Jahren gestorben


Weltweite Trauer um Jimmy Carter - Ex-Präsident im Alter von 100 Jahren gestorben
Weltweite Trauer um Jimmy Carter - Ex-Präsident im Alter von 100 Jahren gestorben / Foto: © AFP

Die Welt trauert um Jimmy Carter: Drei Monate nach seinem 100. Geburtstag ist der frühere US-Präsident und Friedensnobelpreisträger im Kreise seiner Familie gestorben. Trauer- und Beileidsbekundungen kamen am Montag etwa aus China, Deutschland und dem Nahen Osten. US-Präsident Joe Biden bezeichnete Carter als "außergewöhnlichen Staatsmann" und rief einen nationalen Trauertag zu seinen Ehren aus.

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Carter starb nach Angaben seiner Stiftung am Sonntag friedlich im Kreise seiner Familie in seinem Haus in der Stadt Plains im Bundesstaat Georgia. "Mein Vater war ein Held, nicht nur für mich, sondern für jeden, der an Frieden, Menschenrechte und selbstlose Liebe glaubt", erklärte sein Sohn Chip Carter.

Us-Präsident Biden würdigte seinen demokratischen Parteifreund als "Mann der Prinzipien, des Glaubens und der Bescheidenheit". Der amtierende Präsident kündigte zudem ein Staatsbegräbnis für Carter an und erklärte den 9. Januar zu einem nationalen Trauertag. Die Flagge über dem Weißen Haus wehte am Montag auf Halbmast.

Der designierte US-Präsident Donald Trump erklärte, die US-Bürger schuldeten Carter Dankbarkeit dafür, dass er "alles in seiner Macht stehende tat, um das Leben aller Amerikaner zu verbessern".

Auch international wurden Carters Verdienste gewürdigt. UN-Generalsekretär António Guterres erklärte, Carter werde "für seine Solidarität mit den Schwachen, seine beständige Gnade und seinen unerschütterlichen Glauben an das Gemeinwohl und unsere gemeinsame Menschlichkeit" in Erinnerung bleiben. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief dazu auf, Carters "edles Erbe" weiterleben zu lassen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bezeichnete den Verstorbenen als "engagierten Streiter für die Demokratie". Die Welt verliere "einen großen Vermittler, der sich für Frieden im Nahen Osten und für Menschenrechte einsetzte".

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi würdigte Carter als "Symbol der humanitären Bemühungen" für seine Rolle bei der Vermittlung des historischen Friedensabkommens zwischen Ägypten und Israel in Camp David 1978. Carters "bedeutende Rolle" werde "in den Annalen der Geschichte verankert" bleiben. Der israelische Präsident Isaac Herzog sagte, der Friedensvertrag sei "auch viele Jahrzehnte später noch ein Stabilitätsanker für den gesamten Nahen Osten und Nordafrika".

Der chinesische Präsident Xi Jinping zeigte sich "zutiefst betrübt" über Carters Tod. Der ehemalige Präsident habe "einen bedeutenden Beitrag zur Weiterentwicklung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen und zur Förderung der freundschaftliche Kontakte und Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern geleistet".

Panamas Präsident José Raúl Mulino würdigte die Rolle des ehemaligen US-Präsidenten bei der Übergabe des Panamakanals an sein Land. Kubas Staatschef Miguel Díaz-Canel sagte, das kubanische Volk werde sich "mit Dankbarkeit" an Carter erinnern, weil er sich um eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Kuba und den USA bemüht habe.

Der Ex-Präsident hinterlässt drei Söhne und eine Tochter. In den vergangenen zwei Jahren hatte er zu Hause Palliativpflege erhalten. Zum letzten Mal war er im November vergangenen Jahres beim Begräbnis seiner im Alter von 96 Jahren verstorbenen Ehefrau Rosalynn in der Öffentlichkeit aufgetreten - im Rollstuhl und mit einer Decke auf den Knien, die ein Bild des 77 Jahre lang verheirateten Paares zeigte.

Am 1. Oktober feierte Carter seinen 100. Geburtstag. Er war der älteste noch lebende US-Präsident und der bisher einzige, der das Alter von 100 Jahren erreichte.

Der Demokrat galt als glückloser Präsident. Zwar gelang es ihm, eine als Camp-David-Abkommen bekannt gewordene Einigung zwischen Israel und Ägypten auszuhandeln, die den Kriegszustand zwischen beiden Ländern beendete und zu einem Friedensvertrag führte. Doch fiel in seine Amtszeit auch die Geiselkrise im Iran und der fehlgeschlagene Befreiungsversuch des US-Militärs für die 52 in der US-Botschaft in Teheran festgehaltenen Geiseln.

Als er 1980 abgewählt wurde, haftete Carter der Ruf eines weltfremden Idealisten an, dem als Staatsmann die politische Durchsetzungskraft fehlte. Später aber wurde er immer wieder als "bester Ex-Präsident" des Landes gewürdigt. Carter baute auf seinen Idealen eine zweite Karriere als Kämpfer für Frieden und Menschenrechte auf. 2002 erhielt er dafür den Friedensnobelpreis.

(M.Travkina--DTZ)

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