Deutsche Tageszeitung - Bund will Wirtschaft und Verwaltung besser vor Cyberangriffen schützen

Bund will Wirtschaft und Verwaltung besser vor Cyberangriffen schützen


Bund will Wirtschaft und Verwaltung besser vor Cyberangriffen schützen
Bund will Wirtschaft und Verwaltung besser vor Cyberangriffen schützen / Foto: © AFP/Archiv

Die Bundesregierung will Wirtschaft und Verwaltung besser vor Cyberangriffen schützen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf des Bundesinnenministeriums beschloss das Kabinett am Mittwoch. Mit diesem wird unter anderem die EU-Richtlinie zur Netzwerk- und Informationssicherheit (NIS-2) in nationales Recht umgesetzt. Für Betreiber sogenannter kritischer Infrastruktur und andere wichtige Firmen sollen damit künftig strengere Standards bei der Cybersicherheit gelten. Insgesamt sind demnach deutschlandweit 29.500 Unternehmen betroffen.

Textgröße ändern:

Sie sollen entsprechende Maßnahmen zum Schutz vor Cyberangriffen etablieren, zum Beispiel Backup-Konzepte oder Verschlüsselungslösungen. Zudem soll es künftig eine Pflicht zur Meldung von Sicherheitsvorfällen geben. Die Bundesregierung will darüber hinaus die Rolle des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stärken: Dieses soll mehr Befugnisse bei Aufsicht und Durchsetzung bekommen.

Besser vor Cyberangriffen geschützt werden soll mit dem Gesetzentwurf auch die Verwaltung des Bundes. Deren Einrichtungen müssen künftig entsprechende Mindestanforderungen der Informationssicherheit erfüllen.

"Mit dem neuen Gesetz schaffen wir ein deutlich höheres Sicherheitsniveau für unsere Wirtschaft und Verwaltung", erklärte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zum Kabinettsbeschluss. "Unternehmen und Behörden werden widerstandsfähiger gegen Cyberangriffe." Die Bundesregierung setze dabei "auf klare Regeln ohne unnötige Bürokratie".

Mit dem Gesetzentwurf gehe "Deutschland einen wichtigen Schritt in Richtung einer resilienten Cybernation", betonte BSI-Präsidentin Claudia Plattner. "Um Wohlstand und Stabilität weiterhin sichern zu können, müssen Wirtschaft und Staat sich besser gegen Cybergefahren wappnen."

Die Wirtschaft begrüßte die Gesetzesinitiative überwiegend, sieht allerdings noch offene Punkte oder Nachbesserungsbedarf. Mit dem Gesetz kehre "das Thema Cybersicherheit endlich auf die politische Bühne zurück", erklärte beispielsweise Ulrich Plate vom Verband der Internetwirtschaft (Eco). Er nannte dies "überfällig angesichts der sicherheitspolitischen Lage".

Plate bemängelte aber noch offene Fragen, unter anderem zu Ausnahmen für bestimmte Unternehmen. Diese müssten nun im parlamentarischen Verfahren geklärt werden.

Der TÜV-Verband nannte das Gesetz "längst überfällig". Es müsse "angesichts der Bedrohungslage im Cyberraum zügig beschlossen werden", forderte Marc Fliehe vom TÜV-Verband. Auch dieser sieht allerdings noch offene Punkte bei Ausnahmeregelungen und Nachweispflichten.

Als "nicht ausreichend" erachtet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) deshalb den Gesetzentwurf. Die Ausnahmen darin verhinderten "ein bundesweit einheitlich hohes Sicherheitsniveau", kritisierte VCI-Geschäftsführer Digitalisierung Johann-Peter Nickel. "Hier ist noch sehr viel Luft nach oben."

Aus einem anderen Grund sieht die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, noch "Nachbesserungsbedarf": In der aktuellen Lage dürften Unternehmen nicht unnötig zusätzlich belastet werden, erklärte sie.

Das Ziel der NIS-2-Richtlinie nannte Müller aber "gut und richtig: Europas Cyber-Resilienz muss gestärkt werden". Die Umsetzung müsse dabei "praktikabel, effizient und verhältnismäßig" sein.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Artemis-2-Astronauten treten Rückflug an - Trump gratuliert

Mondkrater, eine Sonnenfinsternis und eine rund 40-minütige Kommunikationsunterbrechung: Die Astronauten der Artemis-2-Mission haben am Montag ihre Mondumrundung abgeschlossen und sind ihre Rückreise zur Erde angetreten. "Ich kann gar nicht genug betonen, wie viel wissenschaftliche Erkenntnisse wir bereits erlangt haben", sagte die leitende Wissenschaftlerin der Mondmission, Kelsey Young, am Montag (Ortszeit) zu den Astronauten. US-Präsident Donald Trump lobte die Raumfahrer als "Pioniere der Moderne".

GKV-Chef pocht auf Zuckersteuer und höhere Alkohol- und Tabaksteuer

Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, hat in der Debatte um Gesundheitsreformen die Einführung einer Zuckersteuer und eine Erhöhung der Alkohol- und Tabaksteuer gefordert. "Wir müssen als Gesellschaft dahin kommen, dass nicht mehr so viele Menschen an sogenannten Volkskrankheiten leiden", sagte Blatt der "Rheinischen Post" (Dienstagsausgabe). "Lieber etwas teureres Bier und Zigaretten, als die milliardenteuren Folgeerkrankungen vom Trinken und Rauchen."

Gefahr für Sánchez: Korruptionsprozess gegen Spaniens Ex-Verkehrsminister beginnt

In einer für Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez zur schweren Belastung gewordenen Korruptionsaffäre muss sich ab Dienstag seine frühere rechte Hand, Ex-Verkehrsminister José Luis Ábalos, vor Gericht verantworten. Im Zentrum des Prozesses steht insbesondere der Verdacht auf irreguläre Maskenlieferverträge während der Corona-Pandemie. Ábalos war maßgeblich am Aufstieg und Machterhalt von Sánchez beteiligt. Die Opposition fordert den Rücktritt des Regierungschefs, dessen privates und berufliches Umfeld in mehrere Korruptionsaffären verstrickt ist.

Nach Angriffen auf iranisches Akw Buschehr: IAEA warnt vor "sehr realer Bedrohung"

Angesichts des bereits vierten Angriffs auf das Gelände des iranischen Atomkraftwerks Buschehr hat die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) vor einer "sehr realen Bedrohung für die nukleare Sicherheit" gewarnt. Luftangriffe auf ein in Betrieb befindliches Akw "könnten einen schweren radiologischen Unfall mit schädlichen Folgen für Mensch und Umwelt im Iran und darüber hinaus" verursachen, erklärte IAEA-Chef Rafael Grossi am Montag im Onlinedienst X. Diese "sehr reale Bedrohung" müsse aufhören.

Textgröße ändern: