Deutsche Tageszeitung - Trump übernimmt mit einer Flut von Dekreten das Ruder in den USA

Trump übernimmt mit einer Flut von Dekreten das Ruder in den USA


Trump übernimmt mit einer Flut von Dekreten das Ruder in den USA
Trump übernimmt mit einer Flut von Dekreten das Ruder in den USA / Foto: © POOL/AFP

Ein rigoroser Kampf gegen Einwanderung, der Ausstieg aus internationalen Vereinbarungen und der Umbau des Regierungsapparats: Die zweite Amtszeit von Donald Trump als 47. US-Präsident hat mit einer Reihe von aufsehenerregenden innen- und außenpolitischen Entscheidungen und Ankündigungen begonnen. In Deutschland und der EU stießen Entscheidungen des neuen US-Präsidenten wie der Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag auf Kritik.

Textgröße ändern:

Nach der feierlichen Vereidigung und einer furiosen Antrittsrede stand am Dienstag zunächst ein Gottesdienst in der National Cathedral in Washington auf Trumps Programm. Am Montag (Ortszeit) hatte Trump die ersten präsidialen Dekrete in der Capitol One Arena in Washington vor jubelnden Anhängern unterzeichnet und im Anschluss die dafür benutzten Stifte in die Menge geworfen. Später setzte er seine Arbeit im Oval Office des Weißen Hauses fort.

Der 78-Jährige erklärte unter anderem den nationalen Notstand an der Grenze zu Mexiko und befahl der US-Armee, die Grenze zu überwachen. Zudem unterzeichnete er ein Dekret, nach dem die US-Staatsbürgerschaft nicht mehr automatisch bei Geburt auf dem Boden der USA zuerkannt werden soll. Dieses Recht ist allerdings in der Verfassung verankert, was zu Rechtsstreitigkeiten führen dürfte.

Trump ordnete auch den Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaabkommen an, rief einen "nationalen Energienotstand" aus und kündigte eine massive Ausweitung der Öl- und Gasförderung an. Auch den Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ordnete der Präsident an. Die WHO habe die USA "abgezockt", sagte er mit Blick auf die Beiträge Washingtons an die UN-Organisation.

Zur Außenpolitik sagte der neue Präsident bei seiner Antrittsrede, er wolle als "Friedensstifter und Einiger" auftreten. Im weiteren Verlauf erhob er dann aber einen Gebietsanspruch auf den Panamakanal, den sich die USA "zurückholen" würden. In einer seiner ersten Entscheidungen nach der Vereidigung nahm Trump die von seinem Vorgänger Joe Biden erlassenen Sanktionen gegen israelische Siedler im Westjordanland zurück.

Mit Bezug auf den Ukraine-Krieg kündigte Trump ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin an. Dieser zerstöre Russland, wenn er sich einem Abkommen zur Beendigung des Krieges verschließe, sage Trump.

Schließlich kündigte er eine aggressive Zollpolitik an, "um amerikanische Arbeiter und Familien zu schützen". Statt US-Bürger zu besteuern, würden nun Zölle und Steuern gegen andere Länder erhoben, "um unsere Bürger reicher zu machen". Die Einführung von Zöllen auf Waren aus Kanada und Mexiko in Höhe von 25 Prozent sind demnach schon ab dem 1. Februar möglich.

In weiteren Dekreten begnadigte Trump mehr als 1500 seiner Anhänger, die an der Erstürmung des US-Kapitols in Washington am 6. Januar 2021 beteiligt waren, und beendete zahlreiche Programme zur Förderung von Vielfalt und Gleichheit in der Regierung, am Arbeitsplatz und im Gesundheitswesen sowie von Rechten von LGBTQ-Menschen.

Während seiner Antrittsrede sprach Trump von einer "korrupten und radikalen Elite", die unter seinem Vorgänger Biden die US-Bürger "verraten" habe. Mit ihm werde nun ein "goldenes Zeitalter Amerikas" anbrechen. "Amerikas Niedergang ist vorbei", sagte Trump.

Zusätzlich zur politischen Kurswende begann der neue US-Präsident auch umgehend mit dem Umbau des Regierungsapparats. So kündigte er in seinem Onlinedienst Truth Social die Entlassung vier hochrangiger Regierungsbeamter an. Das Personalbüro des Präsidenten sei außerdem dabei, mehr als tausend von der Vorgängerregierung ernannte Beamte "zu identifizieren und zu entfernen", erklärte Trump.

Bei seiner Antrittsrede hatte Trump sich unter anderem mit Tech-Milliardären wie X-Chef Elon Musk umgeben. Trump hat den umstrittenen Unternehmer mit der Leitung einer Abteilung für Regierungseffizienz ernannt. Eigentlich hatte Musk sich die Aufgabe mit dem Geschäftsmann Vivek Ramaswamy teilen sollen, dieser hat sich Medienberichten zufolge jedoch entschieden, sich zurückzuziehen und stattdessen für das Gouverneursamt im Bundesstaat Ohio zu kandidieren.

Die Reaktionen aus dem Ausland auf Trumps Äußerungen und Verordnungen fielen vielfältig aus. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach sich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gegen eine Konfrontation mit den USA aus. "Oberste Priorität" sei für die Kommission, "gemeinsame Interessen zu erörtern und zu Verhandlungen bereit zu sein", sagte sie. Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) forderte nach Trumps Vereidigung eine "gemeinsame Strategie" der Europäer.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zeigte sich besorgt über den angekündigten Austritt der USA aus der WHO. Der Schritt bedeute "einen schweren Schlag für den internationalen Kampf gegen globale Gesundheitskrisen", erklärte er.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) kritisierte Trumps Äußerungen zum Panamakanal als "inakzeptabel". Gleichzeitig warnte sie aber wie Trump vor dem zunehmenden Einfluss Chinas in der Welt.

Trump ist mit 78 Jahren und sieben Monaten der älteste Politiker, der je als US-Präsident vereidigt wurde. Anders als bei seiner ersten Amtszeit 2017 verfügt er dieses Mal über mehr Macht als viele seiner Vorgänger: Beide Kammern des Kongresses werden von den Republikanern beherrscht und der Oberste Gerichtshof ist in seinem Sinne besetzt.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

"Völlig unverantwortlich": Republikaner kritisieren Trumps Russland-Kurs

US-Präsident Donald Trump rückt immer weiter von der Ukraine ab - und muss dafür heftige Kritik auch aus den eigenen Reihen einstecken. "Das ist völlig unverantwortlich", erklärte der republikanische Senator Thom Tillis am Samstag. "Wenn der Präsident die Energiepreise wirklich senken will, kann er das tun, indem er die Iran-Frage löst - nicht, indem er Wladimir Putin Gefallen erweist." Der russische Präsident führt seit fast fünf Jahren Krieg gegen die Ukraine.

Zahlreiche Verletzte und Festnahmen: Frankreich von Welle der Gewalt erschüttert

Brennende Gebäude, geplünderte Geschäfte, Straßenschlachten mit der Polizei: Frankreich ist am Wochenende von einer Welle der Gewalt erschüttert worden. Bei den Ausschreitungen am Rande von landesweiten Massenprotesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten wurden in der Nacht zum Sonntag nach Angaben des Innenministeriums mehr als 1800 Menschen festgenommen und mehr als 500 Polizisten und Feuerwehrleute verletzt. Premier Sébastien Lecornu zeigte sich entsetzt.

"Wir müssen liefern": Söder fordert Umsetzung der Reformen

CSU-Chef Markus Söder hat die Bundesregierung zur Umsetzung angekündigter Reformen aufgefordert. "Wir müssen liefern", sagte Söder beim Deutschlandtag der Jungen Union am Sonntag in Bonn auch mit Blick auf das Erstarken der AfD in den Umfragen. "Ein Stillstand der Reformen aus Angst vor Diskussionen wäre wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod", betonte der bayerische Regierungschef. "Wir sind jetzt gezwungen, das Angekündigte auch umzusetzen."

Fünf Tage nach Lungen-OP: Papst spricht Angelus-Gebet vor tausenden Gläubigen

Fünf Tage nach seiner Lungenkrebsoperation hat sich Papst Leo XIV. am Sonntag erstmals wieder an die Gläubigen auf dem Petersplatz gewandt und das Angelus-Gebet gesprochen. Von seinem Arbeitszimmer im Apostolischen Palast aus sprach er zu tausenden Menschen, die sich auf dem Petersplatz versammelt hatten. Als er sich am Fenster zeigte, riefen die Gläubigen "Es lebe der Papst!".

Textgröße ändern: