Deutsche Tageszeitung - Blockierte Heimkehrer: Hamas wirft Israel Verstoß gegen Gaza-Waffenruhe vor

Blockierte Heimkehrer: Hamas wirft Israel Verstoß gegen Gaza-Waffenruhe vor


Blockierte Heimkehrer: Hamas wirft Israel Verstoß gegen Gaza-Waffenruhe vor
Blockierte Heimkehrer: Hamas wirft Israel Verstoß gegen Gaza-Waffenruhe vor / Foto: © AFP

Angesichts der verhinderten Rückkehr tausender Palästinenser in ihre Heimatorte im Norden des Gazastreifens hat die Hamas ihrerseits Israel einen Verstoß gegen das Abkommen zur Gaza-Waffenruhe vorgeworfen. "Die Hamas macht Israel verantwortlich für die Verzögerung bei der Umsetzung der Vereinbarung", erklärte die radikalislamische Palästinenserorganisation am Sonntag mit Blick auf die seit dem 19. Januar geltende Vereinbarung für eine Waffenruhe im Gazastreifen und die Freilassung israelischer Geiseln.

Textgröße ändern:

"Die Besatzung blockiert unter dem Vorwand", dass die israelische Geisel Arbel Yehud am Samstag nicht freigelassen worden war, hieß es weiter. Dabei habe die Hamas "die Vermittler informiert, dass sie am Leben ist", und alle "notwendigen Garantien für ihre Freilassung" abgegeben.

Am Samstag hatte die Hamas vier israelische Frauen freigelassen, im Gegenzug kamen 200 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen frei. Die jungen Soldatinnen waren bei dem Großangriff der Hamas und mit ihr verbündeter Gruppen auf Israel am 7. Oktober 2023 verschleppt worden, als sie gerade ihren Wehrdienst leisteten.

Nach israelischer Darstellung hätte am Samstag aber die israelische Zivilistin Yehud, die nach Medienberichten einen familiären Bezug zu Deutschland hat, aus der Geiselhaft freikommen müssen. Weil dies nicht geschah, warfen am Samstag der israelische Armeesprecher Daniel Hagari und am Sonntag auch das Büro von Regierungschef Benjamin Netanjahu der Hamas einen Verstoß gegen die Waffenruhe-Vereinbarung vor. Als weiteren Verstoß nannte Netanjahus Büro, dass die Hamas "die detaillierte Liste mit dem Status aller Geiseln" nicht vorgelegt habe.

Israel erklärte als Konsequenz aus der nicht erfolgten Freilassung von Yehud, die Armee werde sich vorerst nicht vom sogenannten Netzarim-Korridor zurückziehen - einer sieben Kilometer langen Verbindung in der Mitte des Gazastreifens, die den Norden vom Süden des Palästinensergebiets trennt.

In der Folge konnten zahlreiche Palästinenser zunächst nicht in ihre Heimatorte im Norden des Gazastreifens zurückkehren. "Zehntausende Vertriebene warten in der Nähe des Netzarim-Korridors, um in den Norden des Gazastreifens zurückzukehren", sagte der Sprecher der von der Hamas kontrollierten Zivilschutzbehörde im Gazastreifen, Mahmud Bassal, der Nachrichtenagentur AFP.

AFP-Journalisten in der Gegend sahen große Menschenmengen, die auf einer Küstenstraße in der Nähe der Absperrung warteten. Auf Luftbildern war zu sehen, dass sich die Menge der Wartenden in drei Richtungen hunderte Meter weit erstreckte.

Der Leiter der Pressestelle der Hamas-geführten Regierung im Gazastreifen, Ismail al-Thawabtah, sprach ebenfalls von zehntausenden Wartenden. Er führte aus, insgesamt wollten zwischen 615.000 und 650.000 Menschen in den Norden des Palästinensergebietes zurückkehren.

Nach Angaben aus Hamaskreisen soll Yehud im Zuge des nächsten Austauschs von Geiseln und Gefangenen kommenden Samstag freikommen. Während der ersten, sechswöchigen Phase der am 19. Januar in Kraft getretenen Waffenruhe sollen insgesamt 33 israelische Geiseln freikommen.

(U.Kabuchyn--DTZ)

Empfohlen

Rumänische Armee schießt zwei Drohnen über dem Schwarzen Meer ab

Nach mehreren Angriffen auf Schiffe in der Region hat die rumänische Armee nach eigenen Angaben über dem Schwarzen Meer zwei Drohnen abgeschossen. Die Drohnen seien "illegal" in den rumänischen Luftraum eingedrungen, erklärte am Samstagabend Verteidigungsminister Radu Miruta. Er machte keine konkreten Angaben dazu, von wem die Drohnen stammten.

Wellhäußer und Schmitt neue Grünen-Vorsitzende in Baden-Württemberg

Die Grünen-Politiker Clara Wellhäußer und Jan-Lukas Schmitt führen künftig den Landesverband der Partei in Baden-Württemberg. Am Samstag wurden beide von einem Landesparteitag in Offenburg als Parteivorsitzende gewählt. Wellhäußer erhielt bei der Abstimmung laut Parteiangaben gut 92 Prozent der Stimmen, Schmitt kam auf gut 81 Prozent.

Erfolgreiche Sondierung in Berlin: Rot-Grün-Rot geht in Koalitionsverhandlungen

Einen Monat nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin haben Linke, Grüne und SPD ihre Sondierungsgespräche erfolgreich abgeschlossen. Wie die Spitzenvertreter der drei Parteien am Samstag in der Hauptstadt mitteilten, wollen sie in Koalitionsverhandlungen einsteigen. In einem gemeinsamen Sondierungspapier einigten sie sich unter anderem auf eine Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen mit mehr als 10.000 Wohnungen.

Israelische Siedler greifen im Westjordanland europäische Diplomaten an

Israelische Siedler haben im besetzten Westjordanland einen Autokonvoi europäischer Diplomaten angegriffen. Dabei sei am Samstag auch auf einen französischen Bürgermeister eingeschlagen worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP von einem Augenzeugen. In einem eher seltenen Schritt kritisierte Israels Außenminister Gideon Saar den Angriff der Siedler, er bezeichnete die Täter als "Randalierer".

Textgröße ändern: