Deutsche Tageszeitung - 102-jähriger Franzose fordert Entschädigung für Zwangsarbeit in Nazideutschland

102-jähriger Franzose fordert Entschädigung für Zwangsarbeit in Nazideutschland


102-jähriger Franzose fordert Entschädigung für Zwangsarbeit in Nazideutschland
102-jähriger Franzose fordert Entschädigung für Zwangsarbeit in Nazideutschland / Foto: © AFP

Ein 102 Jahre alter Franzose hat für seine Zeit als Zwangsarbeiter in Nazideutschland vor Gericht eine Entschädigung vom französischen Staat verlangt. "Es ist ein Prozess für die Geschichte und zur Erinnerung, solange ich noch Zeugnis ablegen kann", sagte Albert Corrieri am Dienstag vor dem Beginn der Gerichtsverhandlung in Marseille.

Textgröße ändern:

Corrieri war 1943 im Alter von 20 Jahren als Zwangsarbeiter nach Deutschland geschickt worden. Die mit dem NS-Regime zusammenarbeitende Vichy-Regierung hatte den Arbeitseinsatz von Franzosen in Deutschland organisiert. Insgesamt waren zwischen 600.000 und 700.000 Menschen davon betroffen.

"Ich bin in einen Zug eingestiegen und wusste nicht, wohin es ging", erinnert sich Corrieri. Er fand sich schließlich in Ludwigshafen, wo er Güterzüge mit Kohlen beladen musste. "Ich habe mehr als hundert Luftangriffe miterlebt, ein Freund ist an meiner Seite gestorben", sagt er. Er sei nun vor Gericht gezogen, um auf die "vergessenen Opfer" aufmerksam zu machen.

Für seinen zwei Jahre dauernden Einsatz zwischen 1943 und 1945 forderte er 43.200 Euro Schadensersatz vom französischen Staat. Dies entspricht einem Stundenlohn von zehn Euro für die Zeit seines Einsatzes.

Die öffentliche Berichterstatterin forderte am Dienstag, das Verfahren einzustellen, da es verjährt sei. Ehemalige Zwangsarbeiter seien zwar nicht als "deportiert", aber dennoch als "zivile Kriegsopfer" anerkannt und hätten bereits ein Recht auf eine pauschale Entschädigung.

Der Anwalt des Klägers hingegen betonte, dass sein Mandant "auf Willen der Vichy-Regierung deportiert und versklavt" worden sei. Dies seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die nicht verjährt würden, betonte er. Es gäbe ohnehin nur noch vier oder fünf ehemalige Zwangsarbeiter in Frankreich.

Die Verkündung des Urteils wird am 18. März erwartet. Ein Gericht in Nizza hatte eine ähnliche Entschädigungsforderung eines 101 Jahre alten ehemaligen Zwangsarbeiter kürzlich abgewiesen. Der Betroffene, der von demselben Anwalt vertreten wird, ging in Berufung.

(P.Hansen--DTZ)

Empfohlen

Ermittler: Copilot von Flydubai-Maschine plante Selbstmordanschlag auf Flughafen Tel Aviv

Der Copilot der in Saudi-Arabien notgelandeten Flydubai-Maschine plante nach Angaben der emiratischen Ermittler einen Selbstmordanschlag auf den Flughafen im israelischen Tel Aviv. Der Mann aus dem Oman habe sich dabei die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA zum Vorbild genommen, erklärte Generalstaatsanwalt Hamad Saif al-Schamsi am Freitag. Sein Ziel sei gewesen, so viele Menschen wie möglich zu töten.

Steinmeier und Macron besuchen französische Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen

Zum Abschluss seines zweitägigen Staatsbesuchs in Frankreich hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Themen Raumfahrt und nukleare Abschreckung in den Mittelpunkt gestellt. Gemeinsam mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron besuchte er am Freitag mehrere darauf spezialisierte Unternehmen. Ein ursprünglich geplantes Mittagessen im Rathaus von Bordeaux wurde an einen anderen Ort verlegt. In der Stadt war es im Zuge der Schülerproteste in den vergangenen Tagen zu Ausschreitungen gekommen.

Nach Nobelpreis für frühere IStGH-Richterin: USA verhängen Sanktionen gegen Haager Tribunal

Nach der Verkündung des Friedensnobelpreises für die frühere IStGH-Richterin Navi Pillay verhängen die USA Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH). US-Außenminister Marco Rubio erklärte am Freitag, die USA würden "sämtliche Geschäfte mit diesem Schurkengericht verbieten, seine Ressourcen beschneiden und seine Handlungsfähigkeit entscheidend schwächen".

Tausende demonstrieren in Berlin gegen Energiepolitik der Bundesregierung

In Berlin haben am Freitag tausende Menschen gegen die Energiepolitik der Bundesregierung und für einen konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien demonstriert. Der Veranstalter der Aktion, das Bündnis Erneuerbare Energien (BEE), sprach von 8000 Menschen, die Polizei zählte 6000 Teilnehmer. Dem BEE gehören Unternehmen und Industrieverbände sowie Umwelt- und Naturschutzorganisationen an, viele der Protestteilnehmer arbeiten im Bereich der Erneuerbaren.

Textgröße ändern: