Deutsche Tageszeitung - Istanbuler Bürgermeister prangert "Schikane" durch die Justiz an

Istanbuler Bürgermeister prangert "Schikane" durch die Justiz an


Istanbuler Bürgermeister prangert "Schikane" durch die Justiz an
Istanbuler Bürgermeister prangert "Schikane" durch die Justiz an / Foto: © AFP

Der türkische Oppositionspolitiker und Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu hat am Freitag nach einer Gerichtsanhörung vor tausenden Anhängern "Schikane" durch die Justiz gegen ihn angeprangert. "Wir erleben in Istanbul eine Schikane durch die Justiz auf höchster Ebene, aber wir geben nicht auf", sagte Imamoglu nach dem Verlassen des Gerichtsgebäudes im Istanbuler Stadtteil Caglayan vor den zahlreichen Anhängern, die sich dort versammelt hatten.

Textgröße ändern:

"Wir werden weiter gegen die Ungerechtigkeit kämpfen", fügte der Bürgermeister hinzu. Imamoglu, Mitglied der größten türkischen Oppositionspartei, der linksnationalistischen CHP, gilt neben dem Bürgermeister von Ankara, Mansur Yavas, als größter Rivale von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Yavas, der ebenfalls der CHP angehört, wirft der Regierung vor, die Türkei in ein "Freiluftgefängnis" zu verwandeln.

Imamoglu, gegen den mehrere Ermittlungen laufen, musste am Freitag vor einem Staatsanwalt aussagen. Ihm wird vorgeworfen, den Generalstaatsanwalt von Istanbul verbal bedroht und dadurch die Justiz beeinflusst zu haben.

In seiner Aussage vor dem Gericht, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag, wies Imamoglu alle Vorwürfe zurück und betonte, er habe lediglich sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen. "Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein verfassungsmäßiges Recht, welches das Recht einschließt, Justizbehörden und ihre Arbeitsweise zu kritisieren", sagte er.

Imamoglu erklärte weiter, er werde sich "diesen Drohungen nicht beugen". Er warf der Justiz vor, ihn durch "politisch motivierte Ermittlungen" einschüchtern zu wollen.

Nach der Anhörung sprach er vor dem Gerichtsgebäude zu der Menschenmenge und prangerte eine "Verschwörung" gegen ihn an. Einige Anhänger trugen Masken aus Papier, die das Gesicht von Imamoglu zeigten, andere hielten Plakate hoch.

Die Regierungspartei AKP wolle sich rächen, "indem sie Imamoglu von der politischen Bühne entfernt", sagte der 48-jährige Imamoglu-Anhänger Ferdi Demirtas der Nachrichtenagentur AFP. Die Regierung sei "immer noch geschockt, weil sie bei den letzten beiden Wahlen in Istanbul verloren hat. Aber das wird uns nicht aufhalten", betonte er.

Seit den Kommunalwahlen im März 2024 sind bereits elf gewählte Vertreter abgesetzt worden, darunter zwei CHP-Bürgermeister von Istanbuler Bezirken sowie acht Bürgermeister in anderen Orten, die der prokurdischen DEM-Partei angehören. Zudem waren jüngst eine Reihe von Journalisten und Künstlern festgenommen worden.

Imamoglu, der bei vielen Kritikern des islamisch-konservativen Präsidenten Erdogan in der Türkei als Hoffnungsträger und möglicher künftiger Präsident gilt, ist seit Jahren das Ziel zahlreicher Ermittlungen. Bei der Präsidentschaftswahl 2023 wurde er zunächst als möglicher Anwärter gehandelt - bis ein Gerichtsurteil ihm einen Stein in den Weg legte. Bei der Kommunalwahl vergangenes Jahr war er im Amt bestätigt worden.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Linke, Grüne und SPD erzielen Einigung bei Sondierungen in Berlin

Vier Wochen nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus haben Linke, Grüne und SPD bei den Sondierungsgesprächen für eine Regierungskoalition eine Einigung erzielt. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Samstag aus Parteikreisen. Die drei Parteien kündigten für 17.00 Uhr ein "gemeinsames Pressestatement zum Ende der Sondierungen" an. Über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen müssen nun noch die Parteigremien entscheiden.

Neuer Minister Schweitzer setzt auf Kompromiss im Streit über Rente mit 63

Der neue Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) setzt in der Debatte über die sogenannte Rente mit 63 auf einen Kompromiss innerhalb der schwarz-roten Koalition. In einem Interview zeigte er sich am Wochenende zuversichtlich, dass dies gelingen werde. Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) warnte aber davor, das Paket mit den Vorschlägen der Rentenkommission wieder aufzuschnüren.

Parteikreise: Einigung von Linke, Grünen und SPD bei Sondierungen in Berlin

Linke, Grüne und SPD haben bei den Sondierungsgesprächen für eine Regierung in Berlin eine Einigung erzielt. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Samstag aus Parteikreisen. Die drei Parteien kündigten für 17.00 Uhr ein "gemeinsames Pressestatement zum Ende der Sondierungen" an. Über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen müssen nun noch die Parteigremien entscheiden.

Trump setzt geplante Sanktionen gegen Russland aus - Kritik aus Kiew, Lob aus Moskau

US-Präsident Donald Trump rückt immer weiter von der Ukraine ab: Zwei Tage vor deren Inkrafttreten legte Trump beschlossene Sanktionen gegen Russland per Dekret auf Eis. Sein Vorgehen begründete er am Freitag (Ortszeit) mit dem "nationalen Interesse der Vereinigten Staaten". Während der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den USA vorwarf, Putin zu "belohnen" und zu weiteren Angriffen zu "ermutigen", bezeichnete der Kreml den Vorgang als "historischen Moment".

Textgröße ändern: