Deutsche Tageszeitung - US-Richter hebt Verbannung der Agentur AP von Trump-Terminen auf

US-Richter hebt Verbannung der Agentur AP von Trump-Terminen auf


US-Richter hebt Verbannung der Agentur AP von Trump-Terminen auf
US-Richter hebt Verbannung der Agentur AP von Trump-Terminen auf / Foto: © AFP/Archiv

Ein US-Bundesrichter hat der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) in ihrem Streit mit Präsident Donald Trump den Rücken gestärkt. Der Richter wies das Weiße Haus am Dienstag an, AP wieder Zugang zu Terminen des Präsidenten zu gewähren. Das Weiße Haus hatte die international tätige Agentur mit Sitz in den USA vor fast zwei Monaten ausgeschlossen, weil sie sich weigert, den Golf von Mexiko gemäß der von Trump angeordneten Namensänderung in "Golf von Amerika" umzubenennen.

Textgröße ändern:

Verbannt wurde die renommierte Nachrichtenagentur von Terminen in Trumps Büro im Weißen Haus sowie von der Mitreise im Präsidentenflugzeug Air Force One. Richter Trevor McFadden befand nun jedoch, dass diese Maßnahmen dem Zusatzartikel zur US-Verfassung von 1791 widersprächen. Das "First Amendment" garantiert die Meinungs- und Pressefreiheit.

Wenn die Regierung ihre Türen für einige Journalisten öffne, könne sie "diese Türen nicht für andere Journalisten wegen ihrer Einstellungen schließen", sagte der Richter. Er verwies auf auch wirtschaftlichen Schaden, welcher der Agentur durch den Bann entstanden sei: AP habe "in den letzten zwei Monaten wirtschaftlich geblutet".

Die Entscheidung des Richters hat vorläufigen Charakter. Er gab dem Weißen Haus fünf Tage Zeit, auf seinen Beschluss zu reagieren und eventuell Berufung bei einer höheren Instanz einzulegen.

AP reagierte erleichtert auf die richterliche Verfügung. Diese bekräftige "das fundamentale Rechte der Presse und der Öffentlichkeit, sich frei und ohne Vergeltung durch die Regierung zu äußern", erklärte eine Sprecherin. Die Agentur hatte das Weiße Haus wegen des Ausschlusses ihrer Reporter, Fotografen und Videojournalisten im Februar verklagt.

Auch die Vereinigung der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten (WHCA) begrüßte die Richterentscheidung. Die Vereinigung sei "begeistert", dass die AP-Kollegen nun wieder an Terminen teilnehmen dürften, "von denen sie verbannt wurden, nur weil sie Wörter benutzt haben, die dem Weißen Haus nicht gefallen", hieß es in einer Erklärung.

Der Konflikt zwischen AP und Trump war entstanden, weil die Agentur es ablehnt, den Golf von Mexiko als "Golf von Amerika" zu bezeichnen und ihr redaktionelles Regelwerk entsprechend zu ändern. AP verweist darauf, dass das Meeresgebiet bereits seit mehr als 400 Jahren "Golf von Mexiko" heißt.

Auch hob die Agentur in ihren redaktionellen Sprachregularien hervor, dass sie als Nachrichtenlieferant für Kunden in aller Welt geografische Bezeichnungen verwenden müsse, die für alle Bezieher ihrer Dienste verständlich seien. Die von Trump verfügte Namensänderung des Golfs gelte nur für die USA, Mexiko und andere Länder müssten dem nicht folgen. Trump hatte unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Januar ein Dekret zur Umbenennung des Golfs von Mexiko in "Golf von Amerika" unterzeichnet.

AP ist die größte Nachrichtenagentur in den USA und eine der größten der Welt. Ihr sprachliches Regelwerk gehört in den Vereinigten Staaten seit Jahren zur Standardlektüre auch anderer Nachrichtenredaktionen sowie von Firmenbüros.

Die Verbannung von AP ist Teil eines Feldzugs gegen einen Großteil der etablierten Medien, den Trump bereits seit Jahren führt und den er seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus verstärkt hat.

So entzog das Weiße Haus auch der WHCA das Recht, eigenständig über die Zusammensetzung des sogenannten Pools zu entscheiden; dies ist die Gruppe von Journalisten, die aus nächster Nähe - also dem Oval Office oder der Air Force One - über den Präsidenten berichten. Über die Zusammensetzung des Pools entscheidet nun das Weiße Haus.

Rechtsgerichteten und Trump-freundlichen Journalisten, darunter auch Podcaster und Influencer, hat das Weiße Haus einen leichteren Zugang zu Terminen des Präsidenten verschafft. Nicht nur AP, sondern auch andere seit Jahrzehnten etablierte Medien klagen über erschwerte Arbeitsbedingungen.

So sagte der Verleger der "New York Times", Arthur G. Sulzberger, in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview des Magazins "stern": "Trump ist längst hinter uns her. Er hat uns wiederholt verklagt. Er hat uns von unserem langjährigen Reporterplatz im Pentagon entfernt. Er hat alle Regierungsabonnements für die 'Times' gekündigt."

Sulzberger sieht die Presse in den USA "unter dem stärksten Druck seit Generationen". Doch zeigte er sich kämpferisch. In der Vergangenheit hätten schon viele US-Präsidenten versucht, "uns von der Veröffentlichung von Informationen abzuhalten, die sie nicht in der Öffentlichkeit sehen wollten". Dies funktioniere bei der "New York Times" aber nicht. "Uns kann Trump nicht einschüchtern", sagte der Verleger.

(U.Kabuchyn--DTZ)

Empfohlen

Israelischer Soldat zerstört Kruzifix im Libanon: Netanjahu kündigt "harte Maßnahmen" an

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat "harte Maßnahmen" gegen einen Soldaten angekündigt, der ein Kruzifix im Süden des Libanon niedergerissen hat. "Ich war fassungslos und traurig, als ich erfuhr, dass ein IDF-Soldat eine katholische Ikone im Südlibanon beschädigt hat", schrieb Netanjahu im Onlinedienst X. "Militärermittler nehmen eine strafrechtliche Untersuchung vor und werden dementsprechend harte Maßnahmen gegen den Täter ergreifen", fügte Netanjahu hinzu.

Jugendliche berichten vor Bundestag über Erfahrung in Pandemie

Vor der Corona-Kommission des Bundestags haben am Montag rund 150 Jugendliche und junge Erwachsene über ihre Erfahrungen während der Pandemie berichtet. Die Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie hatte sie eingeladen, um die seelischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen während und nach der Pandemie sichtbar zu machen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) räumte bei der Veranstaltung ein, die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen seien in der Pandemie zu wenig berücksichtigt worden.

Ungewissheit über Fortsetzung von Verhandlungen im Iran-Krieg

Kurz vor dem Ende der zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg herrscht Ungewissheit über die Fortsetzung der Friedensverhandlungen: Der Iran traf nach Angaben seines Außenministeriums "noch keine Entscheidung" über eine Teilnahme an Gesprächen mit den USA, zu denen laut US-Präsident Donald Trump am Montag eine US-Delegation in Pakistan eintreffen sollte. Derweil brachte die US-Armee einen iranischen Frachter im Golf von Oman unter ihre Kontrolle. Teheran kündigte daraufhin Vergeltung an. Der Ölpreis schnellte angesichts befürchteter neuer Angriffe in die Höhe.

Prorussischer Ex-Präsident Radew holt bei Wahl in Bulgarien absolute Mehrheit

Der russlandfreundliche Ex-Präsident Rumen Radew ist als klarer Sieger aus der Parlamentswahl in Bulgarien hervorgegangen. Sein Mitte-links-Bündnis erreichte nach Auszählung fast aller Stimmen am Montag mit 44,7 Prozent zudem die absolute Mehrheit im Parlament. Radew strebt einen Dialog mit Russland an und lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine ab, will entsprechende EU-Beschlüsse aber nicht blockieren. Der Kreml begrüßte die Dialogbereitschaft des Wahlsiegers. Die EU-Spitzen gratulierten Radew.

Textgröße ändern: