Deutsche Tageszeitung - Spendenaffäre: Parteisitz der Rechtspopulisten in Paris durchsucht

Spendenaffäre: Parteisitz der Rechtspopulisten in Paris durchsucht


Spendenaffäre: Parteisitz der Rechtspopulisten in Paris durchsucht
Spendenaffäre: Parteisitz der Rechtspopulisten in Paris durchsucht / Foto: © AFP/Archiv

Im Zusammenhang mit Wahlkampfspenden 2022 hat die Polizei die Büros der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN) in Paris durchsucht. Auch Wohnungen führender Parteimitglieder seien Ziel der Razzia gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Hintergrund seien Ermittlungen zu möglicherweise illegalen Wahlkampfspenden.

Textgröße ändern:

Es solle geklärt werden, "ob der Wahlkampf unter anderem durch illegale Kredite von Einzelpersonen, (...) durch überhöhte oder fiktive Abrechnungen finanziert wurde", hieß es weiter. Bislang sei niemand angeklagt.

RN-Parteichef Jordan Bardella bezeichnete die Durchsuchungen als Angriff auf den politischen Pluralismus in Frankreich. Etwa 20 Beamte der Finanzpolizei und zwei Untersuchungsrichter hätten am Mittwochmorgen die Büros der Parteispitzen durchsucht und zahlreiche Dokumente beschlagnahmt, teilte er im Onlinedienst X mit.

Noch niemals sei eine Oppositionspartei in Frankreich so sehr "schikaniert" worden. "Dies ist ein schwerer Angriff auf den Pluralismus und den demokratischen Wechsel", empörte sich Bardella. Alle Unterlagen der vergangenen Regional-, Präsidentschafts-, Parlaments- und Europawahlen befänden sich nun in den Händen der Justiz.

Die EU-Staatsanwaltschaft hatte zuvor erklärt, dass diese Durchsuchung nichts mit den am Vortag angekündigten Ermittlungen gegen die mittlerweile aufgelöste Rechtsaußen-Fraktion Identität und Demokratie (ID) im Europaparlament zu tun habe. Diese Fraktion, der neben dem RN auch die AfD angehörte, soll nach Recherchen investigativer Medien EU-Gelder in Höhe von etwa 4,3 Millionen Euro veruntreut zu haben.

Die französische Justiz befasst sich seit Juli 2024 insbesondere mit Spenden von Privatpersonen an den RN. Die Wahlkampfkommission hatte die Justiz eingeschaltet, da der RN diese unter bestimmten Bedingungen legalen Darlehen deutlich stärker genutzt hatte als die übrigen Parteien.

"Die Kredite müssen zurückgezahlt werden, sonst handelt es sich um verschleierte Spenden und einen Verstoß gegen das Wahlrecht", hatte der Chef der Wahlkampfkommission, Christian Charpy, kürzlich betont. Im Jahr 2021 seien 613 von 764 Einzelspenden auf das Konto des RN gegangen, im Jahr darauf seien es 425 von 492 Einzelspenden gewesen, sagte Charpy.

Bardella ist derzeit als möglicher Präsidentschaftskandidat des RN bei der 2027 anstehenden Wahl im Gespräch. Die Fraktionsvorsitzende Marine Le Pen, die eigentlich antreten wollte, wurde wegen der Veruntreuung von EU-Geldern im März unter anderem zu einem fünf Jahre dauernden Kandidaturverbot verurteilt. Dies könnte im Berufungsverfahren im kommenden Jahr bestätigt oder aufgehoben werden.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Russischer Außenminister Lawrow: Hatte "angenehmes" Gespräch mit Rubio in Atlanta

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte nach eigenen Worten ein "angenehmes" Gespräch mit seinem US-Kollegen Marco Rubio am Rande des G20-Außenministertreffens in den Vereinigten Staaten. "Wir haben ein angenehmes Gespräch geführt, wenn auch ein kurzes, weil er aus verständlichen Gründen als Gastgeber viele Pflichten hat", sagte Lawrow am Freitag vor Journalisten. Rubio hatte Lawrow zu dem Treffen in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia eingeladen.

EU-Außenbeauftragte Kallas wirft Lawrow bei G20-Treffen "Lügen" über Ukraine vor

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat dem russischen Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Außenministertreffen in den USA vorgeworfen, dort Lügen über den Ukraine-Krieg verbreitet zu haben. "Natürlich hat er viele Lügen, viele falsche Darstellungen vorgebracht, die wir anschließend widerlegen konnten", sagte Kallas am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Lawrow habe keine Bereitschaft Moskaus zu Friedensverhandlungen erkennen lassen.

US-Regierung gibt grünes Licht für Verkauf von 500 Patriot-Raketen an die Ukraine

Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hat nach Angaben des Außenministeriums in Washington grünes Licht für einen Verkauf von 500 Raketen des US-Flugabwehrsystems Patriot an die Ukraine gegeben. "Der vorgeschlagene Verkauf wird die Fähigkeit der Ukraine verbessern, aktuellen und zukünftigen Bedrohungen zu begegnen, indem er ihre integrierten Luft- und Raketenabwehrkapazitäten stärkt", erklärte das Außenministerium am Freitag.

47,9 Millionen Wähler: Neuer Rekord bei vorzeitiger Stimmabgabe für Midterms

Vier Tage vor den US-Kongresswahlen haben so viele Wahlberechtigte vorzeitig ihre Stimme abgegeben wie noch nie bei den sogenannten Midterms: Gut 47,9 Millionen Menschen nutzten bis Freitagmittag (Ortszeit) die Möglichkeit der Stimmabgabe vor der eigentlichen Wahl am Dienstag, wie Zahlen der Universität Florida zeigten. Damit wurde der bisherige Höchstwert für eine Zwischenwahl von rund 45,9 Millionen vorzeitig abgegebenen Stimmen von 2022 noch übertroffen.

Textgröße ändern: