Deutsche Tageszeitung - Türkei: AFP-Fotograf und sechs weitere Journalisten müssen in Untersuchungshaft

Türkei: AFP-Fotograf und sechs weitere Journalisten müssen in Untersuchungshaft


Türkei: AFP-Fotograf und sechs weitere Journalisten müssen in Untersuchungshaft
Türkei: AFP-Fotograf und sechs weitere Journalisten müssen in Untersuchungshaft / Foto: © AFP

In der Türkei müssen sieben Journalisten, die über die Massenproteste gegen die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan berichtet hatten, in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, an den verbotenen Demonstrationen teilgenommen zu haben, wie die Menschenrechtsorganisation MLSA am Dienstag mitteilte. Unter den Beschuldigten ist auch ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP, Yasin Akgül. Dieser sagte bei einer Gerichtsanhörung, er habe lediglich über die Proteste berichtet.

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Akgül und die sechs weiteren Journalisten waren am Montag im Morgengrauen in ihren Wohnungen in Istanbul festgenommen worden, nachdem sie über die Proteste gegen die Inhaftierung des beliebten Oppositionspolitikers Ekrem Imamoglu berichtet hatten. In Izmir im Westen der Türkei wurden drei weitere Journalisten festgenommen.

Reporter ohne Grenzen kritisierte Akgüls Festnahme als "skandalös". Zum ersten Mal sei in der Türkei ein Journalist, der eindeutig als solcher zu erkennen gewesen sei, bei der Ausübung seines Berufs auf der Grundlage eines Versammlungs- und Demonstrationsverbots verhaftet worden, sagte der Vertreter der Journalistenorganisation in der Türkei, Erol Önderoglu.

Auch der Deutsche Journalisten-Verband kritisierte die Inhaftierung der zehn Journalisten in der Türkei. "Demokratische Wahlen können nur stattfinden, wenn sich das Volk zuvor auch eine eigene Meinung bilden kann. Das ist in der Türkei kaum noch der Fall", erklärte der DJV-Vorsitzende Mika Beuster. "Wir gehen davon aus, dass 90 Prozent der Nachrichtenquellen von Erdogan gelenkt werden. Die Zahl von zehn inhaftierten Journalisten ist vor diesem Hintergrund besonders hoch."

Die Türkei gehe mit starken Schritten weiter in Richtung Autokratie, kritisierte Beuster. "Hut ab vor den Menschen auf der Straße, die in diesen Tagen ein deutliches Zeichen setzen. Die Verhaftungen sind nicht nur eine Gefahr für den Journalismus, sondern für die gesamte Demokratie."

In der Türkei war vor knapp einer Woche der beliebte Oppositionspolitiker Ekrem Imamoglu festgenommen worden, seitdem reißen die Proteste gegen Erdogans Regierung nicht ab. Nach Angaben von Innenminister Ali Yerlikaya gab es bei den "illegalen Demonstrationen" seit Mittwoch vergangener Woche insgesamt mehr als 1400 Festnahmen.

(P.Hansen--DTZ)

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