Deutsche Tageszeitung - Am Unabhängigkeitstag: Trump unterzeichnet umstrittenes Haushaltsgesetz

Am Unabhängigkeitstag: Trump unterzeichnet umstrittenes Haushaltsgesetz


Am Unabhängigkeitstag: Trump unterzeichnet umstrittenes Haushaltsgesetz
Am Unabhängigkeitstag: Trump unterzeichnet umstrittenes Haushaltsgesetz / Foto: © POOL/AFP

Triumphale Unterzeichnung am 4. Juli: Inmitten der Feiern zum US-Unabhängigkeitstag hat Präsident Donald Trump sein hochumstrittenes Haushaltsgesetz in Kraft gesetzt. "Amerika gewinnt, gewinnt, gewinnt wie nie zuvor", schwärmte der Rechtspopulist bei der Zeremonie am Freitag. Zu den Feierlichkeiten gehörte auch ein Überflug zweier B2-Tarnkappenbomber über dem Weißen Haus - mit Kampfflugzeugen dieses Typs hatten die USA jüngst die Atomanlagen im Iran bombardiert.

Textgröße ändern:

Der von Trump als "Big Beautiful Bill" ("großes schönes Gesetz") angepriesene Haushaltsplan ist das bislang wichtigste Gesetz seiner zweiten Amtszeit. Der Rechtspopulist will damit zentrale Wahlversprechen wie massive Steuersenkungen sowie mehr Geld für Grenzschutz und Verteidigung umsetzen. Umstritten ist das Gesetz vor allem wegen der vorgesehenen Einschnitte bei Sozialleistungen und eines befürchteten Rekordanstiegs der Staatsverschuldung.

Bei der Unterzeichnung des Gesetzes war Trump im Weißen Haus von zahlreichen Kongressmitgliedern seiner republikanischen Partei umringt. Das Gesetz war nach langem Ringen auch gegen erheblichen Widerstand in den republikanischen Reihen durchgesetzt worden.

Erst am Donnerstag nahm es im Kongress die letzte Hürde, so dass der Präsident - wie von ihm gewünscht - das Gesetz während der Feiern zum 249. Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten unterzeichnen konnte. Trump benutzte dafür einen Filzstift.

"Wir treten in das Goldene Zeitalter Amerikas ein", sagte der Präsident während der Zeremonie. Den Slogan vom "Goldenen Zeitalter" hat er seit seinem Amtsantritt im Januar immer wieder benutzt.

Mit dem Gesetzespaket werden Steuererleichterungen aus Trumps erster Amtszeit (2017 bis 2021) im Umfang von 4,5 Billionen Dollar (rund 3,8 Billionen Euro) verlängert. Zudem werden Steuern auf Trinkgelder und Überstunden gestrichen und zusätzliche Milliardensummen für die Verteidigung sowie den Grenzschutz und die Abschiebung von Migranten freigegeben.

Zur Gegenfinanzierung sind neue Schulden sowie unter anderem Einschnitte bei der staatlichen Gesundheitsversicherung Medicaid für einkommensschwache Bürger vorgesehen. Trumps Vorgänger Joe Biden von den Demokraten nannte das Gesetz wegen der Sozialeinschnitte "nicht nur rücksichtslos, sondern grausam".

Nach Schätzungen aus dem Kongress dürften rund zwölf Millionen US-Bürger ihre Krankenversicherung verlieren. Die Demokraten gehen sogar von mehr als 17 Millionen Betroffenen aus. Befürchtet wird auch, dass als Folge der Kürzungen zahlreiche Krankenhäuser in ländlichen Gegenden schließen müssen.

Trump verwarf diese Einwände und Befürchtungen als unberechtigt. Die Kritiker würden sagen, das Gesetz sei "gefährlich" und "alle werden sterben". Doch "genau das Gegenteil" sei der Fall, sagte er am Freitag.

Unter den Republikanern war das Gesetz vor allem wegen des befürchteten massiven Anstiegs der Staatsschulden umstritten. Allein die im Gesetz vorgesehenen Mehrausgaben dürften die Staatsverschuldung nach Kongressangaben binnen zehn Jahren um 3,4 Billionen Dollar (knapp 2,9 Billionen Euro) aufblähen, das wäre ein neuer Rekord. Die US-Schuldenlast liegt laut Finanzministerium bereits jetzt bei 123 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - rund doppelt so hoch wie die Deutschlands.

Der Überflug der beiden B2-Bomber über dem Weißen Haus wurde von Trump zusammen mit seiner Ehefrau Melania vom Balkon des Präsidentensitzes beobachtet. Die beiden Tarnkappenbomber wurden von F-35- und F-22-Kampfflugzeugen begleitet. Die Piloten, welche die Tarnkappenbomber bei den Angriffen im Iran gesteuert hatten, waren zu der Zeremonie im Weißen Haus eingeladen.

Die Feierlichkeiten in Washington zum Unabhängigkeitstag endeten dann am Abend mit dem traditionellen Feuerwerk an der National Mall, der von Monumenten und Museen gesäumten Grünanlage im Herzen der US-Hauptstadt.

(L.Svenson--DTZ)

Empfohlen

Araghtschi: Iran sieht derzeit "keine Notwendigkeit" für Gespräche mit den USA

Der Iran hat nach Angaben von Außenminister Abbas Araghtschi derzeit keine Pläne für Gespräche mit den USA. "Unter den gegenwärtigen Umständen sieht der Iran keine Notwendigkeit für ein Treffen mit den Amerikanern", sagte Araghtschi am Samstag laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Irna in einem Interview mit dem Fernsehsender Al Dschasira. Die Bedingungen Teherans für ein Abkommen mit den USA seien klar, "diesbezügliche Konsultationen finden derzeit unter Vermittlern statt".

Medienbericht: US-Regierung will mehr als 150 Afghanen abschieben

Die US-Regierung will einem Bericht zufolge mehr als 150 afghanische Migranten über Pakistan in ihre Heimat abschieben, obwohl ihnen dort Aktivisten zufolge Verfolgung und Gewalt drohen. Der erste Abschiebeflug könnte bereits am Montag starten, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf drei US-Regierungsmitarbeiter. Unter den Migranten befinden sich nach Angaben der Menschenrechtsgruppe AfghanEvac auch Afghanen, die früher für das US-Militär in dem Land am Hindukusch gearbeitet haben.

Proteste in Frankreich: Studenten rufen zu Blockade von Universitäten auf

In Frankreich haben landesweite Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem begonnen. Bei einem Protestmarsch in der Hauptstadt Paris riefen zwei Studentengewerkschaften am Samstag zu einer Blockade von Universitäten und Gymnasien am kommenden Dienstag und Donnerstag auf. Grund sei unter anderem das Verbot einer von den Demonstrierenden in Paris angemeldeten Route durch die Behörden, sagte die Sprecherin der Gewerkschaft USL, Sabrine Kharbach.

Nur wenig Zulauf zu "GenZ"-Protesten: Bisher friedlicher Verlauf

Die bundesweiten Jugendproteste der Gruppierung "GenZ regelt" in Deutschland sind am Samstagnachmittag mit deutlich weniger Teilnehmern als von den Organisatoren erwartet gestartet. Dabei blieb es an den Veranstaltungsorten mit den größten prognostizierten Teilnehmerzahlen zunächst überall friedlich, wie die Polizei mitteilte.

Textgröße ändern: