Deutsche Tageszeitung - Syrien: Beduinenfamilien aus von Drusen zurückeroberter Stadt Suwaida evakuiert

Syrien: Beduinenfamilien aus von Drusen zurückeroberter Stadt Suwaida evakuiert


Syrien: Beduinenfamilien aus von Drusen zurückeroberter Stadt Suwaida evakuiert
Syrien: Beduinenfamilien aus von Drusen zurückeroberter Stadt Suwaida evakuiert / Foto: © AFP

Nach der Rückeroberung der südsyrischen Stadt Suwaida durch die religiöse Minderheit der Drusen haben die syrischen Behörden mit der Evakuierung von Beduinenfamilien aus dem Ort begonnen. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP beobachtete, fuhren ein Buskonvoi und weitere Fahrzeuge in Suwaida ein, die anschließend Zivilisten aus der Stadt brachten, darunter Frauen und Kinder. Der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge wurden 1500 Angehörige von Beduinenstämmen evakuiert.

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Die Evakuierungen erfolgten in Zusammenarbeit der syrischen Behörden mit dem Roten Halbmond. Nach dem Verlassen der Stadt steuerten die Fahrzeuge Auffangzentren in der Nachbarprovinz Daraa und in der Hauptstadt Damaskus an.

Nach den brutalen Kämpfen mit mehr als tausend Toten im Süden Syriens hatten die Drusen Suwaida am Wochenende nach übereinstimmenden Angaben von sunnitischen Beduinen und mit ihnen verbündeten Milizen zurückerobert. Eine Waffenruhe hielt weitgehend. Am Sonntag traf zudem ein erster Hilfskonvoi in Suwaida ein.

Bei den vor einer Woche begonnenen Kämpfen in Südsyrien wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 1120 Menschen getötet. Unter den Todesopfern seien 427 drusische Kämpfer und 298 drusische Zivilisten, von denen 194 "von Kräften des Verteidigungs- und Innenministeriums in Schnellverfahren hingerichtet" worden seien, erklärte die Organisation, die ihre Informationen aus einem Netzwerk von Aktivisten in Syrien bezieht und deren Angaben sich oft nicht unabhängig überprüfen lassen.

Zudem seien 354 Mitglieder der Regierungskräfte getötet worden und 21 Beduinen, darunter drei Zivilisten, die "von drusischen Kämpfern hingerichtet" worden seien, teilte die Beobachtungsstelle mit.

Zwischen sunnitischen Beduinen und der muslimischen Minderheit der Drusen in Suwaida gibt es schon seit langer Zeit Konflikte, die immer wieder in Gewalt münden. Mitglieder der sunnitischen Beduinenstämme hatten nach Angaben der Beobachtungsstelle bei früheren Auseinandersetzungen auf der Seite der syrischen Sicherheitskräfte gekämpft.

Die gegenwärtigen Kämpfe in Suwaida hatten am Sonntag vor einer Woche begonnen. Zur Unterstützung der Beduinen kamen von außerhalb Kämpfer syrischer Milizen und Stämme in die Region. AFP-Journalisten sahen einige dieser Kämpfer maskiert und mit Schnellfeuerwaffen, einer hatte ein schwarzes, islamistisches Band um die Stirn gebunden. Ein anderer hielt eine Schere hoch, mit der Drusen die Schnurrbärte abgeschnitten wurden - eine Demütigung für diese religiöse Minderheit.

In den gegenwärtigen Konflikt hatte sich auch das Nachbarland Israel eingeschaltet, das als Schutzmacht der Drusen auftritt. Angehörige der im 11. Jahrhundert aus dem schiitischen Islam hervorgegangenen religiösen Minderheit leben auch in Israel sowie auf den von Israel besetzten Golanhöhen in Syrien. Anders als andere arabische Israelis dienen Drusen auch in der israelischen Armee.

(V.Sørensen--DTZ)

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