Deutsche Tageszeitung - Drei Tote bei israelischem Angriff auf einzige katholische Kirche des Gazastreifens

Drei Tote bei israelischem Angriff auf einzige katholische Kirche des Gazastreifens


Drei Tote bei israelischem Angriff auf einzige katholische Kirche des Gazastreifens
Drei Tote bei israelischem Angriff auf einzige katholische Kirche des Gazastreifens / Foto: © AFP

Bei einem Angriff der israelischen Streitkräfte auf die einzige katholische Kirche des Gazastreifens sind drei Menschen getötet worden. Zehn weitere Menschen seien verletzt worden, teilte Lateinische Patriarchat von Jerusalem am Donnerstag mit. "Wir wissen mit Sicherheit, dass ein Panzer die Kirche direkt angegriffen hat", sagte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzabella, dem Nachrichtenportal "Vatikan News". Die israelische Armee habe erklärt, der Angriff sei ein Versehen gewesen, "aber wir sind uns da nicht sicher", sagte er weiter.

Textgröße ändern:

Die von der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas kontrollierte Zivilschutzbehörde im Gazastreifen bestätigte den Tod von drei Menschen. Zuvor hatten das Patriarchat und der Zivilschutz zwei Todesopfer gemeldet.

"Israel zielt niemals auf Kirchen oder religiöse Stätten", erklärte das israelische Außenministerium im Onlinedienst X. Israel empfinde "tiefes Bedauern über die Beschädigung der Kirche der Heiligen Familie in der Stadt Gaza und die zivilen Opfer". Die israelische Armee werde den Vorfall untersuchen.

Das Lateinische Patriarchat verurteilte den Angriff auf einen "heiligen Ort, der rund 600 Vertriebene beherbergte, darunter vor allem Kinder" als "eklatante Verletzung der Menschenwürde". Die Menschen hätten in der Kirche Zuflucht gesucht, nachdem ihnen der Krieg bereits "ihre Häuser, Habseligkeiten und Würde" genommen habe. Unter den Verletzten war nach Angaben des Patriarchats auch der Priester der Gemeinde, Gabriel Romanelli.

Papst Leo XIV. zeigte sich "zutiefst betrübt" über den Verlust von Menschenleben und den Angriff auf die Kirche der Heiligen Familie, wie der Staatssekretär des Vatikans im Namen des Papstes erklärte. Der Papst fordere eine "sofortige Waffenruhe" im Gazastreifen, hieß es in der Erklärung weiter, in der Israel aber nicht explizit genannt wurde.

Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte den Angriff: "Kein militärisches Vorgehen kann ein solches Verhalten rechtfertigen", erklärte sie auf X. Der verstorbene Papst Franziskus habe in regelmäßigem Austausch mit der Pfarrei der Kirche der Heiligen Familie gestanden.

Frankreich bezeichnete den Angriff als "inakzeptabel". Außenminister Jean-Noël Barrot erinnerte daran, dass die katholische Kirche im Gazastreifen unter dem "historischen Schutz Frankreichs" stehe. "Es ist Zeit, dass das Massaker in Gaza endet", fügte Barrot hinzu. Frankreich gilt seit einem Abkommen aus dem 16. Jahrhundert als Beschützerin katholischer Gemeinschaften im Nahen Osten.

Der Krieg im Gazastreifen war durch den Großangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Dabei wurden nach israelischen Angaben mehr als 1210 Menschen getötet, 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Als Reaktion auf den Hamas-Angriff geht Israel seither massiv militärisch in dem Küstenstreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 58.500 Menschen getötet.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Erneute Proteste am Samstag: Frankreich mobilisiert 70.000 Polizisten

Mit einem massiven Polizeiaufgebot bereiten sich die französischen Behörden auf einen erneuten Protesttag am kommenden Samstag vor. Rund 70.000 Polizisten sollten eingesetzt werden, sagte Innenminister Laurent Nuñez am Donnerstag. Es bestehe ein "sehr hohes Risiko von Störungen der öffentlichen Ordnung".

Nach Rückkehr nach Venezuela: Machado dankt Trump für Sturz Maduros

Die venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado hat US-Präsident Donald Trump für den US-Militäreinsatz zum Sturz des damaligen Staatschefs Nicolás Maduro gedankt. "Dank Ihrer Weitsicht, Ihres Mutes und Ihres Handelns am 3. Januar ist das Tor zur Freiheit aufgestoßen worden", sagte Machado am Donnerstag auf ihrer ersten Pressekonferenz nach ihrer Rückkehr nach Venezuela vor wenigen Tagen.

Weltklimarat soll im Dezember über nächsten Sachstandsbericht beraten

Nach den vorerst gescheiterten Verhandlungen über den Zeitplan für den nächsten großen Sachstandsbericht will der Weltklimarat (IPCC) Anfang Dezember erneut über noch offene Fragen beraten. Bei der virtuell abgehaltenen Sitzung vom 1. bis zum 3. Dezember solle über die Veröffentlichung des nächsten Sachstandsberichts sowie über den Haushalt beraten werden, erklärte der Weltklimarat am Donnerstag.

Frankreich verweigert österreichischem Rechtsextremisten Sellner die Einreise

Der rechtsextreme österreichische Aktivist Martin Sellner ist nach eigenen Angaben von den französischen Behörden an der Einreise nach Frankreich gehindert worden. "Ich bin am Flughafen in Frankreich festgehalten worden. Morgen werde ich abgeschoben", erklärte Sellner am Donnerstag im Onlinedienst X. Eigentlich wollte der 37-Jährige am Freitag sein Buch "Remigration" in einer Pariser Buchhandlung vorstellen und eine Signierstunde geben. Linke Gruppen hatten zu Protesten dagegen aufgerufen.

Textgröße ändern: