Deutsche Tageszeitung - Merz will über Konsequenzen aus Israels Vorgehen im Gazastreifen beraten

Merz will über Konsequenzen aus Israels Vorgehen im Gazastreifen beraten


Merz will über Konsequenzen aus Israels Vorgehen im Gazastreifen beraten
Merz will über Konsequenzen aus Israels Vorgehen im Gazastreifen beraten / Foto: © Lehtikuva/AFP

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will in der Bundesregierung Gespräche über mögliche Konsequenzen aus dem israelischen Vorgehens im Gazastreifens führen. Er sehe "sehr, sehr kritisch, was da in den letzten Tagen geschehen ist", sagte Merz im finnischen Turku. Aus Reihen des Koalitionspartners SPD kamen weiter Rufe nach einem Stopp von Waffenlieferungen an Israel.

Textgröße ändern:

Merz hatte am Montag den Ton gegenüber Israel verschärft. "Wir sind bestürzt über das Schicksal und das furchtbare Leiden der Zivilbevölkerung", erneuerte er nun seine Kritik an Israels Vorgehen im Gazastreifen am Rande seiner Teilnahme am Treffen des Nordischen Rats in Finnland. Merz kündigte an, Gespräche darüber mit der israelischen Regierung zu "intensivieren und auch versuchen zu helfen".

Konkrete Konsequenzen von deutscher Seite ließ er jedoch offen. "Wie weit unsere Hilfe reicht, ist Gegenstand auch interner Beratungen der Bundesregierung", die noch nicht abgeschlossen seien, sagte er. Auch würden Entscheidungen, wenn sie dann getroffen werden, "nicht öffentlich sein".

In den vergangenen Tagen war in Deutschland vor allem über einen Stopp von Waffenlieferungen an Israel diskutiert worden. Gefragt wurde Merz in der Pressekonferenz in Finnland auch nach einer von mehreren EU-Ländern geforderten Überprüfung des Assozierungsabkommens mit Israel.

Innerhalb der SPD wurde die Forderungen nach einer Aussetzung von Waffenlieferungen an Israel lauter. Dies sei "ein wichtiger Hebel der Bundesrepublik, um Druck auszuüben", sagte der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer dem "Tagesspiegel" vom Dienstag. Es sei aus seiner Sicht auch "ein Baustein zum Lösen der andauernden humanitären Katastrophe in Gaza". Auch der frühere SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich plädierte im Deutschlandfunk dafür, Waffenlieferungen zu stoppen.

Die deutsche Staatsraison erfordere es, "Israel von seinem Irrweg abzubringen", sagte der frühere SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans dem "Tagesspiegel". "Die Einstellung von Waffenlieferungen für völkerrechtswidrige Zwecke gehört zwingend dazu." Einen Stopp der Waffenlieferungen hatten am Montag bereits der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Adis Ahmetovic und der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner gefordert.

Der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, wies Forderungen nach einem Stopp der Waffenlieferungen zurück. "Wer einen Frieden will, der darf Israel die notwendige Unterstützung durch Waffenlieferungen nicht verweigern", sagte Beck im "stern"-Podcast "5-Minuten-Talk". Israel befinde sich nicht allein im Krieg mit der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen, vielmehr führe das Land seit dem 7. Oktober 2023 in der gesamten Region einen Sieben-Fronten-Krieg.

"Wer Israel die Kraft und die Fähigkeiten nimmt, sich gegen diese Gefahren wirksam zu wehren, der beschwört erst recht einen großen Krieg", sagte der frühere Grünen-Politiker. Denn der warte "nur auf eine Schwäche Israels".

Merz bekräftigte das deutsche Bekenntnis zum Existenzrecht Israels und zu dessen Recht auf Selbstverteidigung. "Wir verurteilen ohne Wenn und Aber den Terror der Hamas", sagte der Kanzler. Auch forderte er die radikale Palästinenserorganisation erneut auf, alle Geiseln freizulassen und die Waffen niederzulegen.

Merz forderte zugleich aber die israelische Regierung auf, umgehend im Gazastreifen "humanitäre Hilfe zuzulassen, die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, Wasserversorgung zu ermöglichen" für die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen. Hier werde derzeit durch Israel "die Zivilbevölkerung im Übermaß in Mitleidenschaft gezogen".

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Trump: USA und Iran sprechen in New York drei Stunden miteinander

Die USA und der Iran haben am Rande der UN-Vollversammlung in New York einen neuen Anlauf für eine Gesprächslösung unternommen. US-Präsident Donald Trump sprach am Dienstag in New York von einem "sehr produktiven Treffen", das rund drei Stunden gedauert habe. Später bestätigte er, dass sein Sondergesandter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner die US-Delegation geleitet hätten.

Israel: Rechtsextremist Ben Gvir will nach Wahlen Verteidigungsminister werden

Der rechtsextreme israelische Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir strebt eigenen Angaben zufolge nach den Parlamentswahlen Ende Oktober das Amt des Verteidigungsministers an. Er bewerbe sich auf den Posten, da die Zeit gekommen sei, die "Denkweise" innerhalb der israelischen Armee zu ändern, sagte Ben Gvir am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Jerusalem. "Die Zeit ist gekommen, die Sicherheitsdoktrin des Staates Israel mit einem einzigen Ziel zu verändern: einen entschiedenen Sieg an jeder Front", fügte er hinzu.

Hohe Spritpreise und Dürre: Moldau verhängt Notstand in Energie- und Wassersektor

Angesichts hoher Spritpreise und einer schweren Dürre hat das Parlament in Moldau einen 60-tägigen Notstand im Energie- und Wassersektor erklärt. Der Gesetzesentwurf passierte am Dienstag das Parlament mit 54 zu 20 Stimmen; 22 Abgeordnete enthielten sich. Der Notstand erlaubt den moldauischen Behörden "eine schnelle Reaktion, falls es zu Unterbrechungen in der Versorgung mit Energie, Sprit und Wasser kommt", erklärte die Regierung.

Erdogan: Welt muss unverzüglich mit Wiederaufbau des Gazastreifens beginnen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in seiner Rede vor der UNO einen sofortigen Beginn des Wiederaufbaus im vom Krieg zerstörten Gazastreifen gefordert. "Wir müssen umgehend mit dem Wiederaufbau des Gazastreifens beginnen", sagte Erdogan am Dienstag bei der UN-Generaldebatte in New York. Die Staatenlenker der Welt forderte er auf, "größeren Druck auf Israel auszuüben".

Textgröße ändern: